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Yara 25 – Kampf gegen den Drachen

In dieser Nacht…ruhe? Morgenschlaf? Jedenfalls – ich verstand die Stimmen schon wieder! Das musste mein Glücksschlaf sein!
«…Morgen…Kriegsende…», sagten sie.
Das… konnte Gutes aber auch Schlechtes vorhersagen, je nachdem, wer auf der gewinnenden Seite stehen würde. Wir würden es herausfinden. Vielleicht würde auch niemand gewinnen.
Wir wachten ausgeruht um die Mittagszeit in unserer Gildenhalle auf. Die Sonne stand schon hoch am Himmel. Ich buk Pancakes für alle. Von draussen hörten wir mehr Trubel als sonst. Tappser kam, als wir schon fast fertig gebruncht hatten schlaftrunken aus seinem Zimmer und suchte Nehil. Wo konnte der sein? Hatte er sonst nicht immer bei Tappser im Zimmer geschlafen?
Ich ging raus und sah, dass überall Leute rumstanden. Zelte waren aufgestellt worden. Es erinnerte ein wenig ans Schildsternelager, nur mit lauter herumwuselnden Zivilisten. Auch Tante Tapsi stand draussen an einem Stand und verteilte frisch gebackenes Brot. Ich begrüsste die Leute, die über Nacht den Marktplat gefüllt hatten. Es handelte sich vor allem um Frauen und Kinder, die wir ja sowieso aus Sundabar hatten evakuieren wollen. Eine ältere Dame stellte sich mir als Chloe vor.
«Die Evakuierung lauft schleppend», erzählte sie mir, «aber hier sind alle Plätze belegt. Der Regel- und Schmiedemeister sind an vorderster Front mit dabei und evakuieren die restliche Stadt über das Underdark.»
Sie machte einen äusserst redseligen und sympathischen Eindruck. Sie kannte hier wohl auch alle und bot an, mich allen vorzustellen. Doch ich hatte viel zu tun. Ja, das hatte ich. Ich hatte den anderen noch gar nicht von den Stimmen erzählt! Also rannte ich zurück und sammelte meine Gefährten zusammen, die mittlerweile auch vor der Halle standen und alles mit grossen Augen bestaunten.
Ich teilte ihnen mit, was ich verstanden hatte. Wir sollten uns auf den Weg nach Nesmé machen. Unterwegs zum Tor trafen wir noch auf ein bekanntes Gesicht: Lady Tharbjiörn! Sie war immer noch die nörglerische alte Dame, wie wir sie kannte. Ihr Brutus und ihr Mann kämpften auch im Underdark, doch ihr war das wohl nicht zuzumuten. Aber wir hatten keine Zeit fürs Rumstehen, wir mussten weiter nach Nesmé.

In der Kaserne wirkte noch alles wie beim Alten. Doch als wir auf die Strassen kamen, hörten wir untypisch viel Aufruhr für die Bauernstadt. Es herrschten Unruhen und die meisten Bürger waren auf den Strassen. Die Lage schien gerade vor der Kippe zu sein.
Cinar sprach den nächstbesten an: «Was ist hier los?»
«Was hier los ist? Die Soldaten haben schon längst einen Weg hinein und hinaus aus der Stadt gefunden, doch wir dürfen sie nicht verlassen!»
Ach, das…
Auf dem Weg zur Kirche waren immer mehr aufgerüttelte Menschen zu sehen. Davor standen die Leute dicht an dicht und forderten: «Lasst uns raus! Die Soldaten können rein, dann können wir raus! Wir können hier ja doch nicht helfen!»
Als ich mich noch fragte, wie wir bis zur Eingangstür gelangen sollten, hatte sich Cinar mit seinen Ellbogen schon einen Weg gebahnt. Tappser rannte in seinem Windschatten hinterher. Eule musste nur böse gucken, und wurde durchgelassen. Und ich? Ich ähh… begab mich auf alle Viere und kroch durch. Nur einmal trat mir jemand auf die Finger aber so kam ich wenigstens ohne viel Aufwand bis zur Kirchentür. So konnten wir das Gebäude durch das unverschlossene Tor betreten.

