cécile cow
Ernährung,  Ethik,  Kurzgeschichten,  Tiergeschichten

{:de}Cécile – Teil 1{:}{:en}Cécile – Part 1{:}

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Cécile – Teil 1

Als Kari sie das erste Mal sah, war sie eigentlich wie alle anderen. Braune Augen, braunes Fell. Sie war noch ganz jung, erst zwei Jahre und gerade ihr erstes Mal schwanger. „Besamt“ sagte sein Vater. „Bald wird sie das erste Mal ‚abkalben‘“. Und dann gibt es Milch. Die Milch von ihren Kühen war aber etwas ganz anderes, als die Milch, die man im Supermarkt kaufen konnte. Sie war warm und schmeckte noch herrlich nach Stall und Weide und Stroh. Karis Eltern waren stolz auf den kleinen Bio-Bauernhof, den sie in den Voralpen der Schweiz aufopferungsvoll betrieben. Das Geld reichte aus, um gut zu leben, war aber nicht im Überfluss da. So hatte Kari gelernt, Dinge mit Respekt zu behandeln, dass man eine kaputte Hose nochmals zusammennähen und Socken stopfen kann. Für Urlaub war weder Geld noch Zeit da. Die Tiere mussten versorgt, die Felder bepflanzt und gepflügt, reifes Getreide und Gemüse geerntet werden. Aber auch der kleine Wald, der auf ihrem Grundstück wuchs, wollte geforstet werden. Kari half eigentlich immer gerne bei der Arbeit. Manchmal war er zwar etwas eifersüchtig auf seine Klassenkameraden, die von ihren Ferien in Mailand oder der Toscana erzählten. Einige erschienen mit Markenhosen und teuren Schülertheks zum Unterricht und bekamen Taschengeld, mit dem sie sich am Kiosk Hefte und Kaugummis kaufen konnten. Doch eigentlich, dachte er, braucht er das alles nicht.

Als Kari eines Tages von der Schule nach Hause kam, stand ein grosser Lastwagen vor dem Hofeingang. Seine Eltern waren vor dem Haus und nahmen gerade eine Kuh in Empfang. „Cécile heisst sie“, meinte der freundliche Mann, der seinen Eltern das Tier verkauft hatte. Sie luden den Verkäufer noch in die Stube auf einen warmen Kaffee ein, nachdem die Kuh im Stall angebunden und mit Futter versorgt worden war. Sie hatte braune Augen und ein braunes Fell. Eine ganz normale Kuh eben.

cow kuh

Cécile war auch sonst wie alle anderen Kühe. Stolz und genügsam, sanftmütig und ruhig. Ausser, wenn sie gerade geboren hatte. Das Kalb musste ihr ja so schnell wie möglich nach dem „Abkalben“ weggenommen werden, da es ansonsten anfängt, die wertvolle Milch zu trinken. „Das wollen wir ja nicht, die Milch soll ja verkauft und zu Butter oder Käse verarbeitet werden. Bei den tiefen Milchpreisen heutzutage zählt jeder Tropfen.“

Cécile muhte jedes Mal tagelang und herzzerreissend, wenn sein Vater ihr eines ihrer Kälber wegnehmen musste. Wenn es ein männliches Kalb war, brachte er es in einen kleinen Stall, nur ein paar Schritte entfernt, der für die Mastrinder vorgesehen waren. Da seine Eltern keinen Platz für alle Rinder hatten, verkauften sie sie regelmässig an einen anderen Bauern, der von der Rindermast lebte. Was das bedeutete, wusste Kari nicht so genau. Sein Vater war vor allem Milchbauer und obwohl sie auch noch andere Nutztiere auf dem Hof hatten, lebten sie vom Milchverkauf. Deswegen war wichtig, dass sein Vater die Kälber so schnell wie möglich von der Mutterkuh entfernte. Die Mutterkuh trauerte dann immer einige Tage. Aber Kari hatte sich daran gewöhnt, es ging ja nicht anders.

