Würfel
Rollenspiel,  Kurzgeschichten

Yara 4 – die Weissagungen

Neuer Tag neues Glück, wir sassen gemütlich beim Frühstück und feierten unseren Sieg über die Tierschmugglerbande. Endlich ein wenig Ruhe. Immerhin für fünf Minuten. Bis der Wirt auf uns zukam: „Ich habe eine Nachricht für euch. Ein Abgesandter des Wachtkommissars war gerade hier, die scheinen eine Aufgabe für euch zu haben.“
Wir beendeten unser Frühstück und machten uns also auf.
Uns fiel auf, dass vor dem Nixhund ein interessanter neuer Auftrag am schwarzen Brett hing:

Kopfgeld: enttarntes Assassinenpaar
Die Straßen von Baldur’s Gate werden immer gefährlicher. Jüngst wurden die geheimen Anführer eines seit längerem agierenden Assasinenbundes offenbart. Nun da ihre Tarnung als normale Bürger aufgedeckt wurde, muss gehandelt werden, bevor sie es mitbekommen und entwischen können. Das Assassinenpaar lebt in der Wachtstraße 31. Zusammen sind sie für knapp 100 Morde verantwortlich. Sie gelten als besonders gefährlich im offenen Kampf und höchstgradig manipulativ. Sie mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen, könnte die beste Taktik sein. Für ihre Taten bildet nur der Tod die gerechte Strafe. Auf die beiden Köpfe werden je 1500 Gold ausgeschrieben.
Die Belohnung kann in der Julianosstraße 7 eingefordert werden.

Tappser machte ein Freudentänzchen.
Auf dem Weg zur Wachtzitadelle wollten wir noch einen Zwischenstopp auf dem Markt machen. Und da Madame Lehmuf auch auf dem Weg lag, konnten wir ihr auch nochmals einen Besuch abstatten und nachfragen, was sie von dort brauchte. Gesagt, getan.
Ihre Einkaufsliste: 1 Beutel Mumienasche, 1 Päckchen getrocknete Kirschblüten, 1 Beutel Graberde, Sack Kartoffeln, 2 Ziegenlenden. Das waren ja mal interessante Zutaten.

Bild von Pablo Dominguez auf artstation.com

Auf dem Markt herrschte wie immer reges Treiben. Der Sack Kartoffeln und die Ziegenlenden waren schnell besorgt. Im Alchemieladen wollten wir die restlichen Zutaten besorgen, als ich plötzlich einen Ghul in der Nähe spürte.
Draussen.
Er stand gerade an einem anderen Stand und wollte Baumaterial kaufen. Es entsteht eine rege Diskussion zwischen uns, was wir mit dem Ghul machen sollten. Schlussendlich sprach Tappser ihn an, was aber nicht wirklich fruchtete. Offensichtlich wollte der Typ irgendwelche Steine kaufen. Der Händler war allerdings auch nicht sehr erfreut, als Tappser dem Ghul andere Steine anbieten wollte. War wohl nicht die beste Taktik, um mit dem Untoten in eine dunkle Ecke zu verschwinden.
Cinar ging daraufhin zur nächsten Wache: „Guten Tag, wir wüssten zufällig, dass da auf dem Marktplatz sich ein Ghul aufhält.“Was die Wachen allerdings auch nicht beeindruckte: „Ich schlage vor, ihn in Ruhe zu lassen. man kann eine Stadt ja auch nicht rattenfrei kriegen. Wir legen Wert darauf, mit ihnen zusammen zu existieren. Schliesslich wissen wir nicht, wieviele Ghule in der Stadt sonst noch sind und wir wollen keinen Bürgerkrieg anzetteln.“
Na toll. Wir mussten das also wieder selbst in die Hand nehmen.

