verschiedenförmige Würfel
Kurzgeschichten,  Rollenspiel

Yara 26 – Mielikkis Champion

Arauthator war tot und Tiago entkommen. Draussen waren Kamfpgeräusche zu hören, die jedoch nach und nach verstummten. Der Regen und das Gewitter hatten noch nicht nachgelassen. Durch das eingestürzte Dach erreichten auch uns einige Tropfen, der Boden war rutschig und nass.
Wir untersuchten den Drachen. An seiner Rückenschuppe hing eine kleine Ledertasche, die wohl Tiago gehört hatte. Tappser kletterte auf den riesigen Körper und warf sie Cinar zu. Dieser fand darin eine Rolle und ein wunderschön verziertes Buch mit goldenen Rändern. Es sah wirklich sehr edel aus, mit dem blauen Edelstein, der auf der Vorderseite eingelassen war. Es war ungefähr im ersten Drittel handschriftlich beschrieben.
«Wahrscheinlich mit Zaubersprüchen», mutmasste Cinar. «Es sind verschiedene Handschriften, teilweise schon sehr verblasst und alt, hmmm…», und er blätterte etwas darin herum, «Im Vorwort steht, dass es ein Buch der Magiebindung sei. Darin können pro Jahrhundert fünf Zauber eingeschrieben werden, die sich in den Kopf des Zauberers einprägen, dafür müsse der Zauberer fünf andere Zaubersprüche für immer vergessen. Hm.» Und er blätterte weiter im Foliant herum. «Zwei Sprüche sind für dieses Jahrhundert schon verbraucht, so wie’s aussieht… Ich denke, das kannst du am beten gebrauchen, Yara.»
Cinar reichte mir das Buch. Uiuiui, damit musste ich mich mal in Ruhe beschäftigen. «Danke!»
Dann war da noch die Rolle. Cinar brach das Siegel. Es war eine Zauberblockierrolle! Die konnte Cinar sicher gut gebrauchen. Einstimmig beschlossen wir, dass er sich diesen wertvollen Schatz einstecken konnte.
«Danke!», grinste auch er.
Tappser versuchte, noch ein paar Drachenschuppen zu ergattern. Die waren ganz schön fest festgewachsen, zwei konnte er immerhin mit viel Mühe lose machen und einstecken. Eule, angesteckt vom Schatzfieber, schaffte mit ihren starken Armen, vier Schuppen zu ergattern. Hm, die konnte man sicher gut für irgendwas brauchen, vielleicht für einen Zauber oder ein magisches…Irgendwas? Ich musste das auch versuchen und zog prompt fünf Schuppen aus der dicken Lederhaut. So schwierig war das doch gar nicht?
Nun war Tappser wohl irgendwie etwas eingeschnappt (oje, hatten wir sein stolzes Katzenego wachgepiekst?) und er versuchte es nochmal. Und ähm… zerhackte dabei irgendwie des Drachen Vorderbein. Ohmann…
Cinar kam auf die Idee, einen Fangzahn zu wollen, dem ich ihm gerne und ohne Probleme zog.
Genug Leichen zerstückelt. Tapper trat vor die Kirche und verkündete unseren Sieg! Langsam kamen nun auch die Kämpfe draussen zu erliegen, als die Orks es doch mit der Angst zu tun bekamen.
Plötzlich kam Tappser noch einmal zurückgehuscht und schnitt sich ein riesiges Stück Fleisch aus dem Drachen.
Die arme Kreatur. Den riesigen Kadaver so liegen zu sehen, tat mir nun doch leid. Es ging mir nicht gut dabei, dass wir dieses eigentlich wunderschöne Tier so grausam erlegen mussten. Ich setzte mich davor und entschuldigte mich bei ihm. Und ich betete zu Mielikki für den Drachen. Dann folgte ich den anderen aus der zerstörten Kirche hinaus.