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Drizzt und Bruenor waren sichtlich erleichtert, als wir eintraten. Immer mehr Schildsterne waren auch in der Stadt angekommen. Sie beratschlagten gerade, wie sie weiter vorgehen sollten. Die Soldaten waren jetzt allei in der Stadt, doch es gab weder genug Häuser noch Vorräte für alle. Die Verstärkung sollte allerdings heute eintraffen, dann würde noch weniger Platz sein. Ausserdem wurde die Zivilbevölkerung unmutig. Wenn wir aber einen riesen Flüchtlingsstrom aus der Stadt rauslassen würden, würde es ihnen vor der Stadt nicht gut ergehen. So eine grosse Menge würden die Aufmerksamkeit der Orks auf sich ziehen, die natürlich auch sogleich den Fluchttunnel entdecken würden.
Ich erzählte Drizzt und Bruenor von der Warnung Mielikkis. Hm, wäre dann das Kriegsende nun heute oder morgen? Wir waren ja beim Morgengrauen erst in die Federn gefallen und hatten den Vormittag verschlafen. Also dann wäre erst Morgen der Endkampf und das Kriegsende?
Tappser hatte die ausserordentlich gute Idee, die Zivilbevölkerung zu beruhigen, indem wir ihnen sinnvolle Tätigkeiten zuwiesen. Sie konnten die neuen Vorräte verstauen und die Soldaten beherbergen, nur noch zwei Tage, dann würden sie die Stadt verlassen können. Das sollte hoffentlich die Wogen besänftigen.
«Wir haben den Kontakt zu Tiago Baenre wieder verloren», berichtete Drizzt, «nachdem er Silverymoon eingeäschert hat, it er nach Norden weggeflogen.»
Tiago und der Drache Arauthator waren eine enge Partnerschaft eingegangen und waren mit Hartusk drei gleichwertige Antreiber des Krieges.
Momentan war es aber gerade friedlich, wir konnten also hier anpacken, oder in der Gildenhalle nachsehen, ob dort Hilfe gebraucht würde oder ob wir dort sonst etwas organisieren konnten.
Plötzlich schwang die Kathedralentüre auf und ein Zwerg der Schildsterne stürmte hinein.
«Die Verstärkung ist an den Mauern!», rief er. Man sah sie wohl jenseits des Moores gerade aufziehen.
Drizzt und Bruenor fackelteln nicht lange und machten sich auf, die Ankommenden zu begrüssen.

Wir folgten den beiden zum Südtor. Dort bot sich uns ein wunderbares Bild: Sir Isterval ritt inmitten von vielen Truppen und einigen Greifenreitern durch das Moor!
Bruenor (und ich) freute sich vor allem über Sir Istervals ankommen. Er war schliesslich ein Drachenschlächter-Champion.
«Wir setzen grosse Stücke auf ihn! Wer könnte uns besser helfen, als jemand, der schon mehrere Drachen erlegt hat?»

Soweit es uns betraf, gab es in Nesmé vorerst nichts mehr zu tun, also beschlossen wir, zurück in die Gildenhalle zu gehen und dort die Neuankömmlinge zu begrüssen. Vielleicht gab es ja dort jemanden, der in irgend einer Art nützlich sein oder uns helfen könnte.
In der Halle trafen wir auch Nehil endlich wieder, der alle Hände voll zu tun hatte, die ganze Logistik zu überblicken. Auch eine Treppe wurde gebaut, damit die Vorder- und Hintertüre besser erreichbar waren.
In der Halle sahen wir viele neue aber auch bekannte Gesichter:
Chloe, von heute Mittag, die ältere Menschenabenteurerin,
Serania, die Botschafterin der Elfen aus Mondwald (deren Anführerin Sinnafain ist),
Bromm, ein Zwergenbarde,
Hilda war auch da, die Rezeptionistin aus der Master’s Hall in Sundabar,
Isabell, eine Steingnomin, Kämpferin und Richterin,
Gin, ein Halbelf, Bänker und Schatzmeister von Sundabar. Die Schätze aus Sundabar wurden auch hierher in Sicherheit gebracht,
Odurf, der Bibliothekar von Sundabar,
Cornelius Vitalis treffen wir auch an, ohne seine Rüstungen,
Vala, eine Wissenschaftlerin-Alchimistin-Anthropolgin und Mutter. Obwohl sie geschickter im Tränkebrauen war, als in der Kinderbeaufsichtigung. Ihr wiesen wir das Gasthaus zu, in der eine alte Küche stand, die sie als Labor nutzen konnte. Nicht ganz uneigennützig, versteht sich.
Raewin, die mürrische Zwergensekretärin der Stadt,
Sigurt, oberster Schmied der Schmiede von Everfire,
Ronn, ein Zwergen…tischler? Handwerker?
Mutter Edina, die Erzieherin der in Sicherheit gebrachten Kinder,
Leya eine schmuckbehangene Zwergin, die mir natürlich sofort diverse Armbänder andrehen wollte,
Banra, die Beraterin des Ältestenrates und älteste Zwergin von Sundabar.
Wir verbrachten einige Stunden mit diesen Unterhaltungen, bis Chloe auf mich zukam.
«Ein Bote war da und hatte nach euch gesucht. Ihr werdet in der Kirche von Nesmé gebraucht!»