Tappser verfolgte den Ghul unauffällig, wir hinterher. Der Ghul verliess den Markt in Richtung Hafen. Bei einer Ansammlung kleinerer Häuser bog er in einer Gasse ein und verschwand im Inneren eines Hauses. Ich streckte meine übersinnlichen Fühler wieder aus. In dem Haus hielt sich aber nur eine untote Person auf. Egal, ein Ghul weniger. Tappser klopfte an die Tür. Der Ghul erkannte Tappser als die Person vom Markt wieder.
„Was wollt ihr denn von mir? Habt ihr mich verfolgt? Ich habe kein Interesse an euren Steinen“
„Wir lassen Ghule nur ungern in Ruhe. Eigentlich wollten wir erst mal mit euch reden“, entgegnete Tappser.
Der Ghul hatte wohl Lunte gerochen und versuchte, über die Hintertür des Hauses zu entschwinden. Wir umzingelten in etwas ungeschickt, konnten ihn aber gefangennehmen und in die Wachtzitadelle abführen.
Auf der Strasse begegneten uns ein paar Wachen, die wir sogar noch überreden konnten, das Haus des Ghuls zu durchsuchen.

In der Wachtzitadelle endlich angekommen (Madame Lehmuf hatten wir in dem ganzen Trubel total vergessen) war der Elfenkommissar unglücklicherweise nicht sehr erfreut über unser Handeln.
„Wir möchten doch keinen Bürgerkrieg anzetteln! Ghule werden wir eh nie wirklich ausrotten können und wir als offizielle Vertretung der Stadt können da nicht viel machen. Wenn ihr aber den ein oder anderen Ghul… sagen wir… verschwinden lasst, sind wir nicht böse.“
Wir mussten also den Ghul wohl oder übel wieder laufen lassen. Wenn wir aber gerade schon da waren, konnten wir auch nach der Aufgabe fragen, von der der Wirt uns erzählt hatte.
„Eine Seherin ist neu in der Stadt. wir möchten herausfinden, ob sie wirklich eine Seherin ist. Sie hat ihr Gewerbe nicht offiziell angemeldet. Das würden wir gern überprüfen. Sie könnte auch eine Hochstaplerin sein, die sich Madame Erie nennt und den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Nicht weit von hier ist ein Park, dessen Pavillion sie in ihr Seherzelt umgewandelt hat. Als Belohnung erhaltet ihr alle eure Unkosten zurück und dazu 200 Gold Lohn.“
Das war immerhin etwas zu tun.

Nach dieser Eskapade entschieden wir uns, doch nochmal zurück zum Markt zu gehen und unsere Einkäufe für Madame Lehmuf erst einmal zu erledigen. Dann konnten wir immer noch die Seherin kontrollieren gehen. Eine Aufgabe nach der anderen. Im Alchemistenladen fanden wir tatsächlich alle anderen Besorgungen für Frau Lehmuf. Die Zutaten seien aber viel zu teuer, meinte Cinar.
„Der Preis kann aber nicht runter, da seit mehreren Wochen keine Lieferung mehr kommt, der Hafen kann nicht angefahren werden, durch das Seeungeheuer. Die Preise von allem verdoppeln sich“,  jammerte der Händler.
Noch eine Aufgabe, der wir uns widmen konnten. Mensch, wir hatten langsam wirklich viel zu tun! Gab es keine andere Heldentruppen hier in Baldur’s Gate, die sich wenigstens des Seeungeheuers annehmen konnten? Ich wollte eigentlich nicht unbedingt ein majestätisches Geschöpf töten müssen, auch wenn es so viele Schwierigkeiten machte…

Zurück bei Madame Lehmuf lieferten wir alles ab und holten unsere Belohnungstränke ab. Wir entschieden uns alle für einen Heiltrank. Die hatten uns ja schon einige Male den Hintern gerettet.