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Es bot sich uns ein Bild der Zertörung. Die Stadt war komplett zerstört. Überall lagen Leichen. Der Sieg war teuer erkämpft. Viel zu teuer. Alle Überlebenden waren am Ende ihrer Kräfte. Von den Zivilisten hatte augenscheinlich niemand überlebt.
Tappser rannte nochmal in die Kirche rein. Was hatte er jetzt wieder vergessen?
Als er zurückkam hatte er ein kleines Stück Drachenleder in den Händen. Dazu fiel mir jetzt echt nichts mehr ein…
Tristan räusperte sich: «Nun gut, das war wohl der anstrengendste Tag bisher in meinem Leben.»
«Ja, das war ziemlich aufregend, würde ich sagen», stimmte Cinar ihm zu.
«Wir haben zwar gewonnen, aber der Preis war hoch. Die Orks scheinen sich ja gottseidank zurückzuziehen. Dann werden wir mal sehen, was sich hier noch retten lässt. Danach planen wir, wie es weiter geht.»
«Dieses Mal werden die Leichenfeuer wohl sehr lange brennen», sagt Tappser.
«Ich hoffe, die Freunde in Sundabar haben wenigstens teilweise etwas erreichen können.»
«Wir sollten in der Gildenhalle nachsehen, ob es von dort etwas Neues gibt», schlug ich vor.
«Und danach sollten wir eine Pause machen.»
«Tut das, das habt ihr euch alle redlich verdient.»
Bruenor lachte: «Das war ein Kampf!» Wie konnte er sich so freuen, wenn sein Arm ausgekugelt und nutzlos an seiner Seite hing?
Ich bedankte mich sehr bei Drizzt, Bruenor, Tristan und vor allem Sir Isterval für die Unterstützung um Kampf und die Wiederbelebung. Auch Cinar und Eule bedankten sich, dann gingen sie durch das Portal.
Jetzt oder nie! Ich nahm all meinen Mut zusammen, ging auf Sir Isterval zu und umarmte ihn. Von meinem eigenen Mut erschrocken lief ich dann ganz schnell durch das Portal. Isterval wollte wohl gerade die Umarmung erwidern, als ich losrannte, kratzte sich am Hinterkopf und nickte lächelnd.

Vor dem Portal nach Sundabar wurde Tappser aufgehalten.
«Sundabar ist nicht mehr in unserer Hand», informierte ihn die Wache.
Die Katze drehte sich wieder um, um in Nesmé Bescheid zu sagen.
Langsam hörte der Regen auf und die Sonne kam hinaus. Sie beschien die Leichen, die sich in den Strassen stapelten. Auf dem Weg von der zerstörten Kirche zur Kaserne erschien mir plötzlich ein weisses Einhorn. Langsam bildete sich im Himmel ein Regenbogen. Das Einhorn richtete sich auf die Hinterbeine auf und trat mit den Vorderhufen die Luft, als würde es sich bedanken. Als Tappser durch das Tier hindurchging, als wäre es nicht da, verschwand es.
«Was hast du getan? Jetzt ist das Einhorn weg!?», herrschte ich ihn an.
«Sundabar ist gefallen.»
«Aber es hat sich bedankt!»
«Welches Einhorn?»
«Das durch das du eben hindurchgerannt bist!»
«Hast du was genommen?»
«Äh… nein, aber ich habe hier noch Fleischwurz», ich kramte in meiner Tasche und streckte ihm verständnislos eine Knolle hin, «aber ich habe schon lange keine mehr gegessen.»
«Dann bist du wohl eine grosse Heldin Mielikkis», sagte er und wuschelte mir durchs Haar, bevor er weiter rannte.
«Warte! Ich komme nochmal mit, vielleicht weiss Drizzt etwas darüber! Moment – Sundabar ist gefallen?!?»

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Vor der Kirche standen unsere vier Helden noch und unterhielten sich, wie es weitergehen sollte.
«Tristan, ich habe schlechte Nachrichten. Sundabar ist wohl gefallen und man glaubt auch nicht daran, dass viele Einwohner es geschafft haben zu fliehen.»
Traurig schüttelte Tristan den Kopf: «Das hört sich sehr schlecht an.»
Ich fragte Drizzt nach dem Einhorn. Er horchte auf. «Meint ihr, es kam von Mielikki?»
«Ich kann es mir nicht anders vorstellen.»
«Das war wohl wieder ein Zeichen. Ein gutes Zeichen, denke ich, wenn sie hier ist.»
«Ja, das denke ich auch!»
«Nun, das heisst jetzt wohl vollkommen, dass sie diech als ihren Champion akzeptiert hat, wenn sie sich dir nun richtig zeigt und nicht nur in der Wahrsagung jemandes anderen.»
Tappser verneigte sich plötzlich vor mir!
«Pfff! Nein, hör auf! Steh auf!»
«Nun, für heute können wir jedenfalls nur noch das Nötigste tun. Die ganzen Überlebenden werden wohl vorerst in eine andere Stadt ziehen müssen. Vorerst.»
Wir boten an, die Gildenhalle wieder nutzen zu können, um Vorräte für den Wiederaufbau aus einer anderen Stadt hierher bringen zu können. Das Portal in Sundabar war im Moment unbrauchbar geworden.

