Würfel
Rollenspiel,  Kurzgeschichten

Yara 8 – Elementare und Ruinen

„Seid ihr bereit für den nächsten Elementar?“, fragte uns Darrondar Gweth mit donnernder Stimme, sodass jeder Zuschauer es hören konnte. Und wir waren bereit.
Cinar kaufte sich bei ihm vorher allerdings noch zwei kleine Heiltränke. Man wusste ja nie.

Der Feuerelementar war der nächste, dem wir uns gegenüberstellten. Er erschien am gleichen Ort, wie der letzte Elementar auch.
Zuerst stärkte ich wie immer meine Gefährten.
Tara fing an. Sie schoss jedoch erst einmal daneben mit ihrer Magie, aus Versehen hoch in die Menge. Aber zum Glück traf sie niemanden.
Der Elementar atmete einmal tief ein und begann zu pulsieren, das Wasser in der Arena verdampfte und plötzlich stieg an dessen Stelle Magma auf. Nebel entstand. Das Feuerwesen flog blitzschnell auf uns zu und verbrannte alle bis auf Tara, die geschickterweise gerade noch zur Seite weichen konnte.
Cinar nahm seine schrecklich schöne Engelsform an. Seine Augen wurden zu Dunkelheit und zwei Skelettschwingen, fast durchsichtig in ihrer geisterhaften Erscheinung sprossen aus seinem Rücken.
Tappser brachte sich ausser Reichweite des Elementars in Sicherheit, löschte sich und heilte sich kurz notdürftig.
Als letzte löschte ich meine Brände.
Das Feuerwesen schlug nun mit seinen Fäusten nach Tappser und er begann zu brennen. Nachdem ihn auch die zweite Faust getroffen hatte, lag er brennend und bewusstlos am Boden.
Der Kampf ging ja schon gut los.
Weiter flog der Elementar, über unsere Köpfe hinweg zu Tara. Auch sie begann lichterloh zu brennen, doch anscheinend machte es ihr nichts aus.
Zum Glück hatte Cinar vor dem Kampf noch Heiltränke gekauft, einen davon musste er sich jetzt schon einverleiben.
Ich konzentrierte mich auf den Wald. Sah sein grünes Licht, seine Ranken und seine schlingenden Wurzeln aus dem Boden erklimmen. Der Elementar wurde durch sie auf der Stelle gefesselt.
Tara schoss noch ein magisches Geschoss ab, traf den nun bewegungsunfähigen Elementar mit voller Wucht, was ihn nur noch mehr erzürnte. Die Kreatur aus Feuer und Wut versucht sie im Gegenzug mit seinen Fäusten zu treffen. Der zweite Schlag sitzt.
Cinar brannte immer noch lichterloh. Hatte er auch einmal noch vor, sich zu löschen? Wohl nicht, denn stattdessen nahm er nur noch einen Heiltrank und schlug wieder mit seinem Schwert auf den Gegner ein, wunderbar und schrecklich in seiner Engelsform anzusehen.
Tappser lag immer noch auf dem Boden. Ich rannte zu seinem bewusstlosen Körper hin und heilte ein paar seiner Wunden notdürftig.
Immerhin konnten Tara und Cinar noch kämpfen. Wenigstens zwei, die nicht mit Heilen oder Rumliegen beschäftigt waren.
Zum Glück war der Elementar immer noch gefesselt. Trotzdem versuchte er…Achtung, Wortspiel, uns wutentbrannt (hihi!) mit seinen Fäusten zu treffen. Leider traf er dabei diesmal Tara.
Ich hatte Tappser wohl nicht gut genug geheilt. Er kam kurz wieder zu Bewusstsein, fing sofort an zu brennen und verlor sogleich wieder die Besinnung.
Wenigstens traf Tara mit ihrem magischen Geschoss, Cinars Schwert glitt einfach durch die Flammen des Elementars hindurch, scheinbar ohne grossen Schaden anzurichten.
Urplötzlich konnte sich das Feuerwesen von meinen Ranken befreien. Es schlägt weiter auf Tara ein, die direkt neben ihm stand.
Endlich traf nun auch Cinars Schwert auf etwas in dem Elementar, welcher laut aufbrüllte. Das hatte ihm wohl ganz schön weh getan. Langsam sah er ganz schön geschwächt aus und fing an, zu zerfallen.
Endlich schaffte ich es, Tappser zu heilen, ohne dass er direkt wieder Feuer fing.
Währenddessen schlug das Feuerwesen wieder zweimal auf Tara ein. Autsch.
Doch zuletzt gebührte Cinar die Ehre, es zu töten: ein kritischer Treffer mit seinem Schwert schmetterte den Gegner zu Boden und eine Sekunde später, in einem nachpochenden Tick schlug sein nekrotischer Engelsschaden zu, woraufhin der Elementar zu Asche zerfiel. Cinar nahm wieder seine gewohnte Form an.
Sieg! Die Feuersalze, die wir brauchten lagen im Aschehäufchen und wir alle erhielten wieder einen heilenden, kräftigenden roten Trank, der uns erfrischte, wie ein langer Schlaf.
Die Arena wurde gelöscht, das Magma floss ab, die Gräben wurden wieder mit Wasser gefüllt, die Ketten um die Kampfarena geschlungen und verschlossen. Der Kampf gegen den letzten Elementar konnte beginnen.

