Würfel
Rollenspiel,  Kurzgeschichten

Yara 18 – Putzen, patrouillieren, Pläne schmieden

In der Nacht hörte ich mal wieder unverständliches Flüstern. Kein Schlaf. Mal wieder. Ich schlurfte viel zu früh in die Gildenküche und machte für alle Frühstück. An Schlaf war ja eh nicht mehr zu denken.

Dann wollten wir heute Rüstungen putzen gehen. Als wir an der Adresse ankamen, standen wir vor einem grossen, steinernen Turm, der alle anderen Gebäude in der Umgebung um das Dreifache überragte. Tappser klopfte am grossen, hölzernen Tor an. Nach einem kurzen Moment wurde uns geöffnet. Ein Zwerg mit blondem Haar und einem zwirbeligen, gut gepflegten Bart stand in der Tür. Er sah sehr oberschichtig aus, auch von seiner Haltung her. Er stellte sich uns als Cornelius Vitalis vor und hiess uns eintreten.
Unmengen von Rüstungen standen überall herum. Der Zwerg schien ein Sammler zu sein. Er hatte einen Cousin in Adbar, erzählte er uns, ein begnadeter Schmied. Die Rüstungen waren alle solide Plattenrüstungen, jedoch sahen sie einander ähnlicher als gedacht. Für eine Sammlung. Sie unterschieden sich einzig in der Farbe ganz leicht voneinander. Der Zwerg ging in den Keller und kam mit drei Eimern, Lappen, Waffen- und Rüstungsöle zurück. Alles, was wir zum Putzen brauchten.

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Also machten wir uns an die Arbeit. Erst guckte sich der Zwerg das ganze kurz an, nickte zufrieden und verzog sich dann in ein oberes Stockwerk. Er hatte wohl noch zwei weitere Stockwerke voll mit Rüstungen, diese habe er allerdings schon geputzt.
Plötzlich wurde ich von der Rüstung umarmt, die ich gerade am putzen war. Hilfe!
Cinar kam auch schnell und befreite mich. Sie hatte sich bewegt! Wir schauten rein, doch die Rüstung war leer.
Auf einmal drehten sich Tappser und Cinar gleichzeitig um. Da stand noch eine Rüstung, direkt hinter ihnen! Cinar klopfte an die ebenfalls leere Rüstung. Hm.
Ich sandte meine magischen Fühler aus und spürte, dass alle Rüstungen magisch waren.
„Herr Vitalis!“, rief ich.
Wir hörten ein Schlurfen.
„Wäre es möglich, dass ihre Rüstungen sich manchmal von selbst bewegen?“, fragte Cinar.
„Ach, nicht schon wieder – ja, eventuell bewegen sie sich manchmal. Ich nehm die mal mit. Danke für die Aufmerksamkeit. Manchmal haben sie ein gewisses Eigenleben, ich kanns schon verstehen, ist nicht gerade das Spannendste, hier das ganze Jahr herumzustehen.
Wo wir gerade dabei sind – vielleicht könnte ich ihre HIlfe in einer anderen Angelegenheit gebrauchen. Eventuell ist mir eine Rüstung entlaufen. Sie hält sich immer für was Besseres, obwohl sie eigentlich eine ganz normale Eisenrüstung ist.
Jede meiner Rüstungen hat einen Namen und einen individuellen Charakter. Ich nehme mal an, dass sie mal wieder versucht, mit Ebenerzrüstungen zu kommunizieren. Könnte sein, dass sie in Sundabar bei den Schmieden ist. Sie versteht einfach nicht, dass nicht jede Rüstung so einzigartig ist, wie sie.“
Na, dann wollten wir erst mal die Putzarbeit beenden, bevor wir die einzigartige Rüstung suchen gingen. Jetzt da wir vom Leben in den Rüstungen wussten, versuchten wir sie zu kitzeln und ihnen Komplimente zu machen. Doch keine reagierte auf unsere Avancen. Gegen Mittag wurden wir fertig mit dem Putzen.