Photo by Michael Dziedzic on Unsplash

Danach ging es weiter zur Wahrsagerin in den Park. Endlich mal Grün zwischen all dem Grau und Braun und Schwarz der Stadt. Das Zelt sah sehr mystisch aus mit dunklen Corhängen und einem Preisschild. „50 Gold für einen Blick in die Zukunft“, stand darauf, „100 für einen Blick auf etwas anderes.“ Wow. Nicht gerade für jeden erschwinglich.
Wir betraten das Zelt. Zu viert war das allerdings etwas eng. Und es war relativ dunkel. An den Wänden standen viele Regale mit allem möglichen Krimskrams drin. Die ältere Dame, die wohl Hellseherin war, sass an einem Tisch mit einer Kristallkugel darauf. Ein einzelner leerer Stuhl befand sich am anderen Ende des kleinen Tisches.
„Guten Tag Madame Erie, wir würden gerne einen Blick in die Zukunft als Gruppe erhaschen“, sagte ich.
„Ich kann mich nur auf eine Zukunft für eine Person konzentrieren“, gibt sie zur Antwort.
Cinar setzte sich auf den Stuhl und liess sich von ihr die Zukunft vorhersagen, nachdem er ihr ein paar Fragen beantwortet hatte:


„Ich sehe ein Dorf mit Zivilisten und bewaffnete Krieger. Es sind Untote. Sie bringen einen Wagen in die Stadt mit einem Käfig darauf. Es sind Menschen darin gefangen. Ein gigantisches Schloss von bizarrer Form. Ich spüre die Anwesenheit von Tod und Chaos. In der Ferne unendliche schwarze Abgründe. Oh Gott“ sie schreckte hoch, „ich sah einen Lich! Er hat mich wahrgenommen!“

Und damit endete sie ihre Weissagung für Cinar.

Ich fragte sie, ob sie weiss, dass sie ihr Gewerbe anmelden muss. Die Steuern seien ihr zu hoch. Wir wiesen sie trotzdem darauf hin, dass sie sich strafbar machte und die Strafe teurer wäre, als die Steuern. Sie liess sich darauf ein und versprach am Nachmittag ihr Gewerbe anzumelden.

Auch Tara liess sich ihre Zukunft vorhersagen. Nach ein paar beantworteten Fragen orakelt Madame Erie:

„Ich sehe Schwärze, ein dunkler Schleier umhüllt das Gebiet. Ich sehe euch und den schwarzen Mann, nicht klar erkennbar. Er legt eine Hand auf euren Kopf. Starke energien gehen auf euch über. Eine unendliche Wüste. Auf einer hohen Düne steht eine mächtige Magierin. Ihr seid es erneut! Ich höre einen Schrei. Der schrei eines Drachen und in der Ferne sehe ich eine Pyramide. Hinter euch kommen euch drei Gefährten entgegen, Aber meine Sicht verschwimmt…“

Ich war nun auch neugierig und setzte mich als nächste zu ihr hin. Nachdem ich der Seherin die gleichen Fragen beantwortet hatte, wie meine Vorgänger, sprach sie:

„Ich befinde mich in einem Wald mit dichter Vegetation. Eine kleine Lichtung und ein Einhorn. Es grast, doch dann schreckt es auf. Ich folge ihm vorsichtig hinauf in die Berge, karge Vegetation. Der Stein ist zu sehen. Oben auf dem Berg schaut das Einhorn hinunter ins Tal doch es ist in völlige Dunkelheit gehüllt. Voraus die ewige Finsternis. Aus dem Dunstschleier ragt ein Ziegelturm mit goldenem Phönix auf seiner Spitze. Durch die schwarzen Wolken zucken Blitze. ich spüre die Angst des Tieres. Seine Augen sind fixiert auf die Dunkelheit. Meine Sicht verschwimmt….“

Nachdem auch Tappser sich hingesetzt und ihre Fragen beantwortet hatte, sah sie ein letztes Mal für uns in die Zukunft:

„Ich bin über einer Stadt, durch eines der Viertel zieht sich ein Graben. Viele zerstörte Häuser. Kalter Wind. Schneefall setzt ein. In der Ferne sehe ich ein riesiges Gemäuer. Ich gehe hinein und sehe viele Gelehrte in Roben. Überall Bücher in unzähligen Hallen. Um eine Ecke kommt mir ein Zwerg entgegen und verschwindet in einem Raum. Genau der gleiche Zwerg am Graben, mit Kletterausrüstung. In der Ferne seid ihr, ihr sprintet auf den Zwerg zu, doch meine Sicht verschwimmt…“