Dort war alles ruhig. Ruhiger als zuvor. Die Nacht brach langsam an. Ein paar wenige Menschen standen zwar noch vor der Kirche, doch tatsächlich schien sich dei Lage beruhigt zu haben. Die Leute schienen alle einer sinnvollen Arbeit nachzugehen, die Aufgaben wurden von der Kirche aus koordiniert.

Im Inneren waren alle versammelt. Sir Isterval, Bruenor, Drizzt und Tristan. Der Drachenschlächter freute sich, uns wiederzusehen.
«Nun können wir gemeinsam besprechen, was wir gegen den Drachen unternehmen werden», ergriff Tristan als erster das Wort.
«Das Beste wäre, wenn wir ihn ausserhalb der Stadt stellen könnten, ihn aktiv mit einer kleinen Gruppe zu jagen, um auch ungesehen an den Orks vorbeikommen zu können. Dazu müssten wir allerdings wissen, wo er ist. Ich hoffe, die Späher kommen mit guten Nachrichten zurück», begann Sir Isterval die Planung.
«Aber auch der Reiter hat ein sehr grosses Gefahrenpotential», gab Cinar zu bedenken.
«Es wird definitiv kein lichter Kampf, darum werden uns auch die zwei anderen begleiten», Isterval deutete auf Drizzt und Bruenor. «Drizzt kann uns noch etwas mehr zu Tiago erzählen, die beiden sind nämlich Erzfeinde.»
«Nunja, Tiago… Er ist ein mächtiger Zauberer und benutzt einige Angriffszauber aber auch andere, die doch eher euren…Zustand verändern können.»
Für die beste Taktik gegen den Drachen und dessen Reiter besprachen wir uns noch einige Zeit mit Sir Isterval. Am nächsten Morgen erhoffte er sich Neuigkeiten von den Spähern, sodass wir uns vornahmen uns dann den beiden entgegenzustellen. Der Krieg war wohl wirklich bald vorbei und der letzte Kampf erwartete uns schon früher als erwartet…

Zurück in unseren Hallen liessen wir uns noch durch die Zwerge ausrüsten. Ich bekam einen doppelt verzauberten wunderschönen Morgenstern. Dann legten wir uns alle zur Nachtruhe hin.
Und wieder konnte ich Mielikkis Worte verstehen:
«…Machtwort Schmerz…»
Doch unsere Nachtruhe wurde jäh unterbrochen als wir ein lautes «MIAUUUUU» hörten. «Aufwachen hilfe!» Das war Tante Tapsi!
«Es sind Boten aus Nesmé und Sundabar da! Beide Städte stecken gleichzeitig in Schwierigkeiten! In Sundabar sind die Mauern gefallen und Hartusk erstürmt die Stadt! In Nesmé greifen Tiago und Arauthator an!»
Eine nicht ganz so schwere Entscheidung, wurde Sundabar ja evakuiert. Wir machten uns schnellstens und ohne einen Bissen zu Essen nach Nesmé auf. Als wir aus dem Gebäude traten stellten wir fest, dass es in der Gildenhalle stürmte! Das hatte es noch nie gegeben!

Wir hörten Schreie. Kämpfe. Brandgeruch lag in der Luft, die durch den Drachen eiskalt war. Chaos, Blut und Gedärme überall. Sir Isterval war direkt vor dem Eingang der Kaserne in einen Kampf verwickelt.
«Ach, ihr seid hier! Wir müssen den Kampf vorschieben und den Drachen jetzt herunterholen!»
Während der Lagebesprechung in der Kirche hatten Cinar und Tappser magische Bolzen erhalten, die die Flügel des Drachen erstarren lassen konnten. Eule hatte Wurfspeere mit derselben Verzauberung. Alle legten sie nun auf den Drachen an, der über die zum Schlachtfeld gewordenen Stadt flog. Auf seinem Rücken sass tatsächlich Tiago Baenre. Der Kampf begann. Mein Herz klopfte so stark in meiner Brust, dass ich alle Geräusche nur gedämpft wahrnahm.
Eule schoss als erste einen magischen Speer auf den Drachen. Doch es schien ihm nicht viel auszumachen. Hatte die Verzauberung doch nicht die erhoffte Wirkung? Egal, das war unsere einzige Taktik! Auch nachdem Sir Isterval ihn mehrmals getroffen hatte flog er noch munter weiter. Nach fünf Treffern aber die Erleichterung. Langsam begannen die Flügel zu versteifen. Arauthator flog jedoch unbeirrt weiter über das Schlachtfeld und kam bei seinem Maneuver Bruenor gefährlich nahe, der in der Nähe der Kathedrale kämpfte. Knapp wurde er durch den Eisstrahl verfehlt.
Nach Tappsers nächsten Schüssen steckten sieben verzauberte Geschosse in den Flügeln. Immer noch flog er weiter. Acht Treffer!
Mit Eules nächstem Speerwurf war der erste Flügel lahm. Doch die Kreatur hielt sich immer noch in der Luft.
Zwei weitere Bolzen von Sir Isterval trafen und endlich stürzte er ab. Krachend stürzte er durch das Dach der Kirche.