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Nun stand uns nur noch der Wasserelementar bevor.

Ein letztes Mal donnerte Darrondar Gweth’s Stimme durch die Arena mit der Frage „Seid ihr bereit?“ Als wir alle nickten, fing er alsbald mit dem Ritual und der Wasserelementar erschien- welch eine Überraschung! – im Wasser.
Sofort rannte Tappser auf ihn zu und startete einen Angriff mit seinen beiden geliehenen magischen Dolchen. So schnell wie er beim Elementar war, so schnell zog er sich auch wieder in sichere Entfernung zurück.
Der Elementar waberte aus dem Wasser und liess sich auf mich nieder. Ich stand natürlich wieder äusserst ungünstig. Ich spürte den bösen Willen der Kreatur und dass sie mir irgend etwas antun wollte, doch ich war wohl stärker. So stiess sie mich patschnass wieder aus sich heraus. Auch die Fäuste platschten wirkungslos auf meiner Rüstung. Bah, nass.
Cinar stellte sich nun hinter dem Elementar und es zischte laut, als sein brennendes Schwert durch das Wasser glitt. Das gefiel dem Wassergeist überhaupt nicht. Doch bevor dieser zum Gegenangriff übergehen konnte, schoss ihm Taras Eldritch Blast einen wässrigen Finger ab, der zu Boden fiel und zu einer Pfütze wurde.
Ich konzentrierte mich darauf, meine Gefährten zu stärken, während ich vor dem Gegner stehen blieb.
Tappser kam wieder angesaust und pflügte mit seinen magischen Dolchen durch das Wasser.
Da er Tappser nicht zu fassen bekam, wandte sich der Elementar Cinar zu und schlug mit seinen beiden Fäusten zu. Beide Angriffe trafen ihn schwer und rüttelten ihn wohl ziemlich auf, sodass er wieder seine Engelsform annahm.
Der Elementar erschrak sich sehr, sowas war ihm wohl noch nicht begegnet.
Und während Cinar sich mit Magie heilte, traf von der anderen Seite ein Geschoss auf den Gegner. Tara.
Von allen Seiten traktieren wir ihn nun mit unseren magischen Waffen und Geschossen. Langsam begann er zu zerfliessen.
„Schön kühl“, merkte Tappser an.
Nun bekam es das Wesen mit der Angst zu tun. Es flüchtete wohl hauptsächlich vor Cinar, welcher ihm hinterher rannte und das Schwert zischend durch das Wasser gleiten liess. Weitere Wasserkugeln flossen zu Boden. Bald geschafft!
Ein letzter Schuss von Tara traf es am Kopf, welcher zerplatzte und uns alle mit einer feinen Gischt benetzte. Der Rest des Elementars floss wieder in die Wassergräben der Arena, sein Wasserherz hinterlassend.

Ein letztes Mal brachten uns die Tempeldiener je einen Heldentrank.
Unsere geliehenen Waffen gaben wir zurück. Der Kampf, der Test war vorbei.

Das Publikum jubelte und Darrondar beglückwünscte uns alle einzeln. „Nun, auch unseren Anhängern habt ihr einen tollen Kampf geboten, vielleicht sieht man sich ja einmal wieder?“
„Es wäre uns eine Freude“, entgegnete Cinar. Uns allen.
„Aber bitte das nächste mal ohne Feuerelementare“, knurrte Tappser, dessen glänzendes Fell glücklicherweise nicht mehr zersengt aussah. Das musste sich wohl schrecklich angefühlt haben. Zum Glück hatte der Heldentrank auch dies regeneriert.