Auch in der Gildenhalle hatte sich das Wetter beruhigt. Der Regenbogen war noch leicht zu sehen. Cinar, Tappser und ich sahen uns den Regenbogen an. Irgendwie hatte er etwas Eigenartiges an sich. Das Ende schien ziemlich nahe zu sein. Wir folgten dem Bogen, als er sich anfing zu bewegen. Er blieb bei der Holzfällerhütte bei den frisch gefällten Bäumen im hohen Gras stehen. Ausgerechnet bei den gefällten Bäumen, Mielikki erlaubte sich wohl einen Scherz! Hiess das, hier in der Gildenhalle war das Bäume fällen in Ordnung? Würden wir hier etwas im Wald bauen können?
Da bückte sich Tappser und hob etwas vom Boden auf. Ein Einhornamulett an einer filigranen Kette! Der Regenbogen verschwand. Schade.
«Das hast du wohl verloren», mit diesen Worten händigte er mir das Schmuckstück aus.
Es ist wunderschön! Ich trug ja bereits eine ähnliche Kette, doch die war nichts im Vergleich mit diesem Symbol des Champions von Mielikki!
Ich legte meine alte Kette ab und hob die neue über den Kopf. Ich fühlte mich anders… mächtiger. Energiegeladen. Vor lauter Freude über das alles hüpfte ich um alle herum. So ein mächtiges Artefakt war sehr, sehr selten!

Dann hörten wir einen Aufruhr. Alle Flüchtlinge aus Sundabar standen vor dem Haus. Tapsi, Nehil und Chloe versuchten, die Leute zu beruhigen. Sie hatten schliesslich gerade alle ihre Heimat verloren.
Tappser richtete sich an die Menge: «Sundabar mag gefallen sein, aber der Krieg hat heute geendet und wir haben gewonnen. Ihr seid alle noch am Leben und das ist, was momentan wichtig ist. Wir werden uns eine neue Zukunft aufbauen!»
Seine Worte schienen nur eine verhaltene Wirkung zu entfalten. Also suchte er in seiner Tasche herum und hielt dann eine der Drachenschuppen hoch. Das war eine gute Idee! Ich nahm auch eine Schuppe zur Hand und zeigte sie den Leuten. Ich versprach ihnen, dass sie so lange hier bleiben konnten, wie sie sich ein neues Leben aufgebaut oder einen Ort gefunden haben, wo dies geht.
Langsam schienen die anwesenden etwas beruhigt und die Menschentraube löste sich allmählich auf.
Essen. Schlafen. Das war nun alles, woran ich noch denken konnte. Plötzlich fühlten sich meine Glieder bleischwer an. Doch ich lag wach in der Nacht. Flüsterflüsterflüster! Was wollten die Stimmen mir denn jetzt noch sagen?! Hatte ich nicht alles getan, was ihr wolltet? Lasst mich doch bitte einfach nur schlafen!