„Die entlaufene Rüstung ist eine Zwergenrüstung und heisst Caden. Er is etwas sensibel und überheblich. Vielleicht könntet ihr ihn überreden, wieder mitzukommen. Ansonsten könnt ihr ihn auch einfach einpacken, er ist ja schliesslich bloss eine Rüstung.“
Wunderlicher Zwerg. Wieso machte er sich die Mühe, seine Rüstungen mit künstlichen Seelen auszustatten, wenn er sie dann doch nur rumstehen liess?
Cornelius hatte an der Magierakademie extra einen Zauber geschaffen, der künstliche Seelen erschuf, erzählte er uns. Diese Seelen hatte er an die Rüstungen geknüpft. Sogar seine Abschlussarbeit hatte er darüber geschrieben und seither entwickelte er ihn immer weiter. War wohl sein Lebenswerk.

Wir sahen auf unserer Stadtkarte nach und begaben uns erstmal zu Lokis Schmiede im Osten der Stadt. Von weitem konnte man das Hämmern hören. In der grossen Halle sass ein Zwerg, der gerade eine ordentilch belegte Stulle ass.
„Womit ist die denn belegt?“, wollte ich wissen.
„Mit der besten Fleischwurst, dick belegt“, brummte der Schmied und hielt mir das Brot hin. Ich lehnte dankend ab, versuchte, mir meinen Ekel nicht anmerken zu lassen. Leichen essen. Das würde ich nie verstehen.
Cinar schaute sich die Rüstungen an, doch es standen nur Eisenrüstungen hier.
„Die Ebenerzrüstungen sind in der Everforge in Untersundabar“, erklärte uns der mampfende Zwerg.
Komisch, da waren wir nun schon ein paar Tage hier und hatten noch nichts davon gehört, dass es hier einen Zugang zum Underdark gab. Vom Underdark hatte ich schon mal gehört! Das war so eine Unterwelt unter Faerún, von vielen gefährlichen und bösen Wesen bevölkert. Und hier in Sundabar gab es wohl einen Zugang dazu.
Dann wollten wir uns das mal anschauen gehen.
„Einfach die Treppe in der Meisterhalle runtergehen“, riet uns der Schmied.

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Die Treppe war einfach zu finden. Schwiegend gingen wir hinunter und kamen an den Eingang zu einer in den Stein gehauenen Halle. Über dem Tor hing ein grosser Schriftzug: Everfire. Hm, da könnte die Everforge sein. Wir betraten also die Halle. Auf Schritt und Tritt wurden wir von schwer gerüsteten Zwergen beobachtet. War ja schliesslich gefährliches Pflaster hier unten. Nach der Eingangshalle kamen wir in eine riesige Höhle mit einem Lavasee in der Mitte. In diesem See war sogar eine kleine Schmiede auf einer Insel. Boah, war das warm hier. Die Schmiede in der Mitte schien unerreichbar. Die erste Zwergenwache verriet uns, dass in den einzelnen Lavakammern auch Schmiede arbeiten würden. Auch Rüstungen und andere Werkstücke würden dort stehen.
In der ersten Kammer war keine Eisenrüstung dabei. Es standen aber viele Mithril- und Ebenerzrüstungen herum, wir waren also definitiv am richtigen Ort.
In der zweiten Kammer gab es nur grosse Bauteile. Schliesslich, in der dritten Kammer standen ausschliesslich schwarze Rüstungen. Bis auf eine. Eine Eisenrüstung. Geschmiedet wie die, die Herr Vitalis sie sammelte. Auf Zureden reagierte sie nicht, also steckten wir sie kurzerhand in unsere unendliche Tasche und verliessen die Everforge wieder. Irgendwas störte hier unten total meine gute Laune und liess mich mich misstrauisch immer wieder umsehen.

Zurück bei Cornelius Vitalis holte Tappser Caden wieder aus der Tasche raus. Es war tatsächlich die entlaufene Rüstung. Der Zwerg bedankte sich.
Hilda platzierte einen weiteren Stempel in unsere Abenteurerpässe. Nur noch eine Aufgabe dann konnten wir mit den Schildsternen mitreisen!

Banditenlager:
Rang: B
Auftraggeber: Zitadelle Sundabar
Bezahlung: 600 Gold
Beschreibung: Nordöstlich der Stadt wurde das Lager von Räubern erspäht, die bereits seit einigen Wochen Unfug in der Region treiben. Da ihr Aufenthalt nun bekannt ist, können wir uns der Sache annehmen. Die Räuber müssen von hier vertrieben werden. Alternativ wäre es natürlich auch denkbar, dass sie sich uns Menschen und Zwergen anschließen. Wir können noch immer jede helfende Hand in diesem Krieg gebrauchen.

