Würfel
Rollenspiel,  Kurzgeschichten

Yara 7 – Eisenmampfer und Kampfgestein

Etwas ratlos packten wir den Speer in unsere unendliche Tasche. Tappser versuchte ziemlich erfolglos einen Minotauren zu zerlegen – wollte er sich eine Trophäe fürs Wohnzimmer basteln? In dem Haus in dem er mit Nehil zusammen seine Tage verbringen würde? Aber ich schweifte in Romantik ab. Die unendliche Tasche war jedenfalls nicht mehr sauber. Igitt, Tappser! Also durfte er sie jetzt erst einmal tragen.

Wir gingen zurück zum Pfad, als wir einen Planwagen sahen, der uns aus dem Norden entegenkam.
„Guten Tag die Reisenden, wir sind Händler aus Waterdeep auf dem Weg nach Baldur’s Gate.“, begrüssten sie uns.
„Womit handelt ihr denn?“, wollten wir wissen.
„Nun, wir bringen einige Waren, aber hauptsächlich versuchen wir, exotischere sAchen zu ergattern, die wir zurück nach Waterdeep brignen können. Irgend ein Meeresungeheuer, das wohl so aussieht wie ein Krake, macht unseren Hafen so unsicher, dass sich keiner mehr rauszufahren traut.“
Ojeoje ojemine, woher kannten wir das bloss?
„Könntet ihr uns mitnehmen nach Baldur’s Gate?“, fragten wir statt uns nach dem Ungeheuer zu erkundigen.
„Na klar, wo kommt ihr denn her?“
„Baldur’s Gate!“
Die Händler sahen uns etwas verständnislos an und wir erzählten, dass unsere Gefährtin während eines Kampfes gegen Minotauren von dem Speer getroffen und wohl durch einen Zauber in ihm versiegelt worden war. Wie der Zufall – oder das Schicksal, danke Mielikki! – so spielt, kannten sich die Händler wohl mit magischen Artefakten ganz gut aus.

Tappser nahm den Speer aus der Tasche und reicht ihn ihnen.
„Interessant… und was genau ist passiert? Eure Freundin wurde darin versiegelt? Wurde sie mit dem Speer angegriffen?“
„Ja, genau!“
„Hmm, von solchen Waffen habe ich schon einmal gelesen, sie sind sehr selten, wir würden euch 10’000 Gold dafür bieten!“, und sie strahlten über ihre habgierigen Gesichter.
Cinar hatte aber etwas dagegen: „Wenn ihr unsere Freundin da rausholen könnt, dann können wir da gerne drüber reden, davor allerdings sieht es schlecht aus.“
„Gute Frage, wie ihr eure Freundin da rausbekommt. Ich habe noch nicht gehört, dass da jemand wieder rausgekommen wäre. Also ist der wirklich nicht verkäuflich?“
„Das haben wir nicht gesagt, nur hätten wir gerne unsere Freundin da erst raus.“

Bild von David Shaw auf Pixabay

In Daggerfort, erzählten uns die Händler, lebe einer der talentiertesten Artefaktschmiede, Derval Ironeater. Den könnten wir fragen, er kenne sich sicher damit aus. Das passte ja ganz gut, nach Daggerfort wollten wir ja sowieso, auch um den Brief des Juweliers abzugeben.
„Wo würden wir denn in Waterdeep euer Geschäft finden können?“, erkundigte sich Tappser noch.
„Wir sind direkt am Fluss, nicht zu verfehlen! Wenn ihr vorbeikommt und eure Freundin gerettet habt, dann schaut gerne mal vorbei!“
Cinar kam dann noch eine andere Idee, liess sich von Tappser die unendliche Tasche geben und kramte eine der alten Münzen heraus.
„Könnt ihr uns sagen, was das für Münzen sind?“
„Hm, ich denke, vielleicht soltet ihr einen Forscher oder Antiquar fragen, diese Münzen sind jedenfalls nicht aus Faerûn. Zumindest nicht aus diesen Ländern“, und er gab uns die Münze wieder zurück.

Wir verabschiedeten uns von den Händlern und machten uns also doch wieder auf nach Daggerfort. Hoffentlich konnte Derval Ironeater Tara helfen!
Als die Nacht hereinbrach, verspürte keiner von uns ein Schlafbedürfnis. Wir waren einfach noch zu geschockt von allem, was passiert war und wollten Tara so schnell wie möglich aus dem Stab retten!
Also reisten wir durch die Nacht, bis wir unsere Augen nicht mehr offen halten konnten.
Der Morgen graute, die Vögel wurden auch schon wieder wach und wir trotteten langsam sehr müde weiter, in die Wälder des Trollbark Forest.