Es half alles nichts. Offensichtlich war Mielikki noch nicht fertig mit mir. Ich stand wieder früh auf und buk Pankaces mit Äpfeln und Rosinen für alle. Nach und nach kamen auch die anderen zum Frühstück. Irgendwann gesellte sich sogar Nehil zu uns.
«Ich habe etwas, worüber ich mit euch noch reden wollte.»
«Das Essen für die Ghule?», wollte Tappser wissen.
«Oh! Das muss ich mir aufschreiben. Für später… Aber wir haben vierhundert Einwohner aus Sundabar hier. Diese magische Halle generiert ja automatisch Essen. Das Problem ist, da wo das Essen erzeugt wird, in den Lagerkammern, nun ja…. die Kammern leeren sich schneller als gedacht. Etwa zweihundert könnten wir hier langfristig versorgen. Vielleicht können wir auch einige dazu bringen, hier was anzupflanzen. Nur, die meisten der hier Aufgenommenen sind Adlige und haben davon keine Ahnung.»
Hm, das war allerdings ein grösseres Problem. Wir berieten uns noch einige Zeit. Tappser und Cinar schlugen vor, in Nesmé nachzusehen, ob dort einige Bauern überlebt haben und ihnen hier Arbeit zu geben. Dann könnten diejenigen, die hier mit anpacken, ganze Rationen kriegen und die die nicht arbeiteten, halbe Rationen.
Tappser wollte sowieso in Nesmé nach einem Lederer für das Stück Drachenleder suchen gehen und erklärte sich bereit, auch nach einem Bauern zu suchen. Cinar und Eule wollten sich darum kümmern, dass die Ghule hier etwas zu Essen kriegen würden und ich wollte bei Vala nachfragen, ob sie etwas fürs Pflanzenwachstum brauen könnte.

So trennten wir uns vorerst auf, um unseren Ideen nachzugehen. Auf dem Weg zu Vala lief ich noch an Gin und Serania vorbei, die offenbar in einen Streit verwickelt waren. Hm, die mochten sich wohl nicht so.
Vala erzählte mir, sie brauche zuallererst eine alchemistische Grundausstattung. Zumindest einen Kessel und ein paar Gläser. Vielleicht würde ich so etwas sogar in den Überresten Nesmés finden. Ausserdem brauchte sie einige Zutaten.
«Hier im Wald wachsen allerdings auch allerlei interessante Gewächse, das muss ich noch untersuchen, danach kann ich dir eine Zutatenliste zusammenstellen. Vielleicht – aber nur vielleicht kann ich dann einen magischen Wachstumstrank herstellen…»
Dann würde ich mich wohl auch zu Tristan und den anderen in Nesmé aufmachen, vielleicht gab es dort ja mal sowas wie einen Stadtalchemisten. Nicht, dass ich grosse Hoffnungen hatte.

Während ich noch mit Vala sprach, waren die anderen schon in der Kirche angekommen. Alle waren sehr vorsichtig, wo sie hintraten und schauten ständig nach oben, ob nicht doch noch ein Teil von der Decke auf sie niederstürzen würde.
«Von den zehntausend Einwohnern hier haben nur ein paar Dutzend Zivilisten überlebt, fraglich, ob da Bauern dabei sind.» Tristan hatte die Nacht kein Auge zugetan. «Die meisten von den Soldaten hier hatten allerdings einen Körperspendeausweis dabei gehabt, für die Ghule müssten also genügend Vorräte da sein. Überhaupt haben von den viereinhalbtausend Soldaten gerade mal 733 überlebt. Die meisten davon werden zurück in ihre Heimat gehen. Sundabar ist in Hattusks Hand, zehntausend der Einwohner sind wohl durch die Orks gefallen.
Die Zitadelle Adbar ist allerdings wieder in Menschenhand. Der Plan ist nun, von Mithral Hall und Adbar aus Sundabar zurückzuerobern. Ihr Helden könnt gerne eurer Wege gehen. Im Laufe der weiteren Monate und Jahre wird sich das hier wohl wieder ganz gut einrenken lassen. Auch die Überlebenden in euren Hallen könnten hier in Nesmé aufgenommen werden und später, wenn sie wollen nach Adbar umsiedeln.»
Mittlerweile hatte ich es auch zur Kirche geschafft. Warum trafen die sich immer noch hier, obwohl das Gebäude so stark einsturzgefährdet war? War das nicht etwas gefährlich und leichtsinnig? Doch bevor ich etwas sagen konnte hatte Drizzt mein Amulett erspäht und verneigte sich tief vor mir.
«Nun ist es also offiziell, Champion von Mielikki.»
Yarahana Venci Nywyn Sana Kustilani Wyse – Champion von Mielikki, Drachenschlächterin von Nesmé, daran würde ich mich erst gewöhnen müssen.
Aber ich war wegen etwas Anderem hier. Ich fragte nach einem Alchemisten und tatsächlich wusste Bruenor, dass es einen gab, der wohl aber nicht überlebt hatte. Er erklärte mri den Weg zu dessen Haus. Vala könnte es bestimmt so oder so nützlich sein, egal ob sie bei uns in der Halle bleiben oder sich woanders eine neue Existenz aufbauen würde.