Diesem Auftrag wollten wir uns als nächstes widmen.
Abseits des Wegs, ein einem dichten Teil des im Text beschriebenen Waldes, fanden wir Hinweise auf dieses Räuberlager. Ein Trampelpfad führte in den Wald hinein. Nach kurzer Zeit standen wir dann vor dem versteckten Eingang des Lagers. Zwei Banditen standen an einem Tisch.
Bevor wir unser Vorgehen besprechen konnten, gab Tappser Cinar einen Schneeball aus unserer endlosen Tasche, der ihn nach einem der Banditen wirft. Diese sahen einander verdutzt an und einer verschwand aus unserem Blickfeld nach hinten.
Tappser griff den anderen an, schlug ihn bewusstlos und schleifte ihn ins Gebüsch.
Nach wenigen Minuten lagen auch die anderen fünf Diebe inklusive Anführer ausgeknockt vor uns. Den Anführer weckten wir irgendwie wieder auf und schafften es sogar, ihn zu überreden, sich zumindest in der grossen Halle zu melden und für sich und seine Gefährten Abenteurerpässe zu erstellen. Sie mussten sich geläutert zeigen und bereit, die Stadt Sundabar zu unterstützen, bevor ihnen irgendwer vertrauen konnte.
Nunja, zwei der Räuber waren immerhin mit unserem Plan einverstanden, die wieder bei Bewusstsein waren.
Wir schleppten auch die noch bewusstlosen Räuber nach Sundabar, in unsere Gildenhalle und steckten sie in die Zellen. Nachdem alle wieder aufgewacht waren (mit ordentlichem Brummschädel), konnten wir auch die übrigen überreden, sich zumindest erst als Abenteurer zu beweisen.

Hilda war sehr überrascht, dass wir es geschafft hatten, die Banditen zum Anschluss an die Armee zu überreden.
„Nicht ganz…sie wollten sich zuerst der Stadtwache anschliessen“, entgegneten wir.
„Nein, nein, das geht nicht, wer würde den Räubern denn die Sicherheit der Stadt anvertrauen? Sie müssen sich zumindest zuerst als Abenteurer beweisen und im Rang hochsteigen.“
Damit waren alle einverstanden. Ich überreichte Hilda noch das Fläschchen mit dem Trollfett, für die Bartpflege.
„Ui, das riecht aber ganz schön streng!“
Hm, das war natürlich ein Problem…
„Nun, du kannst es ja mit Kräutern oder Bier mischen!“, war meine Idee.
„Oh ja, das ist bestimmt keine schlechte Idee – mit Bier vermischen! Das riecht auf jeden Fall gut und wirkt sicher auch anziehend auf die anderen Zwerge!“
Oh, darüber musste sie mir bei unserer nächsten Begegnung alles erzählen!

Nun war es schon relaitv spät und wir zogen uns vorerst ohne neue Aufgabe zurück in die Gildenhalle. Nehil mussten wir natürlich von unseren Abenteuern erzählen und er hing gebannt an Tappsers Lippen. Nach einem reichhaltigen Abendessen liessen wir den Tag dann in unserer Halle ausklingen.
Nacht. Flüstern. Stimmen. Kein Schlaf. Doch diesmal war etwas anders. Ein ganz leises Säuseln konnte ich sogar verstehen! Es warnte: „Patrouille in Gefahr!“
Erst erschrak ich doch dann schlief ich tatsächlich ein und hatte seit Tagen meine erste geruhsame Nacht, nach der ich erfrischt und ausgeschlafen aber mit einer bösen Vorahnung aufwachte.

Patrouillenunterstützung:
Rang: C
Auftraggeber: Zitadelle Sundabar
Bezahlung: 30 Gold pro Tag / 80 Gold pro Nacht
Beschreibung: Leistet euren Dienst für Sundabar! Unterstützt die Steinschilde bei der Sicherung des Umlandes und begleitet sie auf Patrouille. Oder bemannt die Mauern und Tore, schaut in die Ferne und erblickt als erstes die Gefahren.

War diese Patrouille damit gemeint?
Ich unterbreitete meinen Freunden den Vorschlag beim Frühstück, das an dem Tag Cinar netterweise gemacht hatte (ich hatte verschlafen). Einen Versuch war es wert.
Am Vortag hatte Tappser auf dem Markt einen einfachen Holzbriefkasten gekauft und neben unseren Hintereingang aufgestellt. Heute war dort tatsächlich eine Nachricht drin:

Mitral Hall ist Gefallen!
Die Schildsterne ziehen morgen beim Morgengrauen los!