Um die Mittagszeit herum hörten wir ein lautes Rascheln aus dem Wald. Wir versteckten uns so gut wie möglich, keiner hatte Lust, gegen eine unbekannte Bedrohung kämpfen zu müssen. Fast lautlos waren wir, nur Cinar klapperte in seiner Rüstung. Am Nachmittag waren wir aber so erschöpft, dass wir einfach rasten mussten. Tappser und ich kletterten in einen Baum und schliefen uns in luftiger Höhe aus, während Cinar auf dem Boden sein Zelt aufschlug.

Kurz vor Mitternacht wachten wir wieder auf. Nichts hatte unseren Schlaf gestört und wir waren erfrischt und ausgeschlafen. So leise und unsichtbar wie möglich, machten wir uns wieder auf den Weg.
Am späten Nachmittag erreichten wir dann endlich Daggerfort. Die hatten sogar ein steinernes Eingangstor mit Steinbrücke davor! Es fühlte sich schon etwas unbehaglich an, sich wieder in einer Stadt aufzuhalten. Doch wir hatten keine Zeit, es uns gemütlich zu machen, Tara harrte ihrer Rettung!
Den erstbesten Menschen fragten wir nach Derval Ironeater. Entlang der High Road nach Kauth Alley, dort sei seine Schmiede nicht zu übersehen.

Eigentlich waren in der High Road einige interessante Läden. Ein Haus hatte sich auf grössere Waren von ausserhalb spezialisiert, Fässer, grössere Stoffmengen und so weiter.
Am Ende der High Road rechts war ein Drillplatz zu sehen. Dort mussten wir nochmals nach dem Weg fragen. Die Kauth Alley war aber direkt um die Ecke und endlich standen wir vor der Schmiede.

Photo by Malte Wingen on Unsplash

Am Amboss stand ein in die Jahre gekommener Zwerg, der dort gerade ein Stück Eisen bearbeitete.
Ich rannte an Tappser vorbei, der gerade gemässigten Schrittes die Schmiede betreten wollte.
„Herr! Herr! Hilfe! Wir brauchen welche! Eure!“, schmetterte ich dem Zwerg ins Gesicht (wir sind auf einer Augenhöhe, wenn ihr versteht, was ich meine).
Der Zwerg war nicht aus der Ruhe zu bringen und haute noch ein-, zweimal auf sein Eisen und wandte sich dann mir zu:
„Ja, wie kann ich helfen?“
Ich erzählte ihm unsere Geschichte so gut es mit meinem verwirrten Kopf ging. Ich war einfach nur froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der helfen konnte. Ironeater wollte den Speer sehen. Ich sah Tappser an, der ihn aus unserer unendlichen Tasche holte und dem Schmied gab.
Dieser hob den Speer und die Runen, die ihn bedeckten ganz nahe an seine Augen. Unter seinen sehr buschigen Augenbrauen, die er jetzt hochzog, spiegelte sich Erstaunen und Interesse. Ganz genau nahm er die Schriftzeichen in Augenschein. Offensichtlich sah er doch nicht mehr ganz so gut.
„Ich kenne diese Magie. Und ich kenne idese Art von Waffen. Aber wenn man weiss, was dahinter steckt, kann man sie auch leicht umgehen. Eure Freundin steckt in einer Art Zwischendimension, wie eure magische Tasche. Nur etwas anders. Dadurch, dass man den Speer nicht umstülpen kann, wird es etwas kompliziert. Ich brauche etwas Zeit, um den Speer analysieren zu können. Und ich brauche etwas mit einer ähnlichen Verzauberung.“
„Die Phiole mit dem endlosen Sandgerinnsel vielleicht?“, mutmasste ich und zeigte sie ihm.
„Diese Phiole geht nicht, das ist eine Magie, die erschafft. Wir brauchen eine Magie, die versiegelt.“
Das Amulett, das wir Troy abgenommen hatten, konnte allerdings funktionieren. Würde dabei allerdings zerstört werden, informierte uns der Schmied. Hm, vielleicht konnten wir in der Zeit, die er zum Analysieren benötigte, ja noch etwas anderes mit einer ähnlichen Verzauberung finden…

Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Stadt noch ein wenig zu erkunden. Vielleicht konnten wir ja noch einen verzauberten Gegenstand irgendwo finden, dann müssten wir das Amulett nicht einsetzen. In der Farmer’s Road im Norden der Stadt war eine grosse Taverne. Die River Shining Tavern. Als wir sie betraten, fing Tappser sofort an zu krakeelen: „Wir suchen einen Gegenstand mit magischen Kräften!“
Mir war das dann doch etwas zu viel zu schnell und zu laut, also verkroch ich mich in die nächste Ecke und hielt Silvie die Ohren zu.
„Wir sind auf der dringenden Suche nach einem Artefakt, das versiegelt!“, dröhnte der Katze stimme durch die Taverne.
Ein Mann stand auf und brüllte zurück: „Im Decorated Man gibt es ein Artefakt, das euch wahrscheinlich helfen könnte!“, und setzte sich wieder hin.
„Vielen Dank!!!“
Nun, dann mussten wir wohl diesen Decorated Man finden. Da wir bei der Ankunft in Daggerfort wohl etwas sehr erpicht darauf gewesen waren, Herrn Ironeater zu finden, hatten wir den wohl übersehen. Direkt beim Stadteingang am Markt war er zu finden.

Der Markt erinnerte sehr an den in Baldur’s Gate. Viele Stände, viel Gewusel. Der Marktplatz war gesäumt mit einigen grösseren Gebäuden. Das grösste davon war das „Gublins Clothes and Cordage“, daneben ein Laden namens „Millers Dry Goods“ für Vorräte, eine weitere Taverne, die „Lady Luck Tavern“ und schliesslich „The Decorated Man“. Ein Geschäft für Schuhe und Hüte.
Als wir das Geschäft betraten, stieg uns der Geruch nach Leder in die Nase. Ich rümpfte die meine. Für mich roch es nach Tod und Leiden.
Hinter dem Tresen stand ein Mann mit Spitzbart, der anscheinend gerade ein Paar Schuhe reparierte. Nachdem wir ihm beschrieben hatten, wonach wir suchten, zeigte er uns sogleich einen Zylinder. Einen schönen, schwarzen Zylinder, der schon sehr hübsch anzusehen war. Es war eines Tricksters Kopfbedeckung, den der Händler direkt aus Neverwinter importiert hatte. 400 Gold sollte das gute Stück kosten. Tappser schaffte es tatsächlich, den Preis auf 350 Gold zu drücken. Aus dem Hut konnte man anscheinen Sachen herausziehen, die man vorher dort reingesteckt hatte. Wie ein Zauberer. Cinar und ich gaben Tappser je 100 Gold an den Kauf.

Zurück gings, zur Kauth Alley!

Wir zeigten dem Schmied den Zylinder, der sofort erkannte, dass dieser durchaus brauchbar wäre. Den Speer hatte er in der Zwischenzeit analysiert. Die Chance, dass der Speer nach der Tara-Extraktion noch einsetzbar war, stand in etwa 1:1. Ausserdem war die Waffe einhändig zu führen, wäre durchschlagkräftiger als ein normales Schwert, so wie ich eins trug und hatte zwei Zellen, in die sie Leute versiegeln konnte. Jedes Mal, wenn man einem Gegner Schaden zufügte, gab es eine geringe Wahrscheinlichkeit die angegriffene Person (oder Monster oder Nicht-Person) darin zu versiegeln. Ausserdem gab es beim Anfassen eine hohe Wahrscheinlichkeit, mit dem versiegelten Wesen Kontakt aufnehmen zu können. Nicht schlecht. Hauptsache Tara und ihr Rättchen kamen da wieder raus!
„Was wird uns der Spass kosten?“, wollte Cinar von dem bärtigen Zwerg wissen. Stimmt, daran hatte ich noch gar nicht gedacht! Für nix gibts nix!
„Nun, ich arbeite momentan an einem neuen Artefakt und ihr kampferprobten Abenteurer kommt mir da ganz gelegen. Ich brauche für einen Beschöwrungsstab, der Elementare beschwören kann noch einige Zutaten: Feuersalze, Lebendigen Stein und ein Wasserherz. Ich schlage vor, dass ihr mir diese bringt. Ich arbeite hierbei auf einer gewissen Vertrauensbasis und würde meine Dienste vorschiessen. Mein guter Freund Darrondar Gweth, der Priester des örtlichen Tempustempels, kann Elementare beschwören, die diese Dinge zurücklassen können, nachdem sie besiegt sind.“

Wir hatten einen Deal! Irgendwie freute ich mich schon darauf, meinen Gefährten im Kampf wieder beistehen zu können.