Cinar und Eule machten sich also auf, um Ghulnahrung zu beschaffen und Tappser und ich gingen zum Alchemistenhaus. Einen Lederer gab es in Nesmé nicht mehr, genausowenig wie Bauern.
Das Haus hatte die Schlacht erstaunlicherweise relativ gut überstanden. Es machte einen gemütlichen Eindruck. Sicherheitshalber klopfte ich an die Tür, doch die fiel dabei aus den Angeln. Da war wohl keiner mehr zu Hause. Wir kamen in ein Haus voller Zettel und Bücher und Flaschen, das meiste davon sogar noch heil. Ich packte einige leere Weinflaschen aus einem Regal ein, Tappser nahm einige normale Küchenkräuter mit. Auf dem Schreibtisch lagen Briefe. Der Alchemist hatte wohl einen regen Austausch mit jemandem aus Mithral Hall. Es war aber alles kryptisch über Forschungen und Formeln. Im Schlafzimmer nur Bücherregale mit Romanen, wenig Interessantens. Seltsam… Noch seltsamer war, dass das Haus drinnen viel kleiner wirkte, als von draussen. Die wenigen Zimmer hier waren doch nicht alles!
Ein Schrank war besonders verdächtig. Während alle anderen Möbel vollgepackt waren mit seichten Romanen und leeren Flaschen, war dieser leer. Bei näherem Hinsehen war die hintere Schrankwand auch sehr dünn und gab nach. Immer diese Billigmöbel! Ich zeigte Tappser den Schrank, der gegen die Hinterwand schlug. Nichts passierte. Da musste man wohl stärkere Geschütze auffahren. Ich zog meinen Stiefel etwas hoch und trat dagegen. Knack! War die Wand weg. So geht das!
Dahinter war Schleim auf dem Boden. Frischer Schleim. Eine Spur zog sich quer durch das Zimmer hinter dem Schrank. Ich hörte etwas quietschen und klappern. Die zwei Metallrüstungen dort fingen plötzlich an, sich zu bewegen und richteten ihre Waffen auf uns! Na, sowas Ähnliches kannten wir ja schon. Ob eine von den Rüstungen auch Caden hiess?
Aber keine Zeit mit animierten Objekten zu Reden! Tappser schlug als erster zu und drosch eine der zwei Rüstungen kaputt. Sie hielt sich, zwar verbeult und halb zerlegt, noch immer auf den Beinen.
Doch gegen meine heiligen Flammen hatte sie dann auch nichts mehr entgegenzusetzen und fiel in sich zusammen. Die Lederbänder, die die Rüstung zusammengehalten hatten, verbrannten komplett. Die Metallplatten klapperten zu Boden.
Die zweite Rüstung rammte ihren Speer voll in Tappsers Nieren. Aua!
Ich stärkte seine Verteidigung noch, bevor mein zweiter Angriff ins Leere ging.
Nun hatte die Rüstung es auf mich abgesehen, was ganz schön weh tat.
Tappser schlug ihr den Helm ab.
Meine Flammen schüttelte sie ab. Klappte jetzt denn gar nichts mehr?
Nein, denn auch die Rüstung traf mich mit ihrem nächsten Angriff nicht. Ätsch!
Noch einmal griff Tappser sie an und sie fiel in sich zusammen.
Na, da hatten wir schon hartnäckigere Gegner gehabt.

