Würfel
Rollenspiel,  Kurzgeschichten

Yara 6 – Nachforschungen und Speerkampf

Nach einer ruhigen Nacht war ich ausgeschlafen wieder auf den Beinen. Während ich schon unten sass, kamen nach und nach auch die anderen runter. Frühstück ging für alle aufs Haus, wir sind wohl seit Neustem die Helden von Baldur’s Gate.

Nach einer längeren Unterhaltung zur Planung, was wir als nächstes angehen wollten, machten wir uns erst auf zur Adlerbibliothek, um mehr über die Orte aus unseren Wahrsagungen von Madame Erie herauszufinden. Der Gastwirt vom Nixhund gab uns den Tipp, in der Bibliothek nachzufragen. Es war ein grosses Gebäude mit zwei Etagen und mehreren Flügeln. Cinar fragte bei der Bibliothekselfe, wo wir Hilfe finden könnten, wenn wir uns für Kartenkunde interessierten. Im oberen Stock könnten wir Herrn Oschter fragen, gab sie uns bereitwillig Auskunft. Diesen fanden wir trotz der Grösse der Bibliothek relativ schnell. Ich sprach Herr Oschter als erste an und beschrieb ihm den Ort meiner Weissagung, den markanten Turm mit dem goldenen Phönix.
„Hmm, das kommt mir bekannt vor, ein goldener Phönix auf einer Turmspitze…“
Er ging an ein Büchherregal und suchte ein wenig darin herum.
„Der Phönixwetterhahn markiert ein Gebäude. Er ist relativ auffällig, deswegen gilt er auch als Wahrzeichen der Stadt. Der Phönix ziert die Zitadelle Sundabar im Königreich Luruar.“
Daraufhin kramte er eine Karte von Faerun hervor, breitete sie vor uns aus und deutete auf den oberen Rand der Karte, wo Luruar verzeichnet war. Uff, das wäre eine Reise von zwei Wochen dahin! Doch bislang der einzige Ort aus unseren Visionen, den wir sicher zuordnen konnten.

Bild von Nicola Nutall auf unsplash

Als nächstes beschreibt Cinar seine Ortschaft. Leider nur sehr ungenau, da das einzige Bauwerk eine sonderbar anzusehende Burg war und an dem Ort Krieg herrschen soll. Herr Oschter konnte den Ort auch nicht genau zuordnen.
„Krieg gibt es öfter in Faerun und die Zitadelle von Sundabar ist auch durchaus sonderbar anzusehen. Aber Schlösser mit bizarrer Form gibt es viele.“
Das war uns also leider keine so grosse Hilfe.

Danach kam Tappsers Vision an die Reihe: „Eine Stadt mit einem Graben durch ein Viertel, in der Ferne ein grosses Gemäuer, das schränkt den Ort schon sehr ein aber mir kommt da Neverwinter in den Sinn“, sagte Herr Oschter dazu und zeigte uns auf der Karte, wo das lag.
Neverwinter ist auch im Norden, östlich von Luruar gelegen.

Als letzte beschrieb Tara ihre Vision von einer Wüsste mit vielen Dünen und einer Pyramide und dem Drachen.
„Hm, also Drachen gibt es überall – woher sagtet ihr kennt ihr diese Orte?“, will der Kartenkundige wissen.
„Wir kennen die Orte gar nicht, sondern haben sie von einer Wahrsagerin beschrieben bekommen…“, antworte teich ihm.
„Hm, im Süden gibt es natürlich Wüsten. Es gibt Calimshan, oder die Shaar Desolation, da gibt es auch Berge und Pyramiden, die soweit ich weiss, die Drachenpyramiden genannt werden.“
Auf der Karte zeigte er uns, wo Wüsten zu finden waren und welcher Ort in der Shaar Desolation wohl am wahrscheinlichsten auf die Beschreibung der Wahrsagung zutraf.

Um die ganzen Informationen zu behalten und unser erstes Ziel Luruar etwas genauer in Augenschein nehmen zu können, erstanden wir einen Atlas für 120 Gold und liehen uns ein Buch mit Bildern zur Region Luruar aus. Im Atlas verzeichneten wir all die Orte, die auf die Weissagungen zutreffen könnten.

