verschiedenförmige Würfel
Kurzgeschichten,  Rollenspiel

Yara 27 – Des Müllers Mühle

Am späten Nachmittag kamen wir in Hopefast an. Rechts der Surbin Fluss, links das Evermoor. Ein idyllische, sichere Gegend, so schien es. Ganz anders, als wir es in letzter Zeit gewohnt waren. Der Geruch von Feuer lag allerdings noch ganz schwach in der Luft. Doch hatten wir uns schon so daran gewöhnt, dass wir diesen gar nicht mehr richtig wahrnahmen.

Vor dem grössten Haus der Ortschaft angekommen, hörten wir das typische Gebrabbel einer Taverne.
«Hm, jetzt ein Bier!», rief Cinar aus und verschwand im Gebäude.
Wir gingen schnell hinterher. Heute hatte sogar ich Lust auf ein Bier.
«Guten Tag», Cinar zu einer Halblingsdame, die wohl die Bardame war.
«Guten Tag, guten Tag! Ihr seid weit gereist, wie es aussieht.»
«Naja, gerade nicht ganz so weit.»
«Sagt – seid ihr aus Nesmé? Was ist dort los? Man hört ja allerhand, seit gestern steigen die Rauchsäulen auf!»
«Naja, Nesmé wird es in der Form erst Mal nicht mehr geben.»
«Wie – Nesmé wirds so nicht mehr geben??!?»
«Das Übliche – durch einen Angriff», bemerkte Eule.
«Aha, sollten wir uns also Sorgen machen und unsere eigenen Sachen packen?»
«Ne, wir haben die Gefahr abgewendet», schaltete auch ich mich ins Gespräch ein.
«Immerhin. Aber dannw ird die Armee ja bald vor unserer Ortschaft stehen?»
«Nein, genau das haben wir ja abgewendet, der Krieg ist beendet. Naja, zumindest haben wir mitgeholfen. Aber den Drachen haben wir getötet!», sagte ich nicht ohne Stolz.
«Oh! Na dann… gebe ich den Drachenschlächtern doch ein Bier aus!»
Oho! Kam es von uns allen. Und wir liessen das kühle Bier unsere staubigen Kehlen benetzen.
An einem der Tische fiel uns ein mies gelaunter Zwerg auf. Er war etwas auffälliger gekleidet und schien nicht den besten Tag gehabt zu haben.
Wir unterhielten uns noch etwas mit der Bardame und erfuhren, dass ihr die Taverne gehörte. Sie gab mir den Tipp, mich mit Niel zu unterhalten, dem Kräuterkundler der Stadt. Er wohne auf der anderen Flussseite im Norden, sei aber ein wenig seltsam.
Tappser versuchte noch, ihr die Hälfte ihres Vorratslagers abzuknöpfen, um die Leute in unserer Gildenhalle zu versorgen. Auch Erntehelfer wollte er ihr vermitteln. Mit nicht ganz so grossem Erfolg.
Ich fragte, ob es in der Stadt jemanden gäbe, der etwas besserwisserisch sei und unseren Nicht-Bauern vielleicht lehren könne, wie ein Feld bestellt wird.
«Mogrim kann da vielleicht helfen», sagte uns die Bardame. «Er ist allerdings kein angenehmer Zeitgenosse und es ist doch fraglich, ob er sich als Lehrer eignen würde.»

Neben Mogrims Haus stand eine kleine Pferdetränke. Das Haus selbst sah etwas heruntergekommen aus, das Reetdach war auch schon voller Moos. Tappser versuchte bei einem arbeitenden Bauern direkt Korn zu kaufen. Die Kornspeicher seien noch zur Hälfte voll, meinte dieser. Auch wollte er, dass er unseren Leuten das Handwerk in nur zwei Tagen lehre, gegen eine angemessene Bezahlung, natürlich.
Der Bauer war etwas verwirrt davon, dass wir die Grundlagen zwanzig Leuten beibringen lassen wollten und dann in so kurzer Zeit. Irgendwie kam Tappser bei den Verhandlungen nicht weit. Vielleicht war Mogrim da besser geeignet? Anscheinend gab es da wohl einen Konflikt zwischen ihm und dem ansässigen Müller, erzählte uns der Bauer.
«Deswegen hat Mogrim sein Mehl immer in Nesmé mahlen lassen. Aber das ist ja jetzt abgebrannt, hahaha!», meinte der Bauer Bob lachend. Bob verkaufte Tapser dann doch fünf Säcke Korn für zwei Gold pro Sack.
Dann klopfte Tappser wie ein Irrer an die Tür Mogrims. Der riss die Tür erzürnt auf. Mit seinen 2,10 Metern und seinem langen Bart machte er einen ganz schön einschüchternden Eindruck.
«Das geht auch ordentlich, meine Tür ist doch nicht aus Stahl!!!», wetterte er (zu recht).
Mit Tappser war Herr Mogrim sehr unfreundlich. Doch als ich mich vorstellte, blühte er förmlich auf. Er dachte, er rede mit einem Kind und drückte sich auch dementsprechend aus… Nun, ich liess ihn mal in dem Glauben, vielleicht konnte ich so mehr bewirken als Tappser. Doch ich konnte ihn weder als Lehrer gewinnen noch liess sich an seinem Preis von drei Gold pro Kornsack etwas machen. Er würde allerdings etwas mit dem Preis runtergehen wollen, wenn wir den Müller Halen dazu brächten, mit dem Preis runterzugehen.
Ich liess Mogrim ein paar Blümchen im Bart wachsen, worüber er ein sehr erstauntes Gesicht machte. Dann gingen wir weiter zu Niel. Warum Tappser so unbedingt allen ihr Korn abknüpfen wollte, war uns zwar ein klein wenig unbegreiflich aber wir kannten ja langsam unseren Tabaxi.