«Hallo?», schallte uns da aus dem Hauseingang entgegen. Cinar!
Eule und er waren auf dem Rückweg am Haus vorbeigekommen und hatten unsere Kampfgeräusche gehört. Nun kamen sie ins Haus reingestolpert. Wir zeigten ihnen den geheimen Durchgang und untersuchten das Haus nun zu viert. Und das hatte es in sich. Eine vollausgestattete Alchemieküche, mehr tote Rüstungen und ein schleimgefülltes Loch im Boden. Tappser packte alles was reinpasste in die bodenlose Tasche. Mich beschlich bei dem ganzen Schleim und vor allem den toten Rüstungen ein ungutes Gefühl. Es wurde immer mehr Schleim. Wir fanden auch eine vollgeschleimte Granitstatue und auf und in den toten Rüstungen war auch Schleim.
Im hintersten Zimmer war ein grosser Zuber zu sehen. Darin blubberte ein riesiger Schleim genüsslich. Er schien uns zu bemerken und blubberte und schmatzte in unsere Richtung. Wahrscheinlich hatte er einige der hier herumliegenden Tränke und Substanzen… ähm… phagozytiert und war wohl nicht mehr so ganz normal.
Als Eule und Cinar anfingen, auf den Schleim einzuschlagen zerteilten sie ihn nur in immer kleinere Schleimpfropfen.
Und es passierten seltsame Dinge.
Unerwartet löste sich ein Zauber aus meiner Hand und Tappser fing an zu schweben.
Cinar war – plopp – plötzlich einfach weg.
Eule lief blau an und wurde doppelt so gross wie vorher (und sprengte dabei den Türrahmen).
Was für ein Chaos! Wenn es nicht so gefährlich gewesen wäre, hätte es sicher lustig ausgesehen.
Irgendwann schleimten viele kleine Schleime den Boden voll, Cinar ploppte auf einen Schlag wieder in unsere Existenzebene, Eule blieb blau, Tappser hörte nicht auf zu fliegen, nur mit mir passierte äusserlich nichts und ich fühlte mich total stark.
Doch nach und nach konnten wir die kleinen Schleime zermatschen, bis keiner mehr übrig blieb.
Dann fiel Tappser aus der Luft, ich fühlte mich wieder einigermassen normal und Eule schrumpfte auf ihre Originalgrösse zurück. Die blaue Farbe schien aber nicht ganz so schnell wieder zu verblassen.
Das war also auch erledigt. Wir packten noch alles ein, was nicht niet- und nagelfest war und Vala gebrauchen könnte. Theoretisch könnte sie hier ja auch einziehen, wenn sie sich hier eine neue Existenz aufbauen wollte. Das war vielleicht keine schlechte Idee für sie und ihren Sohn.

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Zurück in der Gildenhalle brachte Cinar das Ghulfutter in die Sammelstelle und fragten wir Nehil, ob er bis spätestens morgen früh eine Versammlung einberufen könne.
«Das schaffen wir heute Abend vor dem zu Bett gehen, kein Problem!»
Dann statteten Tappser und ich Vala einen Besuch hab, brachten ihr die Alchemiesachen und unterbreiteten ihr auch unseren Vorschlag. Sie wollte es sich überlegen, die Idee fand sie jedenfalls auch gut.
Ich war von der ganzen Plackerei total schlapp und sowieso übermüdet. Vor der Versammlung legte ich mich noch etwas hin. Wieder flüsterte es. «Brondur». Wer?
Beim Abendessen fragte ich die anderen nach Brondur. Tappser schien der Name wohl etwas zu sagen und wollte uns vor der Person warnen.
«Wenn Brondur hier in der Nähe ist, danns ind wir hier wohl noch nicht fertig…»
«Naja, vielleicht ist Mielikki mit mir auch noch nicht fertig. Vielleicht sollten wir als nächstes Ziel diesen Brondur ins Visier nehmen oder so.»
«Ich hoffe sehr, dass Brondur unser nächstes Ziel ist.»