Als wir wieder aus dem Tempel heraustraten, blendete uns die Mittagssonne. Wir machten uns sogleich auf den Weg zu Derval Ironeater.
Dieser war sehr erfreut über unsere Rückkehr und die Elementarzutaten. Der Beschwörerstab, für den er diese benötigte, war eine Auftragsarbeit, erzählte er uns. Für Philarion Filvendorsten, ein relativ bekannter Elf bei den Einheimischen.

Nachdem wir uns noch ein wenig mit Derval unterhalten hatten, brachte uns Tappser auf eine Idee; er wollte uns als Schutztruppe bis Loudwater anbieten. Also klapperten wir ein paar Wirtshäuser ab und boten unsere Dienste an. In einem trafen wir auf einen Händler, der gut unseren Schutz gebrauchen konnte. Er sei mit seinem Schiff in zwei oder drei Tagen auslaufbereit, meinte er und kann auch unsere Lieferung noch mitnehmen. Hundert Gold pro Person klang ganz fair für uns.

Also hatten wir noch ein wenig Zeit in dem beschaulichen Städtchen. Vielleicht konnten wir noch jemandem zu Diensten sein. Doch erst einmal wollte ich etwas zu Mittag essen. Nach der ganzen Kämpferei grummelte mir der Magen doch ganz schön arg. In dem ganzen Trubel im Wirtshaus erblickte ich plötzlich Sir Isterval! Du meine Güte! Ich versuchte, möglichst unauffällig zu sein und konzentrierte mich auf mein Essen. Natürlich bekamen Silvie und Maturin auch ihren Teil davon ab. Vielleicht ein bisschen mehr als sonst, plötzlich war mir nämlich gar nicht mehr so richtig nach essen zumute und ich fühlte mich etwas blümerant.

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Tappser erkannte wohl in der Menge einen Sonnenelfen, der an sich nach etwas erkundigte. Er begab sich in dessen Nähe, um ein wenig zu lauschen. Der Elf unterhielt sich mit dem Wirt und redete davon, dass sein Vater wohl schon seit nunmehr drei Monden verschwunsen war und dass er hoffte, dass ihm nichts zugestossen sei.
„Wo und wie ist er denn verschwunden?“, mischte sich Tappser in seiner gewohnt entwaffnenden Art in das Gespräch ein.
Der Elf musste sich erst einmal sortieren, er war sehr überrascht! „Habt ihr mich etwa belauscht? Nunja, schaden kann’s eigentlich nicht. Mein Vater kam einfach nicht von seiner Arbeit zurück. Aber sein Arbeitsweg ist auch nicht gerade der ungefährlichste.“
„Hm, vielleicht könnten wir euch helfen, kommt doch mal mit zu meinen Freunden“, so führte Tappser ihn zu mir und Cinar. Wo war Tara schon wieder abgeblieben? Dieses Kind!
Mir war die ganze Szene total entgangen, sass ich doch auf meinem Stühlchen und versuchte zu essen, doch ich guckte nur verträumt in die Gegend. Und ab und zu unauffällig zu Sir Isterval hin. Tappser nahm mich in seine Pranken und setzte mich mir nichts, dir nichts in einen hohen Stuhl. Plötzlich sah ich mich einem Elfen gegenüber! Hä?!
Tappser erzählte uns, was dem Elfen Kopfschmerzen bereitete und klar, natürlich helfen wir! Gerne!
„Mein Name ist Darfin Floshin und ich bin Nachfahre der Wächter der Portale nach Evermeet. Mein Vater ist der aktuelle Wächter des Portals und, wie eurem Freund schon gesagt, er kommt seit drei Monden einfach nicht nach Hause zurück. Es würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet!“
Cinar verdrehte die Augen: „Wir sollen also unser Leben aufs Spiel setzen, einfach so?“
„Nun, Herr Floshin, vielleicht könntet ihr unserer Gruppe ein Entgelt dafür anbieten, dann wäre auch Cinar bestimmt gewillt, euch zu helfen“, versuchte ich die Situation zu retten.
„Ich kann euch natürlich bezahlen! 2000 Gold kann ich euch dafür bieten!“
„Wir gucken uns das mal an“, kam prompt die Zusage von Cinar.
Uff, da war ich aber erleichtert.
Wir schlugen vor, direkt am nächsten Tag bei Sonnenaufgang loszugehen.
„Ich erwarte euch“, verabschiedete sich der Elf von uns und verliess die Taverne, nachdem er uns seine Adresse noch genannt hatte.
Bevor wir das grosse Haus verlassen konnten, um uns diesmal eine etwas kostengünstigere Unterkunft zu erhaschen, erkannte uns doch Sir Isterval doch noch! Mein Kopf wurde hochrot. Doch irgendwie schaffte ich es sogar, noch eine einigermassen verständliche Unterhaltung zustande zu bringen.
Daraufhin verbrachten wir eine geruhsame Nacht in der River Shining Taverne.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns am nächsten Morgen auf zum Elfen. Er erwartete uns schon vor seinem hübschen Haus und wir folgten ihm raus aus der Stadt, durch das Farmers Gate.
Etwas weiter nördlich der Stadt verliessen wir die festen Wege und traten ein in einen dschungelähnlichen Wald. Der Elf schritt munter voran und ich fühlte mich ein wenig wie zu Hause.
Irgendwann kamen wir auf eine Lichtung, die voller kleiner, leuchtender Sphären war, die einen glitzernden Schweif hinter sich herzogen. Sie machten entzückende Glitzergeräusche. Ich konnte nicht anders, ich musste einfach einem spielerisch hinterher laufen.
„Sie sind wundervoll!“, lachte ich entzückt.
Eines der Wesen setzte sich auf Tappsers Pfote, so konnten wir sie uns etwas genauer ansehen. Es waren kleine leuchtende Kugeln, ohne eine feste Form.
Herr Floshin erklärte uns, dass es Willow Wisps waren. Es waren Untote, entstanden aus den Seelen von Toten und meist an Kultorten anzutreffen.
Es sei wohl so, dass sie einem Sterbenden den letzten Lebenshauch raubten. Huch! Plötzlich fühlten Tappser und ich uns nicht mehr so wohl. Hoffentlich war dies Herrn Floshin Senior nicht zum Verhängnis geworden!