Nachdem wir bei Niel an die Tür geklopft hatten, kam ein schlacksiger, grauhaariger Mann mit Brille auf der Nase heraus.
«Hallo? Ja, wollt ihr Tee kaufen?»
«Ja!!!», rief Tappser begeistert und deckte sich erst mal ein.
Niel erzählte uns, dass er Feen und Kobolde im Wald kenne, die ihm bei der Kräuersuchen helfen würden.
«Könntest du sie fragen, wie wir unsere Dragonborn wieder kupferfarben machen können?»
«Ja, na klar», antwortete er etwas verwundert, «das kann ich tun.»
Also verabredeten wir uns für den nächsten Tag wieder. Ich kaufte auch noch einen Beutel Liebstöckeltee, dann gings weiter zum Müller. Dazu mussten wir aus dem Örtchen raus und bei der ersten Wegbiegung in die Hügel hinauf.

Bild von Konevi auf Pixabay

Halden stand bei unserer Ankunft schon vor seiner Mühle, welche stillstand.
«Das alte Ding dreht sich nicht mehr», meckerte er und vermutete einen Sabotageakt.
Er verdächtigte Mogrim und Niel. Mit ersterem verstand er sich ja sowieso nicht so wirklich und über zweiteren hatte er sich wohl des Öfteren lustig gemacht. Nicht nett!
Irgendwie konnten wir ihn dazu überreden, das Kornmahlen für nur ein Gold anzubieten, wenn wir die Mühle wieder zum Laufen bringen könnten. Auf gings in die Detektivarbeit!
Auf den ersten Blick war nicht zu erkennen, woran es lag. Doch so einfach liessen wir uns nicht unterkriegen. Tappser kletterte aufs Dach und erspähte tatsächlich einen Keil, der das Mühlenrad blockierte. Er entfernte den Keil und tadaa – die Mühle drehte sich wieder.
Um den Keil allerdings so hoch zu bringen, brauchte man gute Kletterfähigkeiten. Da kamen wohl weder Mogrim noch Niel infrage aufgrund ihres Alters. Halden hatte aber recht mit seiner Sabotagevermutung. Immerhin sagte er uns den Sonderpreis zu und gab zu bedenken, dass jeder mit einer langen Leiter auch da hoch kommen würde. Hm….

Zurück zu Mogrim. Er freute sich sehr ob des besseren Mühlenpreises. Dafür wollte er im Gegenzug sein Versprechen halten und uns einen Kornsack gratis dazugeben. 15+1 gratis! Tappser war wohl irgendwie etwas vor den Kopf geschlagen deswegen.
Cinar untersuchte unterdessen Mogrims Leiter, die an einer Aussenwand lehnte. Sie war eindeutig in den letzten paar Tagen bewegt worden.
«Was? Das kann nicht sein, meine Leiter stand immer da!», antwortete Mogrim, als wir ihn danach fragten.
Nach einer hitzigen Diskussion zahlte Tappser die Kornsäcke und Mogrim knallte die Tür vor seiner Fellnase zu.
Die Kornsäcke holten wir uns noch bei Bob ab, um sie in die Gildenhalle zu bringen.

Dort begrüsste uns… Chaos.
Die kompetentesten Leute wollten wohl alle nach Nesmé zurück, um sich dort der Armee anzuschliessen und sich ein neues Leben aufzubauen. In Hopefast wollte sich jedenfalls niemand niederlassen. Die Truppen würden in der nächsten Zeit nach Adbar ziehen und die Leute wollten sich anschliessen. Irgendwie schaffte es Tappser jedoch, sie zu überreden noch etwas hier zu bleiben.
In unserer Küche wurde ein Menschenkochkurs durchgeführt und vor dem Haus stand Bryella mit einigen Leuten und schien sehr geschäftig zu sein. Bryella hatte von Nehil den Auftrag erhalten, für wetterfeste Unterkünfte zu sorgen.
«Das ist ein grosses Unternehmen und schwierig, wenn man keine Bäume fällen darf…»
Ich hatte ja das Bäumefällen untersagt.
«Nunja, wenn es wirklich nur so wenig wie möglich ist, können ein paar Bäume gefällt werden. Allerdings keine rund um unser Haus herum.»
Das entspannte Bryella sichtlich und sie holte einen Plan hervor. Sie hatte sich schon einige Gedanken gemacht, wo man was hinstellen könnte. Den jetztigen Marktplatz würde sie vor das Gildenhaus verlegen, dann wäre östlich davon Platz für etwa zehn Häuser. Bevor wir uns um die kochenden Ghule kümmern konnten, kamen wir wohl nicht um diese wichtige Planungsbesprechung herum…

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