Owehowehowehowehoweh! Das waren überhaupt keine guten Nachrichten.
So wollten wir den Tag nicht tatenlos verbringen und beschlossen, uns an dem Tag den Patrouillen anzuschliessen. Nehil und seine Tante Tapsi waren wohl bei uns in der Gildenhalle am sichersten aufgehoben, also luden wir dei beiden ein, bei uns einzuziehen. Wenn der Krieg jeden Tag vor Sundabars Toren ankommen konnte.
Hilda drängte uns sehr zur Eile, da wir die Patrouille schon verpasst hatten, sie würden sich schon auf dem Weg ausserhalb der Stadt sein. Und tatsächlich fanden wir sie gerade so noch ausserhalb der Tore. Der Trupp freute sich jedoch immer über Unterstützung.
Der Patrouillenführer glaubt tatsächlich unseren Warnungen meiner Vorahnungen wegen. Solchen Zeichen müsse man auf jeden Fall Beachtung schenken. Lieber besonders auf der Hut sein, als überrascht zu werden, dachte auch ich mir.
Um die Mittagszeit rasteten wir etwas abseits des Wegs. Wir unterhielten uns mit dem Kommandanten und erfuhren von einem alten Zwist zwischen Herrn Vitalis, dem Rüstensammler, und der Wachtklinge. Ich erzählte dem Kommandanten, was wir hier in Sundabar schon alles erlebt und gesehen hatten. Er war sehr beeindruckt, dass wir in nur wenigen Tagen so viel erreicht hatten und umso froher, dass wir die Truppe noch gefunden hatten, bevor sie ausser Sichtweite der Stadt gewesen waren.

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Nach der Mittagsrast machten wir uns wieder langsam in einem Bogen auf den Rückweg nach Sundabar. Was wir davor alles bergab gegangen waren, mussten wir nun auch wieder erklimmen. Tappser frohen Mutes voraus.
Als er um eine Ecke über einen kleinen Überhang linste, spürte er plötzlich eine Klinge in seinem Fell. Ein Hinterhalt. Das war so klar gewesen!
Auf dem Überhang und hinter einer kleinen Mauer hatten sich ein Drow Assassine und sechs Orks auf die Lauer gelegt. Der Drow machte etwas, was ich von meiner Warte weiter hinten nicht genau erkennen konnte. Ich sah nur, dass es Tappser und ein Kurzschwert beinhaltete und der Tabaxi auf der Stelle bewusstlos umfiel. Ich rannte schnell in Reichweite und konnte ihn zumindest ein wenig heilen.
Die Patrouille und wir machten uns zum Kampf fertig, als mir plötzlich auffiel, dass die Orks schon verletzt zu sein schienen. Dass ich dieses kleine Detail meinen Gefährten zurief, gefiel dem Assassinen wohl überhaupt nicht und plötzlich steckten mir mehrere Pfeile im Fleisch. Vor lauter Schreck machte ich mich sofort unsichtbar.
Mehrere Wachen und der Kommandant der Patrouille kämpften mit dem Drow und gegen die ihn begleinden Orks. Zwei Wachen starben. Orks starben.
Ich heilte meine Verbündeten so gut es ging und wurde dann wieder sichtbar. Cinar hackte schliesslich dem Drow den Kopf ab, der in den Abgrund hinunterfiel. Auch die anderen Orks waren nach einer Weile besiegt.
Mir fiel der Diamant wieder ein, den Tappser mit viel Mühe besorgt hatte. Sollte ich ihn für eine der Wachen einsetzen? Ach, warum hatte ich nicht noch einen gekauft, solange wir nicht in so einer abgelegenen Gegend waren? Jedes Leben war es wert, gerettet zu werden! Der Kommandant warf schweren Herzens eine Münze und zeigte auf eine der Leichen. Ich belebte die Wache wieder.