Cécile war manchmal krank. Aber auch das war normal. Obwohl der Bauernhof eine Bio-Zertifizierung hatte, hiess das nicht, dass die Kühe nicht oft krank wurden. Es war aber teuer, sie zu behandeln, da der Arzt viele Medikamente auf einem Biohof nicht benutzen darf. Ab und zu hatte Cécile „Mastitis“, wie sein Vater es nannte. Das heisst, ihre Euter waren durch das häufige Melken entzündet. „Darüber muss man sich aber keine Sorgen machen“, sagte sein Vater, „die Milch wird sowieso im Werk noch mit Milch von anderen Bauernhöfen vermischt. Das Gesetz erlaubt ein bisschen Eiter in der Milch. Das ist dann schon in Ordnung, wenn eine Kuh entzündete Euter hat. Das gleicht sich aus.“ Kari fand das irgendwie eklig, aber sein Vater machte das schon sein ganzes Leben, also weiss der das schon. Trotzdem taten ihm die Kühe dann ein wenig leid.

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Cécile – Part 1

When Kari saw her for the first time, she was just like all the others. Brown eyes, brown fur. She was still very young, only two years old and pregnant for the first time. “Inseminated”, his father called it. “She’ll ‘calve’ soon.” And then there will be milk. The milk from their cows was very different from the milk you can buy in the stores. It was warm and still tasted of stable and pasture and litter. Delicious! Kari’s parents were proud of their small organic farm they tended to with great devotion. It was located in the Alpine foothills of Switzerland. They had enough money to live well but not luxuriously. Therefore Kari had learned to handle things with care and that a torn trouser or sock can be repaired a few times. They had neither time nor money for vacations, because there was always something to do; livestock had to be fed, fields had to be sown and plowed, ripe produce had to be picked. There was also a small forest on their lands they tended to. Actually, Kari liked to help out on their farm. He, too, was proud that his family could make a living with it. On some days however, he was a bit jealous of his classmates, who told stories about their holidays in Tuscany. Some of them arrived at school with jeans from expensive brands or shiny new school bags and received pocket money from their parents to buy magazines and chewing gum at the kiosk. But actually, he thought, he didn’t need all of that.

One day, when Kari came home from school, a big truck stood in front of the farm gate. His parents were in front of the stables and had just received a new cow. “Her name is Cécile”, said the friendly man from whom his parents had bought the animal. After the new cow was stabled and fed, they invited the salesman into the house for a warm coffee. It had brown eyes and brown fur. Just a normal cow.

Cécile was indeed like all the other cows. She was proud and undemanding, gentle and calm. The only exception was after giving birth. After “calving”, the baby cow had to be taken away as soon as possible, before it starts sucking its mother’s precious milk. “Of course we don’t want that. We need to sell the milk and make butter and cheese out of it. With the prices for milk nowadays, every little drop counts”, his father said.

Cécile used to moo for days on end, heartbreakingly, whenever Kari’s father had to take one of her calves away. If the calf was male, his father brought it to a small stable, only a few steps away, where he brought all the male baby cows that were destined to go into veal or beef production. Because his parents didn’t have enough space for all the beef cattle, they sold them to another farmer, who made his living off of selling beeves. What that meant exactly, Kari didn’t know. His father was a dairy farmer first of all and although they also had other livestock too, selling milk was their main income. That’s why it was so important to get the calves away from their mothers as soon as possible. Of course, the mother grieved for her child. But that’s to be expected, he’s gotten used to it, it can’t be helped anyways.

Sometimes, Cécile fell ill. But that also was normal. Being certified organic doesn’t mean that the cows are sick less often. However, it was more expensive to treat them, because the veterinarian wasn’t allowed to use as many drugs as on non-organic farms. A few times, Cécile’s had “mastitis”, as his father called it. This means, her udders were inflamed due to the milking machine. “But we don’t really have to worry about that”, his father said, “at the factory, they mix the milk with other milk from a lot of different farms. The law allows some pus in the milk. So it’s okay if some cow’s udders are inflamed, that will be leveled out later.” Kari thought that was not very appetizing, to be honest, but his father had worked as a dairy farmer his whole life, he knows these things. He felt a bit sorry for the cows though. But his father also couldn’t afford to not milk the cows, being only a small dairy farmer.

 

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