Dann wurde es laut im Innenhof. Die Versammlung konnte beginnen.
«Ähhh, ja, das ist die Versammlung», teilte Nehil uns mit.
Ein Raunen ging durch die Menge. Was wohl los sei, fragten sie sich.
Tappser erhob die Stimme: «Nun wird sich Mielikkis Champion an euch wenden!»
Na, fabelhaft, danke Tappser!
«Liebe Leute aus Sundabar! Eure Heimat ist zerstört, vorerst geht dahin kein Weg zurück. Die Anführer des Krieges würden euch gerne in Nesmé begrüssen. Dort könntet ihr euch eine neue Existenz aufbauen. Von dort aber auch weiterziehen zur Zitadelle Adbar, von wo aus ein Gegenangriff auf die Orks vorbereitet wird, um Sundabar von Hattusk zu befreien! Wir stellen es euch frei!»
Nochmal ging ein Raunen durch die Menge. Einige waren ablehnend, andere zustimmend.
«Ich sollte vielleicht noch anmerken, dass wir die Portale, die zu dieser Halle führen frei umsetzbar sind. Wir wollen hier niemanden entwurzeln, doch es wird so sein, dass wir uns anderen Aufgaben zuwenden werden und die Portale völlig woanders hinstellen müssen. Zumindest das Portal nach Sundabar, das momentan unbrauchbar und viel zu gefährlich geworden ist.»
Nun wurde der Grundtenor des Raunens doch eindeutiger. Vor allem die Adligen, die sich hier drinnen ungerecht behandelt fühlten, wollten in Nesmé bleiben. Einige wollten aber trotzdem noch hier bleiben. Sie hatten hier Arbeit und volle Rationen und fühlten sich eigentlich ganz wohl hier. Nun, wir wollten niemanden rausschmeissen.
Eine leicht bekleidete Tänzerin namens Triss fragte, wo es denn hingehen könnte mit den Portalen.
«Das ist noch nicht so ganz sicher, sehr wahrscheinlich aber Richtung Südwesten, Neverwinter.»
«Ach, das klingt doch ganz gut! Etwas weiter südlich wäre auch ganz gut aber Neverwinter klingt vorerst auch nicht schlecht.»
Dann lösten wir die Versammlung auf und ich hüpfte den Leuten hinterher und winkte.

Schlafenszeit.
«…Neverwinter…»
Ausgeruht stand ich auf und machte wieder Frühstück für alle. Also war es doch so, wie wir uns gedacht hatten. Neverwinter.
Vor Eules Schlafbaum stand Lady Tharbjiörn und mokierte sich über den Zustand Nesmés. Ja, was hatte sie denn erwartet nach einer solchen Schlacht?
Sie machte uns ein Angebot: «Ich würde mir im Wald ein paar Bäume fällen (lassen) und ein kleines Schlösschen bauen. Dort würe ich einigen Flüchtlingen Zutritt und Zimmer gewähren und sie als Diener anstellen.»
«Hier werden keine Bäume mehr gefällt!», entrüstete ich mich.
«Für wen ist denn das Angebot grosszügig?», wollte Cinar wissen.
Wir wurden alle etwas ungeduldig mit der Lady, also ging Cinar Nehil suchen, damit er ihr etwas diplomatischer beibringen konnte, dass das nicht ging.
Die Thematik stellte uns jedenfalls vor ein moralisches Dilemma mit dem wir uns später noch beschäftigen müssten.

Zuerst wollten wir uns aber noch ein letztes Mal mit Tristan, Bruenor, Drizzt und Sir Isterval unterhalten und uns verabschieden.
Das Portal nach Sundabar setzten wir erst Mal nach Nesmé um, damit wir das andere Portal, welches wir täglich umsetzen konnten nach Neverwinter mit uns nehmen konnten.
«Der Weg durch das Underdark, den die Flüchtlinge aus Sundabar nehmen, geht auch nach Neverwinter», informierte uns Tristan, als wir von unseren nächsten Plänen erzählten. «Wenn dann noch ein Portal in Nesmé stehen bleibt, umso besser. Dann können die Flüchtigen auch schnell wieder in ihre alte Heimat zurück und Vorräte mitnehmen.
Sir Isterval ist mit den Truppen aus Waterdeep und Neverwinter bereits heute früh aufgebrochen. Er muss mit den Truppen allerdings einen längeren Weg nehmen, als ihr mit eurer kleinen Gruppe einschlagen könnt. Vielleicht holt ihr ihn ja noch ein. Bruenor und ich brechen nach Adbar auf.»
Drizzt räusperte sich: «Ich werde Tiago folgen und hoffentlich seinen Aufenthaltsort ausfindig machen. Auf ein Wiedersehen in der Zukunft!»
«Genau! Gelwarin hat immer gesagt, ‹man sieht sich immer zweimal im Leben›!»
«So sollten wir es halten.»
Ein letztes Mal bedankten und verabschiedeten wir uns von den liebgewonnenen Helden.
Dann brachen wir auf nach Neverwinter.

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Wichtige OT Informationen:
Symbol of champion of Mielikki: Spell save DC erhöht sich um 1. Alle spells, die beim Gegner einen save DC verlangen, sind um +1 erschwert.

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