Einem Geistesblitz folgend, fragte ich Herrn Oschtar noch, ob er wisse, wo sich ein Lich und Untote befinden könnten. Das sagte ihm allerdings nicht viel. Doch war in Cinars Vision nicht auch von einem schwarzen Abgrund die Rede gewesen?
„Also schwarze Abgründe gibt es ein paar! Deep Maw, Landsmouth und der bekannte Underchasm. Nördlich davon gibt es auch einige Ortschaften. Da könnte es Schlösser geben und ich habe in dem Zusammenhang auch schon Gerüchte von Lichs gehört. Ihr seid zwar lebensmüde, wenn ihr euch da hin wagt, aber das ist eure Entscheidung.“

Interessant. Auch diese schwarzen Abgründe und vor allem den Underchasm und die Region nördlich davon verzeichneten wir in unserem Atlas.

Nächster Stopp war wieder einmal der Markt. Wie immer herrschte reges Treiben. Tappser hatte einige Besorgungen vor. Eine Axt, ein Seil (um eine Leiter daraus zu knüpfen) und einen Erdanker. Ich wunderte mich schon lange nicht mehr über seine Eigenheiten. Irgendwie dachte er meistens doch weiter, als wir anderen.
Immer auf der Suche nach Exotischem, stiess ich auf einen Stand mit Orangen! Ich erstand eine und teilte sie mit den anderen.
Dann suchten wir auch eine Möglichkeit, Ghule sicher zu erkennen. Am einfachsten schien uns ein Amulett zu sein, dass irgendwie zu erkennen geben konnte, wenn ein Ghul in der Nähe war. Also betraten wir wieder einmal den Laden, in dem wir das kleine rote Juwel verkauft hatten und fragten den Juwelier.
„Ich wüsste nicht, wozu so etwas nützlich wäre aber ich schau mal in meinem kleinen Büchlein. Nein, so ein Schmuckstück kenne ich nicht. Man könnte es sich vielleicht herstellen und mit einer Zauberinfusion versehen lassen. Das ist allerdings sehr teuer. Für 600 Gold (unser, beziehungsweise Tappsers Budget dafür) bekommt ihr wahrscheinlich nicht einmal das Schmuckstück…“
Also war dieser Einfall auch etwas teurer als gedacht.

Daraufhin gingen wir weiter zur Wahrsagerin. Tappser wollte sie nochmals zu unseren Weissagungen befragen.
Und tatsächlich erkannte sie den Turm mit dem goldenen Phönix auf dem Bild der Zitadelle von Sundabar. Nun, der einzige Ort, den wir sicherlich zuordnen konnten, war der aus meiner Vision. Ich wusste nicht, ob ich schon bereit war, mich meinem Schicksal zu stellen.

Jeder Aufschiebung gerne Folge leistend, willigte ich schnell ein, nochmals beim Auftraggeber des Kopfgeldes, jenes schönen Hochelfens vorbeizusehen. Tappser klopfte an die Tür, aber es geschah nichts. Die Tür war verschlossen. Ich schickte Silvie hoch, durch die Fenster zu linsen, doch sie meinte, dass wohl keiner zu Hause ist.
Kurzerhand öffnete Tappser mit seinem Diebeswerkzeug die Türe, als wäre es ein Schlüssel und trat ein. Wir Restlichen folgten schnellen Schrittes. Im Erdgeschoss des Hauses ist alles leer. Oben in der Wohnung fanden wir gut ausgestattete und geräumige Räumlichkeiten aber nichts, was darauf hinweisen würde, dass der Elf verschwunden oder verschleppt worden wäre. Also verlassen wir das Haus wieder und Tappser verschloss die Türe auch wieder hinter uns.