Trotz allem waren die Orks relativ leicht zu besiegen gewesen. Gegen wen oder was hatten sie um Mielikkis Willen schon gekämpft? Verhiess dies Gutes oder Schlechtes für uns?
Auf dem Rückweg nach Sundabar fanden wir tatsächlich abseits der Büsche eine Art Trampelpfad, der noch nicht so alt zu sein schien. Wir folgten dem Weg udn kamen zu einem Holzfällerhäuschen im Wald. Überall waren Kampfspuren zu sehen. Es würde wohl in der nächsten Zeit kein Holz von hier nach Sundabar kommen. Warum? War die Orkgruppe ein kleiner Störtrupp gewesen, um den Nachschub nach Sundabar zu unterbrechen? Noch schlimmer: war Mithral Hall nur ein Ablenkungsmanöver, um nach Sundabar zu ziehen? Vielleicht war die Orkarmee, die wir gesehen hatten diejenige, die gen Mithral Hall gezogen war. Über die Motive und Taktiken der Orks konnten wir nur rätseln. Offenbar wollten sie aber hier alles zerstören und den Nachschub an Ressourcen nach Sundabar unterbinden.
Wir schwärmten aus, um nach Überlebenden zu suchen. Im Lager war sogar noch einer…einer der geläuterten Räuber vom Vortag…
Das Schicksal war doch ein mieser Verräter!

Abgeschlagen aber lebend kamen wir nach Sundabar zurück. Später sollten wir nochmal bei der Kaserne vorbeischauen, der Kommandant wollte uns den Diamanten ersetzen.
Hilda machte uns keine grossen Hoffnungen, einen Diamanten zu finden. Die Stadt hatte alle mit Vorverkaufsrecht aufgekauft. Wohl für die sundabar’schen Kleriker.
Trotzdem suchten wir den Markt auf, nachdem wir uns in der Gildenhalel aufgefrischt hatten. Auf dem Markt gab es tatsächlich noch einen Juwelier, der allerdings nur noch einen kleinen Rubin im Schaufenster zu liegen hatte.
Cinar betrat den Laden und sprach den Händler an. Dieser verhandelte zäh, doch er verkaufte ihm noch einen Diamanten, der eigentlich für die Stadt gedacht war. Cinar steckte mir den Stein zu. Heimlich konnte ich ihm die 300 Gold in die Tasche stopfen, die ich dachte, die Cinar dafür ausgegeben hatte. Er bemerkte nichts, schwieg sich aber auch über den Preis, den er dafür bezahlt hatte aus.

Bei der Kaserne wurde uns gesagt, dass Herr Tristan Lubin mit uns sprechen wollte! Was für ein erhabener Moment!
Herr Lubin sass im im Speisesaal an der langen Tafel. Er stellte sich uns vor und wollte nochmals unseren Bericht von den Geschehnissen des Tages hören. Zum Dank für den wiederbelebten Soldaten schenkt er uns einen Beutel, in dem sich drei grössere Heiltränke und ein Diamant befinden! Wow!
„Wenn es sich wirklich um einen Sabotageakt handelt, weiss ich nicht, ob wir die Stadt morgen wirklich verlassen sollten“, sinnierte er.
Wir diskutierten über die verschiedenen Motive der Orks und unser Möglichkeiten.
Ich war aber zu neugierig und fragte Herrn Lubin nach dem Schwert. Er gab es mir tatsächlich in die Hand! Wow! Die Gravur seines Vaters war immer noch wunderschön, wie am ersten Tag, als wir es ihm aufs Bett gelegt hatten. „Ach, Johann“, seufzte ich. Er hatte sich für seinen Sohn geopfert. Tristan stutzte. Er hatte mich gehört. Doch schnell kam Tappser zur Rettung und tischte ihm eine Geschichte davon auf, dass wir Zuflucht in einer verlassenen Hütte in den Bergen gesucht und dabei den Grabstein gefunden hätten.
Doch was sollten wir und die Schildsterne als nächstes tun? Nesmé könnte das nächste Ziel der Orks sein, wenn dieser Ort nämlich fallen sollte, wäre der Weg in die ungeschützten Nordlande frei für die Orks. Doch der Trupp heute hatte uns stutzig gemacht, vielleicht war doch auch Sundabar ein nächstes Ziel?
Es gab mehrere Kommunikationsmöglichkeiten. Kleriker könnten einander gedanklich Botschaften übertragen, über unsere Gildenhalle, deren Hintereingang ja hier in Sundabar stand, war eine direkte Verbindung möglich, theoretisch konnten wir auch wenige Leute zurückschicken oder Kleriker darüber nachholen. Also beschlossen wir schliesslich, uns am nächsten Morgen der Armee anzuschliessen und mit abzurücken. Die Steinschilde blieben immer noch in der Stadt, um sie zu beschützen.