Bild von Martinschuschi auf Pixabay

Ich musste mich schon ganz genau auf der Lichtung umsehen, um einen geheim gehaltenen, überwucherten Pfad zu entdecken, der zu einer Treppe hinab führte. Dort war Blut!

Unten angekommen war es dunkel. Wir gingen die Treppe hinab in einen kleinen Vorraum. Der angrenzende Raum war grösser, dort wurden wir von Schlangen mit zwei Köpfen schon erwartet! Wie wundervoll! Solche Wesen hatte ich noch nie gesehen!
Doch bevor ich irgend etwas über die Schlangen herausfinden konnte, stürtzte sich Tappser sofort mit beiden Dolchen auf eines der beiden Tiere und verletzte es schwer! Oh nein! Ich rannte zu ihm hin und versuchte die Schlange wenigstens ein bisschen zu heilen. Diese biss mit dem einen Kopf nach Tappser. Anscheinend waren es giftige Schlangen! Auch der zweite Kopf biss zu und plötzlich lag Tappser vor mir sterbend auf dem Boden.
Die zweite Schlange war nun auch auf Kampf eingestellt und griff Darfin an. Doch Cinar und Tara kamen ihm schnell zu Hilfe und Cinar schlug den Kopf der Schlange entzwei, der nach Taras Angriff noch lebte.
Ich versuchte, mit der anderen, von Tappser verletzten Schlange zu reden, ihren Auftrag hier in der Ruine zu erfahren.
„Den Meissssster beschützennnnnn“, kam die Antwort prompt.
„Mit allen Mitteln?“, war meine Gegenfrage.
„Wir müssssssen den Meissssster beschützennnnnn.“
„Dann habt ihr leider soeben euer Todesurteil unterschrieben.“
Doch noch bevor ich überhaupt einen Schlag ausführen konnte, blitzt Taras Magie an mir vorbei und zerfetzt die Schlange.
Ich war so wütend auf Tappser! Wir hätten so viel über diese Tiere lernen können! Trotzdem konnte ich ihn nicht einfach so halbtot da liegen lassen und regenerierte ihn etwas.

Nun waren wir alle ganz schön ausser Atem (und Tappser nicht gut auf mich zu sprechen). Um wieder ein wenig zu Kräften zu kommen, setzten wir uns in den kleineren Vorraum.