Noch ein letztes Mal wollten wir bei der Kampfschule Takahiro vorbeisehen. An diesem Tag war nur eine der beiden Flügeltüren geöffnet. Ich gab vor, erleichtert zu sein, Frau Takahiro wohlauf zu sehen. Es hätten ja noch andere dieses Kopfgeld gesehen haben können. Die Frau erklärte uns, dass die halb geöffnete Eingangstüre bedeutet, dass Herr Takahiro nicht anwesend sei. Er war für ein paar Besorgungen in der Stadt unterwegs. Ich verwickelte sie in ein etwas holpriges Gespräch, während dessen Tappser sich vorsichtig im Haus noch etwas weiter umsehen konnte. Er fand eine alte Schuppenrüstung und ein Katana, ausserdem ein Übungsschwert. Und den Speiseraum. Dann noch den Raum mit dem schweren Vorhang, an dem unsere Tierchen allesamt gescheitert waren. Hinter diesem geheimnisumwitterten Vorhang war jedoch etwas sehr Banales: Schränke mit Räucherwaren und einen Schrein mit gezeichneten, schwarz umrandeten Bildern von einem sehr alten Mann, einer genau so alten Frau und einem Jungen.
Draussen, im Schuppen neben dem Dojo fand der Tabaxi nur Trainingsgegenstände. So hinterliessen wir diese Aufgabe ungelöst.

Dann gab es ja noch diesen anderen Tabaxi, den Tappser letztens vor dem Seherzelt getroffen hatte. In der Affengasse wohnte dieser und unsere Gruppenkatze wollte diesem unbedingt noch vor unserem Aufbruch noch einen Besuch abstatten. Schliesslich traf man nicht jeden Tag einen anderen Tabaxi. Unterwegs besorgten wir uns noch einen grossen Sack Kartoffeln als Vorrat für die anstehende Reise.

Der Tabaxi begrüsste uns mit offenen Armen, besonders erfreut schien er über den Anblick von Tappser zu sein. Offenbar kannte er jemanden in Sundabar.
„Mein Cousin wohnte dort! Er ist aber vor einem halben Jahr gestorben, auf den Schlachtfeldern…“
„Was für Schlachtfelder?“
„Na der Krieg, der da oben tobt, nördlich von Sundabar. Die Stadt ist im Grunde die letzte Bastion, die Faerun vor den Orks schützt. Oben in den Glimmerwoods und jenseits davon. Seid vorsichtig, wenn ihr da hoch fahrt! Warum wollt ihr denn überhaupt dahin?“
„Das ist ne bekloppte Geschichte!“, antwortet ihm Tappser, „Wir haben den Ort von einer Wahrsagerin beschrieben bekommen. Wir sind neugierig.“
„Das ist ja interessant! Ich bin auch neugierig!“, erwiderte der Tabaxijunge und rückte näher zu Tappser. Dieser verstand in seiner Naivität wohl nicht genau, was der Junge von ihm wollte und unterhielt sich weiter angeregt mit ihm. Wir anderen wollten dem jungen Glück nicht im Wege stehen und verdrückten uns leise zum Nixhund, um den letzten Abend in Baldur’s Gate in Ruhe ausklingen zu lassen.

Der junge Tabaxi hiess Nehil, erzählte uns Tappser später. Die beiden unterhielten sich noch eine Weile. Tapps verstand nicht so ganz, warum der andere ihm immer näher kam, ihm Sardellenkuchen anbieten wollte und so vehement dagegen war, dass er nach Sundabar auszog. Schliesslich konnte er ihn überreden, den Rest des Abends mit uns im Nixhund zu verbringen, wo dann endlich der Groschen fiel.
Und Tappser brach ein Herz.
Der arme Nehil tat mir leid. Aber die Liebe war den beiden wohl nicht vergönnt.

Um Tappser, der ein echt total schlechtes Gewissen hatte etwas abzulenken, wollten wir uns von fahrenden Händlern anwerben lassen. Als Schutztruppe auf dem Weg in den Norden. Nach Sundabar.
In den hohen Hallen ist am späteren Nachmittag nicht mehr allzu viel los. Ein dicker Händler beauftragte uns aber tatsächlich mit einer Lieferung von Daggerfort nach Loudwater. Loudwater! Jippie!
Der Händler bietet uns dafür 2500 Gold und übergibt uns ein Schreiben für die Xunmer Handelsgesellschaft, für die die Lieferung war.