„Nun, dann mache ich mich daran, eure Freundin zu befreien“, verkündete Derval Ironeater und legte den von uns vor nicht einmal einer Stunde erstandenen Zylinder auf den Tisch. Er versah ihn mit einer goldenen Brosche mit einem verschlungenen floralen Symbol darauf. Ein ähnliches Symbol legte er auf den Speer, direkt auf die Runen. Diesen Goldguss nahm er dann nochmals in die Zange und erwärmte ihn im Schmiedefeuer, bevor er ihn mit einem kräftigen Schlag auf die Runen des Speers aufsetzte.
Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall!
Und Tara sass mit einem sehr überraschten und verwirrten Gesichtsausdruck auf dem Tisch. Mit Edgar auf ihrer Schulter, mielikkiseidank!
„Was.. wie… wo… bin ich? Und wie komme ich hierhin? Es war doch gerade noch alles schwarz“, stammelte sie vor sich hin.
Ich rannte zu ihr und umarmte sie überschwänglich. Dann erzählte ich ihr, in meiner Erleichterung total konfus, wie sie hierher gekommen war:
„Du! Minotaure! Der hat dich getroffen und puff! Weg warst du! In der Waffe eingesperrt! Wir! Und der liebe Zwerg Ironeater dich gerettet!“, ja, sehr viel Erfahrung mit narrativer Kommunikation hatte ich in meinem Leben nicht gehabt.
Dank Tappsers verständlicheren Zusammenfassung, schien Tara zwar immer noch etwas verwirrt, aber das war wohl zu erwarten. Aber ich glaubte, auch Dankbarkeit in ihrem Gesichtsausdruck zu erkennen.
„Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht arm, nachdem ihr so viel Geld für mich ausgeben musstet“, hoffte sie etwas zerknirscht.
Ein schlechtes Gewissen hatte sie wohl auch.
„Gold ist nichts Wert, im Vergleich zu deiner Anwesenheit und Freundschaft!“, versuchte ich sie zu beruhigen und musste mir danach ein wenig Schleim abwischen.

Nach der ganzen Aufregung dieser Rettungsaktion hatten wir uns eine kleine Shoppingtour verdient! Cinar und ich kauften uns bessere Rüstungen. Für mich etwas zu finden war gar nicht so leicht, aber ich konnte mir eine Zwergenrüstung von Derval anpassen lassen.
Auch die alten unbekannten Münzen zeigten wir dem Bärtigen:
„Das sind alte Zwergenmünzen! Wo habt ihr die denn her? Als Währung taugen die heute nicht mehr wirklich viel, höchstens im Underchasm oder so. Der reine Materialwert beträgt in etwa zwei Gold pro Münze.“
Auch beschreibt er uns noch, wie wir zum Tempustempel kommen, um uns seine Bezahlung erkämpfen zu können.
Doch bevor wir dies tun, wollten wir uns nochmal auf dem Markt stärken. Ein kräftigendes, deftiges Gemüsegericht mit viel Kartoffen und Bohnen hellten meine Laune noch mehr auf. Leider gab es hier keinen exotischen Obststand, also schlug ich Cinar vor, uns schon einmal beim Tempel für den nächsten Tag anzumelden, während Tappser sich bei „Gublins Cloth and Cordage“ nach einer besseren Rüstung umsah. Tara ging in die Taverne am Markt. Sie musste wohl einiges verarbeiten. Mit einem Bier oder fünf.