Nach der Pause machte Cinar sich auf, einen Gang nach rechts etwas weiter zu untersuchen und war dabei auf einen Raum mit vier Hebeln und jeder Menge Zeichen an den Wänden gestossen. Sie waren regelrecht vollgekritzelt.
Ein anderer Gang, der geradeaus führte, wurde breiter und liess uns auf zwei goldene Statuen blicken. Als Cinar einen Schritt nach vorne machte, hoben diese ihre Hellebarden und versperrten uns den Weg mit einer goldenen Barriere. Hm. Also doch zurück in den ersten Gang, der nach rechts führte. Dort war noch ein weiterer Raum mit zwei Särgen darin. Auf den Särgen stand geschrieben:
„Andalier Silverbell
1. Wächterin des Evermeet Portals 807 Jahre alt“
und
„Rhudin Floshin
2. Wächter des Evermeet Portals 794 Jahre alt“
In den Särgen lagen tatsächlich nur mumifizierte Leichen und Knochen.
Hm. In diesem Raum kamen wir aber erst mal nicht weiter.

Wir gingen also in den Raum mit den vielen Hebeln und probieren diese aus. Diese aktivieren sich anscheinend, aber was sie bewirken bleibt ein Rätsel.
Auch Herr Floshin war etwas ratlos. Ihn erinnerten die Kritzeleien an der Wand aber an etwas, eine Art Zahlensystem oder so. Aber viel konnte er auch nicht damit anfangen.
Mir kam eine Idee: die Zeichen an der Wand wären als „an“ und „aus“ lesbar. Also begann ich , die Hebel zu ziehen und inaktiv zu setzen, wie es an der Wand zu erkennen war. Vielleicht passierte ja ganz zum Schluss etwas? Das würde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen, also machten sich Cinar und Tara auf die Suche nach einer anderen Aufgabe.
Endlich, nach drei oder vier Stunden – schwer zu sagen, in den zeitlosen Räumen der unterirdischen Ruine – klackten die Hebel und die Tür im Hauptraum öffnete sich!
Der Gang dahinter führte in einen großen Raum, mit einer riesigen Schnecke darin! Ihr Gehäuse war aus Knochen und offensichtlich tat sie sich gerade an einem anderen Hochelfen gütlich.
Tappser zog seinen Hut aus und versteckte seine Ohren darunter. Ob er etwas über diese Riesenschnecke wusste?
Herr Florshin kannte den zum Schneckenmahl gewordenen Hochelfen nicht, zum Glück war unsere ganze Suche hier nicht zum Scheitern verurteilt worden.

Etwas Gutes konnte die Schnecke jedenfalls nicht wollen. Tappser stürzte sich sofort auf sie und klebte plötzlich an der Schnecke fest! Igitt! Mit einiger Kraftanstrengung konnte er sich aber befreien.
Cinar ging auch sofort zum Angriff über und schnitt kurze Zeit später die Schnecke einfach in der Mitte durch. Diese stiess einen markerschütternden Schrei aus, der allen in den Knochen widerhallte. Ausser Tappser, der den Schrei wohl hatte kommen sehen. „Ein Bonewhelc war das“, erzählte er uns später und dass die zwar nicht besonders stark seien, aber im Tod einen Schrei ausstiessen, der nicht gerade angenehm sei. Und im Vorbeigehen klebte er Cinar ein wenig Schneckenschleim an, worauf Cinar ihn mit seinem Schwertgriff traktierte.
Die beiden verstanden sich!

Wir erkundeten die Ruine tiefer. In einem Gang, nicht weit vom Schneckenraum war eine verschlossene Tür. In Elfisch stand darauf:
Der Schlüssel liegt in deinem Kopf
gebe mir einen roten Tropf
achte drauf, was du verschmierst
kehrt zurück, dass du verlierst.
Darunter zwei kleine Kuhlen.
Sehr rätselhaft.

Cinar, unser Mann der Tat schmierte ein wenig von seinem Blut in diese Kuhlen unterhalb des Spruchs. Plötzlich hörten wir einen Schrei. Wo war Florshin? Wir hasteten zurück zu ihm, der noch im Schneckenraum den toten Elfen betrachtete. Als wir in den Raum zurückhasteten, staunten wir aber nicht schlecht – da stand ein zweiter Cinar und erhob gerade sein Schwert über Darfin!
Der falsche Cinar und der echte Cinar lieferten sich einen sehr verwirrenden Kampf. Welcher war nun welcher? Einer der beiden wurde halb bewusstlos geschlagen, woraufhin sich der andere in seine Engelsform verwandelte. So wunderbar und grauenhaft anzusehen, dass ich nur noch weg wollte. Meine Füsse bewegten sich wie von selbst und ich floh.
Sobald ich wieder klar denken konnte, rannte ich so schnell es ging zurück zu Darfin und versuchte seine Wunden zu heilen. Die anderen beschäftigten sich in der Zeit mit der Cinar Kopie. Wie sie die beiden auseinanderhalten konnten, war mir ein Rätsel.
Schliesslich konnte der „echte“ Cinar zum Glück seiner Kopie den Kopf abschlagen und rammte ihm ziemlich wütend das Schwert noch in die Brust. „Arschloch“, hörte ich ihn noch grummeln.