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Als wir die Kirche betraten sahen wir den Schaden, den der Drache angerichtet hatte. Das Dach war weg, eine riesige Schleifspur zog sich über den Boden und auch der Rest sah aus, als würde gleich alles einstürzen.
Das würde ein harter Kampf werden. Ich holte noch einmal tief Luft.
Dann geschah alles gleichzeitig.
Die Luft um mich herum explodierte förmlich, als alle anfingen, den Drachen und Tiago anzugreifen. Ich unterstützte, heilte und kämpfte mit, so gut ich konnte.
Plötzlich fing Tristan an, wild zu gestikulieren. Seine Beine waren versteinert!
Tappser wurde von Tiagos «Machtwort Schmerz» ergriffen und krümmte sich vor Schmerzen auf dem Boden. Davor hatte mich Mielikki also warnen wollen! Solange der Zauber anhielt, konnte Tappser kaum kriechen. Es gab nichts, was ich dagegen tun konnte.
Tiago beschwor einen Höllenhund, dessen triefenden Lefzen mir eine Heidenangst einjagten, dass ich mich kaum noch bewegen konnte. Ich wollte eigentlich nur noch weg!
Doch langsam aber sicher kamen unsere Angriffe durch und Arauthator und auch Tiago wurden mehrere Male heftig getroffen.
Driztt traf Tiago einmal so heftig, dass er aus seiner Konzentration gerüttelt wurde und Tristan aufhörte zu versteinern. In letzter Minute, nur noch sein Kopf war aus Fleisch und Blut gewesen.
Der Drache setzte seinen Eisatem ein. Einmal. Zweimal.
Alles war schwarz und kalt.

Als ich wieder zu mir kam schwebte Sir Istervals besorgtes Gesicht über mir. Es war unglaublich kalt. Wo war ich? Wie lange war ich weggewesen? Wie stand es um den Kampf, wie um meine Gefährten?
«S…Sir Isterval? Was…?», stotterte ich mit klappernden Zähnen.
Ich hörte den Drachen nicht mehr. Was war passiert? Ich hörte immer noch Kampfgeräusche. Als ich mich umsah, sah ich einen stolzen Tristan neben einen förmlich in Stücken zerlegten Drachen stehen. Ach, so eine schöne Kreatur! Wieso musste sie uns so feindlich gesonnen sein?
Aber der Kampf gegen Tiago Baenre war noch nicht zu Ende, obwohl auch er nach einiger Zeit ziemlich schlecht aussah. Doch er hatte einen ziemlich bösen Zauber in Petto, mit dem er uns das Leben noch schwerer als sonst machte und uns in Brand setzen konnte. Die Flammen hörten und hörten nicht auf zu brennen! Diese Einäscherung zauberte er auch nochmal auf Bruenor, doch er blieb unglaublicherweise unberührt.
«Glück gehabt!», ergriff Tiago nun das Wort. «Dann war’s das wohl mit meiner Offensieve in Faerûn und Luruar.»
Und er griff sich an die Brust. Unter seiner Hand fing plötzlich etwas zu leuchten an. Tappser stürmte in einer letzten verzweifelten Aktion auf ihn zu und… zerschnitt mit seinem Dolch nur Luft. Tiagos Amulett löste im letzten Augenblick aus und er verschwand. Doch er hatte den Krieg hier verloren.

Ich sank erschöpft zu Boden.
«Danke Mielikki für deinen Schutz! Aus tiefstem Herzen; danke!»
Das war knapp gewesen. Sehr knapp.
Meine Weissaung war erfüllt. Auch mein eigener Wahrsagetraum, in dem Drizzt und ich gegen den Drachen gekämpft haben, war wahr geworden. Und wir hatten ihn besiegt. Ich sah mich um und blickte in erschöpfte aber sehr erleichterte Gesichter. Drizzt, Eule, Bruenor, Sir Isterval, Tappser, Cinar, Tristan. Was für ein Kampf!

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