Wir verbrachten unsere letzte Nacht in Sundabar wieder in der Gildenhalle. Wieder hörte ich ein Flüstern, konnte diesmal allerdings nur ein Wort verstehen: „Späher!“ Danach schlief ich wieder die Nacht durch und erwachte erholt zum Frühstück.

Vor den Toren berichtete ich Tristan von meinen nächtlichen Vorahnungen. Er beschloss, Späher nach Norden und Osten zu schicken, nicht dass Sundabar aus einer nicht erwarteten Richtung angegriffen werden würde.
Pünktlich kurz vor Sonnenaufgang rückte die grosse Armee aus. Wir kamen auch an der Weggabelung vorbei, wo wir die riesige Orkarmee haben abziehen sehen.
Mehrere Tage waren wir unterwegs, während derer sich die Späher regelmässig meldeten. Sowohl in den Glimmerwäldern, als auch von den Spähern aus anderen Gegenden kamen keine schlechten Nachrichten. Ausserdem konnte ich ganz gut schlafen in den paar Nächten in der Wildnis draussen.
Nach vier Tagen Marsch machten wir in Silverymoon einen Zwischenhalt, um nochmal die Vorräte aufzufüllen. Dort war alles friedlich, nur die Stadtwache war sehr verstärkt unterwegs. Sie waren darauf vorbereitet, jederzeit zur nächsten Frontstadt des Krieges zu werden.

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Nach weiteren anderthalb Tagen erreichten wir die Felder vor Nesmé. Die Armee fing an, ein befestigtes Lager aufzustellen. Nach Nesmé gab es erst mal keinen Weg rein, eine riesige Orkarmee belagerte die Stadt und kontrollierte alle Wege und Zugänge darum herum.
Plötzlich kam aus der Luft ein Schrei! Ein Greif! Eine kriegerisch anmutende Frau in voller Rüstung stieg ab. Cinar und Tappser konnten das Zeichen von Waterdeep auf ihrer Rüstung erkennen.
Die Frau besprache sich mit Tristan. In Mithral Hall hatten viele überlebt, die sich nach Nesmé zurückziehen hatten können. Auch die Helden Drizzt Do’Urden udn Bruenor Battlehammer. Sie war eine der letzten beiden Greifenreiter, die noch in der Region waren. Auch sie war eine Späherin. Sie sahen sich zusammen die Kriegskarte um Nesmé an. Das Frontlager der Orks lag direkt nördlich der Stadt, hinter einem kleinen Wäldchen. Jede Strass im Umkreis wurde von Orks blockiert. In Nesmé gab es momentan kein rein und kein Rauskommen. Trotzdem mussten wir da irgendwie rein, denn die Kornspeicher hatten die Orks mittels Brandgeschossen niedergebrannt. Die Stadt hungerte seit zwei Tagen.
Deshalb schmiedete Tristan mit seinen Generälen, der Greifenreiterin und uns einen Plan. Wir wollten möglichst die östlichen Strassen von Orks befreien, um den Weg nach Süden für Nachschub und Vorräte frei zu machen.
Im gesamten Krieg waren etwa zehntausend Orks im Einsatz, gegenüber knapp zweitausend Schildsternen und tausend Überlebenden aus Mitrhal Hall. Unterstützung aus Neverwinter und Loudwater liess noch einige Zeit auf sich warten, falls aus Loudwater überhaupt jemand kommen würde. Wir mussten also in der Zwischenzeit eine Frontlinie aufbauen, die wir verteidigen konnten. So lange wie möglich.
Nach langen Abwägungen bis tief in die Nacht hinein hatten wir einen Plan: Unsere Gruppe würde irgendwie die Stadt erreichen müssen, dann würde sich die Armee zurückfallen lassen, als ob sie eingeschüchtert wären oder sich zurückziehen müssten. In der Stadt konnten wir das Portal zur Gildenhalle aufmachen und innerhalb weniger Stunden genügend Vorräte aus Sundabar nach Nesmé schleusen, dass die Stadt nicht verhungerte.
Noch vor Sonnenaufgang sollte unsere Aktion starten. Und unsere Mitwirkung im Krieg war beschlossen.

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