Und der nächste Schrei ertönte aus einem Gang. Er klang verdächtig tappserig – hatte der sich wieder auf eigene Faust auf den Weg gemacht? Tara rannte sofort in die Richtung, aus der der Schrei kam. Ich folgte ihr, obwohl ich immer noch nicht allzu gut auf Tappser zu sprechen war wegen der Schlangen – aber das beruhte wohl immer noch auf Gegenseitigkeit.
Im Gang kam mir Tappser entgegen: „Hilfe! Der Wisp ist garstig und böse!“
Cinar rannte klappernd an uns vorbei, als würde er uns nicht sehen, in den Raum hinter der Elfentür, die nun geöffnet war.
Tappser erklärte japsend, dass er tiefer in der Ruine eine Folterkammer gefunden hatte, mit dem Vater Darfins darin. Festgebunden auf einer Liege! Dort war der Wisp auch gewesen, welchen er angriff (typisch!) und der ihn seither wütend klimpernd verfolgte.
„Wir sollten uns wohl besser um den Wisp kümmern!“, rief ich in den Raum hinter der Elfentür hinein, in den auch Tara verschwunden war. Besser, als Tappser endgültig zu verlieren. Auch wenn ich mit seinem Verhalten heute überhaupt nicht d’accord ging. Immerhin war er dankbar und ich konnte ihn mit meiner letzten Heilkraft noch ein wenig heilen.

Dann folgten wir Tappser in die Folterkammern, in der der ältere Elf gefangen gehalten wurde.
„Ich bin fohr, dass ihr hier seid, ich muss euch darum bitten – drüben im Portalraum gibt es einen weiteren Elfen, der versucht, das Portal mit Gewalt zu öffnen. Aber ihr solltet erst einmal zu Kräften kommen, das stimmt schon, bevor ihr euch in einen weiteren Kampf stürzt. Das Ritual dauert nochmal drei Tage und Nächte.“
Wie? Was? Portal? Wohin? Was war dahinter? Oder wer? Der alte Elf war sehr aufgebracht. Es musste wohl etwas Schlimmes sein, ansonsten würde das Portal nicht schon seit Jahrhunderten so streng bewacht werden.
Auf dem Weg hinaus krallte sich Tappser einen Satz Folterwerkzeuge und steckte sie in unsere unendliche Tasche. Ich wunderte mich schon über gar nichts mehr.
Der alte Elf zeigte uns einen erstaunlich gemütlichen Ort mit einigen Gemächern, wo wir erst einmal ruhen und wieder zu Kräften gelangen konnten. Wir waren schon ganz schön ausgelaugt.

Die Gemächer waren überraschend gemütlich und am nächsten Morgen (beziehungsweise nach einer gehörigen Portion Schlaf) wachten wir alle erfrischt auf.
Tappser war schon wieder voller Tatendrang und erkundete einen Gang, der weiter nach hinten führte. Plötzlich löste er einen Draht aus. Ein Bolzen flog durch den Gang auf uns alle zu. Zum Glück stand Tara noch in ihrem Zimmer. Ich hatte schon wieder keine Luste mehr. Tappser!
Ich setzte mich wieder auf mein Bett und schmollte. Ganz reumütig kam er eine Weile später angetappst und entschuldigte sich. Immerhin.
Er hatte in der Zwischenzeit einen Altar gefunden, wovor drei Blutschalen standen. Aber unser Hauptziel war der Portalraum wo dieses Ritual abgehalten wurde.
Auf dem Weg dahin fanden wir aber zuerst noch eine Vorratskammer und eine Bibliothek! Wenn das alles hier vorbei war und wir alle noch lebten, musste ich unbedingt dahin zurückkommen!

Bild von Momentmal auf Pixabay

Dann betraten wir den Ritualraum.

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