Tappser war ganz aufgeregt. „Hatte der Zwerg eine Waffe? Eine Art Lanze dabei?“
„Ach ja, in der Tat, ich erinnere mich, dass er so eine lange Waffe bei sich trug“, ergänzte Madame Erie.
Daran hatte die Flauschekatze wohl zu knabbern und wurde ganz ruhig.

Wir berichteten – zurück in der Zitadelle – von der Wahrsagerin, dass sie einen relativ authentischen Eindruck auf uns gemacht hatte. Wir fragten auch nach der Belohnung des letzten Auftrags, der Schmugglerbande und erhielten endlich unsere 600 Gold und die Rückzahlung der Wahrsagekosten. Ganz sicher, ob die Wahrsagerin jetzt eine Hochstaplerin ist, waren wir uns jedoch nicht. Wenn es eine Wahrsagung gäbe, die wir überprüfen könnten… Daran hatten wir wohl im Banne Madame Eries mystischen Gleichnissen nicht gedacht.

Nächster Stopp: Hafen! Vielleicht liess sich ja dort eine der Wahrsagungen überprüfen. Und gleich noch eine andere Aufgabe erledigen, die wir seit unserem ersten Kennenlernen vor dem schwarzen Brett schändlichst missachtet hatten:

Ungeheuer vor der Küste
Die Fischer können nicht mehr auf die See fahren. Sie berichten von einem gigantischen Ungeheuer jenseits des Hafenbeckens, welches ihre Schiffe aus allen Richtungen angreift. Auf dem Fischmarkt stellt die Zunft der Fischer einen Trupp zusammen, der sich dieser Bedrohung annimmt. Für jeden Teilnehmer gibt es 100 Gold.

Der ganze Markt roch nach Meer und Salzwasser, nach Fisch. Wir holten uns erst einmal alle was zu essen. Das ganze Rumgerenne heute hatte uns alle hungrig gemacht. Dann meldeten wir uns dann ganz vorne bei dem Schiff, das als nächstes gegen das Ungeheuer auslaufen sollte. Scheinbar handelte es sich bei dem Monster um einen gigantischen Oktopoden, der den Hafen zu seinem Jagdgebiet erklärt hatte. Das Schiff sollte gegen 17 Uhr auslaufen. Bis es so weit war, liessen wir uns noch die frische, salzige Seeluft durch die Haare (und das Fell und über den Schildkrötenpanzer) wehen. Irgendwann war dann die Zeit zum Aufbruch gekommen.

Wir verliessen den sicheren Hafen. So ein Krake ist schon gefährlich. Er kann zwar nicht reden aber verschiedene Sprachen verstehen. Tara versuchte, sich telepatisch mit dem Monster zu verständigen, doch es kam nur als Antwort zurück „zerstören…blockieren…“
Soviel dazu.
Wir mussten es wohl leider wirklich bekämpfen, dieses wunderbare Monster aus der Tiefe.

Photo by Julia Kadel on Unsplash

Sobald wir weit genug aus dem Hafen rausgefahren waren, schoss plötzlich ein riesiges Tentakel aus dem Wasser und griff das Schiff an. Selbst wir mittlerweile doch kampferprobten Recken hatten Schwierigkeiten, dieses eine Tentakel abzutrennen. Und wo eines abgetrennt worden war, erschienen schnell neue. Die Besatzung des Schiffes und unsere Gruppe wehrte sich mit vereinten Kräften. Doch es half alles nichts.
Das Schiff sank leider mit der Besatzung, wir schafften es nur mit Müh und Not noch auf ein kleines Rettungsboot, mit dem wir der Kreatur gerade noch entwischen konnten.

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