Nach ein paar allerletzten Besorgungen auf dem Markt begaben wir uns schliesslich wieder zum Flammenden Nixhund für unser wohl letztes Abendessen in Baldur’s Gate.
Danach begaben wir uns auf eines unserer Zimmer, um die unendlich tiefe Tasche umzustülpen. Das war anscheinend die einzige Möglichkeit herauszufinden, was da sonst noch so drinnen war. Und es war einiges:

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  • 3 Holzpflöcke,
  • 1 halbes Wagenrad,
  • 1 Goldnugget,
  • 2 Blechdosen,
  • 1 Unsichtbarkeitstrank,
  • 5 Fackeln,
  • 1 Bergkristallkette,
  • 6 Räucherstäbchen,
  • 1 Strohballen,
  • 1 Holzkeule,
  • 7 Ziegelsteine,
  • 1 50-Pfund Bleigewicht,
  • 1 Smaragdring,
  • 1 kleine Phiole Sand,
  • 2 Heiltränke,
  • 1 glitzernder Stein,
  • 2m Leinenstoff,
  • 1 Schlafsack,
  • 1 menschlicher Schädel,
  • 1 Beutel Fischschuppen,
  • 37 Münzen unbekannter Währung,
  • 5 Schneebälle,
  • 1 zerbrochener Speer,
  • 1 alter Teppich.

Alles brauchbare packten wir wieder ein und legten uns dann schlafen.

Bevor es am nächsten Tag losgehen konnte, wollten wir noch die Glitzersteinchen und uns nützlich erschienen Dinge Schätzen und identifizieren lassen. Der Juwelier aus dem Laden am Markt erkannte uns wieder und begrüsste uns wenig enthusiastisch.
Für jeden identifizierten Gegenstand zog er uns ein paar Gold aus der Tasche:
Die Kette war nicht verzaubert, die Holzkeule nicht magisch, der Smaragdring auch nicht, die Phiole mit Sand war magisch! Es war eine nimmerleere Phiole, wir hatten also so viel Sand dabei wie alle Wüsten der Welt und noch mehr in dieser einzigen kleinen Phiole! Wozu das noch nützlich werden könnte? Der glitzernde Stein war nicht magisch, der Schädel auch nicht, das Goldnugget nicht magisch, der Teppich nicht magisch, die Fischschuppen nicht magisch. Hmpf. Hatte sich ja nicht sehr gelohnt, diese Ausgabe.
Als der Juwelier aber hörte, dass wir die Stadt verliessen, wurde er hellhörig und versorgte uns noch mit einem Auftrag. Ein Schreiben sollten wir nach Daggerfort bringen für 50 Gold. Dafür überreichte auch er uns ein Schreiben mit Siegel und sagte uns noch, dass er diese Münzen unbekannter Währung auch noch nie gesehen hatte. Den Brief sollten wir zum Präfekten der Stadt bringen.
Wir fühlten uns etwas über den Tisch gezogen und waren von dem Tage an nicht mehr so gut auf den Juwelier aus Baldur’s Gate zu sprechen. Aber das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit.

Endlich brachen wir auf.
Ich fühlte mich sogleich unbeschwerter, als wir durch die Nordtore der Stadt gingen. Mehrere Tage lang waren wir schon unterwegs und nur ein paar Händlern begegnet. Bis Daggerfort sollten wir insgesamt vier Tage unterwegs sein.
In der Nähe der Boareskyr Bridge sahen wir eine alte Ruine. Es war ein alter Turm, hinter einer Böschung. Diesen wollten wir gerne auskundschaften.
Doch dort trafen wir auf zwei grosse kampfeslustige Minotauren, die uns direkt angriffen, sobald sie uns erblickten.

Bildquelle: https://namingthefishes.files.wordpress.com/2013/05/minotaur-1.jpg

Während des sehr nervenaufreibenden Kampfes stiess eines der Biester seinen Speer in Tara und sie verschwand auf der Stelle. HÄ?!?
Nachdem wir beide Minotauren besiegt hatten, verriet uns Cinar, dass er diesen Zauber kannte, mit dem der Speer belegt worden war. Tara war wohl nun im Speer versiegelt. Dieses Siegel musste gebrochen werden, oder wir würden sie nie wiedersehen! Doch war das natürlich nicht sehr einfach. Ein sehr erfahrener Magier musste dieses Siegel brechen.
WAS IST PASSIERT?!?!?? TARA!!!

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