Der Tempus war ein mittelgrosser Glaube und wohl besonders an der Schwertküste verbreitet. Ich hatte zwar noch nie davon gehört, aber das musste nichts heissen, hatte ich doch den Grossteil meines Lebens alleine im Wald verbracht. Tempus war der Gott des Krieges und des Kampfes.
Wir betraten den Schrein. Das Gebäude wirkte zwar wie ein Gotteshaus mit drei Schiffen, allerdings machte es auch einen arenaähnlichen Eindruck. Im mittleren Schiff war eine grosse Matschkuhle. Die linken und rechten Seitenschiffe waren jedoch wieder relativ normal eingerichtet und beherbergten die typischen Utensilien wie Bücherregale, Schreine und Reliquien. Mir erschien der Glaube sehr pragmatisch.
Uns begrüsste eine stämmige, durchtrainierte Gestalt, die in einer sehr körperbetonten Robe steckte.
„Wir kommen im Auftrag des Zwergs Derval Ironeater und suchen den Herren Darrondar Gweth“, piepste ich etwas eingeschüchtert.
„Der steht vor euch“, antwortete die Gestalt.
„Wir sollen für den Zwerg ein paar Zutaten besorgen und er meinte, ihr könntet Elementare beschwören, die ähm…“
„Feuersalze, Lebende Steine und ein Wasserherz“, ergänzte ich,
„… genau das, hinterlassen.“
„Ja, das kann ich wohl, das wären dann wohl ein Feuer-, ein Wasser- und ein Steinelementar.“
Wir verabredeten uns für den nächsten Vormittag.
„Kommt gewappnet! Das wird ein Spektakel, das sicher einige Stadtbewohner interessieren dürfte.“
Es war wohl zuviel verlangt, die Kämpfe in Ruhe bestreiten zu können…

Das war also auch erledigt. Wir kehrten zum Marktplatz zurück und betraten die Lady Luck Taverne, wo schon Tara und Tappser sassen und uns einen Tisch frei gehalten hatten. Tara bestellte gerade schon ihr fünftes Bier, ich nahm einen Tomatensaft, Cinar wollte nur Wasser und Tappser reichte der Bedienung ein riesiges Orkhorn, das sie mit Bier füllen sollte. Wir hatten schliesslich was zu feiern.
Zimmer für die Nacht waren auch noch frei, also teilten Tappser und ich uns ein Zimmer. Bevor es aber nach oben ging, umarmte ich die etwas beschwipste Tara nochmal. Sie hatte uns erzählt, dass es für sie im Stab einfach nur schwarz gewesen war. Gespürt hatte sie auch nichts. Nur einmal hatte sie Tappser gehört, als er wohl den Speer berührte, aber lieber geschwiegen.

Am nächsten Morgen fand ich sogar noch ein ruhiges Plätzchen fürs Frühstück in der Taverne. Als letzte kommt Tara mal wieder die Treppe hinunter.
Doch bevor wir uns den Tempuselementaren stellen würden, wollten wir uns aufmachen, um den Brief, den uns der Juwelier für den Präfekten der Stadt mitgegeben hatte, zu übergeben.
Unterwegs gingen wir am Schrein von Amaunatur vorbei, ein beeindruckendes Gotteshaus.
Die Wachen liessen uns passieren und wir betraten das Anwesen des Duke. Innerhalb der äusseren Burgmauern kommt uns ein gut gerüsteter Paladin in schillernder Rüstung entgegen! Wow, so etwas Schönes hatte ich ja noch nie gesehen! Ich war sehr beeindruckt. Er beugte sich zu mir herunter und unterhielt sich ein wenig mit mir. Sir Isteval hiess er und brachte mich tatsächlich ein wenig zum Stammeln. Er wohne hier, aber wohl nicht mehr lange, da er in Deepwater in den Rat einziehen würde, erzählte er uns stolz. Deepwater war wohl ein grösserer und mächtigerer Ort als Daggerfort.

Wir betraten das Haus mit der grossen Thronhalle, nachdem wir die inneren Burgmauern durchschritten hatten. Dort war endlich auch der Duke von Daggerfort. Tappser übergab mir den Brief aus unserer unendlichen Tasche und ich gab ihn an eine Wache weiter. Diese inspizierte den Brief genaustens, bevor er ihn dem Duke übergab. Duke Maldwyn Daggerfort.
Nachdem er den Brief gelesen hatte, gab er ihn uns etwas verwirrt wieder zurück. Er kannte weder den Juwelier, noch kam ihm die prahlerische Zechgeschichte, von dem dieser handelte, irgendwie bekannt vor. Wir sahen wohl etwas bedröppelt drein.
Aus irgendeinem Grund nahm Tappser plötzlich seine Dolche hervor und begann, sie zu wetzen. Natürlich langten daraufhin die Wachen sofort an ihre Schwerter und beäugten uns sehr misstrauisch. Das war wohl sein Talent, uns immer irgendwie unbeliebt zu machen… Doch bevor die Situation ausarten konnte, steckte er die Messer wieder weg. Wir verliessen wohl besser das Duke’s Castle.
Doch kaum waren wir vor der Tür, nahm Tappser die Dinger wieder hervor und wetzte weiter. Scherzhaft stupste Cinar ihn an, wohl in der Hoffnung, dass er sich schneiden würde. Doch der Tabaxi war natürlich zu geschickt. Cinar verliess mit einem Schmunzeln das Anwesen.

Auf dem Weg zum Tempel nahmen wir eine Aussenstrasse, die nicht durch das Zentrum von Daggerfort führte. Wir kamen noch an verschiedenen interessanten Dienstleistern vorbei; einer Bank, einem Pferdestall und sogar an einem Angelgeschäft. Auch das Rivers Gate sahen wir zum ersten Mal.

Dann betraten wir den Tempustempel erneut. Es waren tatsächlich ein paar interessierte Zuschauer gekommen, die wohl auch schon auf uns gewartet hatten.
Beim Priester erkundigten wir uns nach dem besten Vorgehen für den Kampf, schliesslich war es ja das erste Mal, dass wir gegen Elementare kämpfen mussten.
„Solange ihr magische Waffen habt, könnt ihr den Elementaren auch Schaden zufügen.“
Na toll, Tappser und ich hatten ja leider keine magischen Waffen und fragten einfach den Priester danach.
„HAT JEMAND MAGISCHE DOLCHE UND EIN MAGISCHES SCHWERT DABEI?!?“, donnerte er sofort in die Zuschauerreihen.
Und tatsächlich erhielten wir beide leihweise magische Waffen.
„Und was ist, wenn einer von uns bei dem Kampf stirbt?“, kam uns noch in den Sinn zu fragen.
„Dann hat er sich des Gottes Tempus nicht als würdig erwiesen.“
Hatten wir eine andere Antwort erwartet?

Bild von Alexandru Petre auf Pixabay.

Daraufhin wurde die Arena schnell mit dicken Ketten verschlossen und Darrondar Gweth beschwörte den ersten Elementar, der sich auch prompt aus einer umgefallenen Säule erhob. Ein Erdelementar, von dem wir die Lebenden Steine erhalten sollten.

Na dann mal los.

Der Elementar stürmte auf uns zu, sobald er unser Gewahr wurde. Zum Glück gab es seitliche Wassergraben, die in der Mitte der Arena nur wenig Platz liessen. Ins Wasser wollte sich der Elementar wohl nicht begeben. Cinar stand heldenhaft in dieser Verengung und federte den ersten Angriff ab. Ich stärkte mit meinem Zauber erst einmal meine Gefährten, sodass sie zielsicherer wurden. Während wir dann versuchten, irgendwie an Cinar vorbei das Ding anzugreifen (was nicht gelang, diese enge Landbrücke hatte nicht nur Vorteile), war der Elementar plötzlich verschwunden. Nur ein kleiner Erdhügel war noch da. Natürlich! Ein Erdelementar konnte sich magisch eingraben. Und wie bitte war der wieder da rauszubekommen? Cinar hatte die rettende Idee und steckte sein brennendes Schwert in den Hügel. Das erzürnte die Kreatur wohl nur noch mehr und im nächsten Augenblick lag Cinar bewusstlos auf dem Boden. Während Tappser und Tara sich mit ihren Nah- und Fernkampffähigkeiten mit unserem Gegner beschäftigten, rannte ich zu Cinar hin, duckte mich hinter meinen Schild und heilte seine Wunden notdürftig, so gut es ging. Der Kampf schien endlos. Nachdem ich dem Beschworenen auch endlich einmal Schaden zufügen konnte, bekam auch ich seine steinerne Faust zu spüren. Zum Glück verschwanden die Sternchen dann auch irgendwann wieder aus meinem Blickfeld. Zuletzt aber waren wir doch siegreich. Und auch den Lebenden Stein konnten wir aus den Hinterlassenschaften des Erdelementars ergattern.

Die Zuschauer jubelten uns zu! Die schweren Ketten wurden wieder aufgeschlossen und ein paar Menschen kamen auf uns zu. In ihren Händen hielten sie für jeden von uns ein Glas mit einer roten Flüssigkeit darin. Diese stärkte uns und ich fühlte mich so, als ob der Kampf nie stattgefunden hätte. Sie schmeckte nach Himbeere. Trotzdem war der Kampf knapp gewesen! Und das war erst der erste Elementar!

Die Menschen,die uns die Tränke gebracht hatten, zogen sich schnell wieder aus der Arena zurück, die Ketten wurden wieder vorgezogen und zugeschlossen. Der Prieseter machte soch bereit, den nächsten Elementar zu beschwören. Wir waren bereit.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.