
Curse of Strahd – Hendrik der Sargbauer
Immer noch am 2. Neyavr – 735 B. C.
Während unserer Stadttour waren Sy und Thyrim mit Pater Petrovic zurück zur Kirche gegangen. Sy half dem Pater, die abgebrannten Kerzen auszutauschen, bis Sy das Klavier sah und sich an die Tasten setzt. Er spielte ganz gut, wobei ein paar Misstöne zu hören waren. Sie störten aber das Klangbild kaum.
Thyrim fragte den Pater, ob er ihm etwas über den Ort erzählen könne.
«Ihr habt die politischen Ränke in der Stadt soweit schon mitbekommen», fing dieser an zu erzählen.
«Der Baron ist gleichzeitig der Bürgermeister und veranstaltet jede Woche ein grösseres Fest, sein Prinzip ‚Alles Wird Gut‘ habt ihr ja auch schon mehrfach gehört. Er ist zuversichtlich, dass wir uns zusammen Strahd entgegensetzen können. Vallaki ist eine der grösseren Städte des Westens Barovias. die Wachter Brüder sind offiziell eine der grösseren Familien in der Stadt, inoffiziell aber der grösste Gegenspieler des Barons. Sie wollen die Macht über die Stadt an sich reissen. Doch durch seinen Leibwächter Izek hat der Baron die besseren Karten.
Die Wachters schlagen sich zwar auf die stärkere Seite, doch sie stehen immer an der Seite der Bevölkerung.»
«Wieso sind die Wachters denn der Gegenspieler des Barons, wenn sie sich doch auf die Seite des Stärkeren schlagen?»
«Die stärkste Kraft in Barovia ist Strahd – und da der Baron offensichtlich Angst vor Strahd hat, sieht ihn die Wachterfamilie als schwächer an.»
«Und was denkt ihr darüber, Pater?»
Bevor er antwortete, dacht er erst eine ganze Weile nach.
«Als Mann des Glaubens ist Strahd ein Unheil, er ist der Grund warum Barovia so existiert, wie ihr es kennt»
«Seit wann gibt es Strahd eigenlich schon?»
«Barovia an sich gerissen hat er vor…nachdem er aus dem Schlaf erwacht ist, vor einiger Zeit, ein paar Wochen nur. Aber sein Alter ist schwer zu schätzen. Schätzungsweise zwischen 500-600 Jahren. Strahds Vater war… König Dostron, ein wohlhabender Mann aus einem entfernten Land, der nach Barovia kam und es für sich beanspruchte.»
«Wie hat er so regiert?»
«Das weiss ich leider nicht. Ich bin jünger, als ich aussehe», er zwinkerte Thyrim zu. «Es scheint, als wäre er ein Mensch gewesen, aber man weiss nicht so genau, ob die Strahd Familie damit so offen umgehen würde, wäre er auch ein Vampir gewesen.»
«Wie ist er ein Vampir geworden?»
«Es heisst durch dunkle Mächte, mit denen er ein Pakt eingegangen ist, die… es gibt ein Buch! Ein Tagebuch von Strahd selbst, dass irgendwo in Barovia versteckt sein soll. Dort soll seine Geschichte niedergeschrieben sein. Ich glaube wenn ich wüsste, wo es ist, könnte ich mich nicht so frei in Barovia bewegen.»
«Gibt es eine Legende darüber?»
«Wenn ihr über Geheimnisse Barovias etwas hören wollt, solltet ihr zu Lady Fiona Wachter gehen.
Strahd hat die Macht vor einigen Wochen übernommen, als er erwachte. Davor hatten seine Schergen die Macht. Die Strahd Familie war schon immer an der Macht. Er ist Tyrann aber auch Stratege.»
«Aber was will er? Macht? Was will er in Barovia ausgerechnet?»
«Das Land regieren. Man sagt es ist sein Gefängnis, dass selbst Strahd durch eine höhere Macht hier gefangen gehalten wird und er gar nicht freiwillig hier ist.»
Während des Gesprächs geht eine Seitentür in der Kirche auf, ein dunkler Haarschopf guckt kurz raus und verschwindet aber sofort wieder. Der Pater lächelt.
«Wie gesagt, meistens kommt Milo zurück zur Kirche.»
Er geht zu Milo hin und spricht leise mit ihm.
Milo wollte gerade wieder kehrt machen, doch der Pater überzeugte ihn davon, da zu bleiben und rein zu kommen.
«Die Leute wollten noch etwas mit dir besprechen.»
Doch der Junge liess kaum mit sich reden und antwortete nur trotzig in Ein-Wort-Sätzen. Flink wollte er sich wieder aufmachen, doch Thyrim stellte sich ihm in den Weg.
«Was wollt ihr eigentlich von mir ich habe euch nichts getan!», schrie er ihn an.
Thyrim baute sich bedrohlich vor ihm auf: «Was weisst du über die Knochen die hier in der Kirche waren?»
«Keine Ahnung, was für Knochen?», er wandte sich an den Pater. «Ihr habt hier Knochen?»
«Hast du dich mit Yeska unterhalten?», Thyrim liess nicht von ihm ab.
«Ja, Yeska ist ein dummer Junge. Vielleicht habe ich ihm gesagt, dass Strahd ihn holen kommt, wenn er schläft aber das war nur ein Scherz.»
Schliesslich mischte sich der Pater ein, dass Milo ruhig sagen könne, wenn er etwas mit dem Einbruch zu tun hatte, schliesslich wurden Spuren gefunden, die auf ihn hinweisen. Thyrim holte die Haare hervor, die er gefunden hatte. Sie passten genau zu Milo. Als er das sieht, lässt er seine Fassade fallen.
«Ja, ich hab die Knochen gestohlen ich bin durch das Fenster eingestiegen, es war aber nicht böswillig, mir wurde Geld versprochen! Ich wollte meiner Familie helfen.»
Thyrim baute sich bedrohlich vor ihm auf und las ihm die Leviten.
«Ich wusste nicht, dass diese Knochen hier sind, ich habe mit dem Sargbauer geredet und dachte es ist ein Familienerbstück seiner Familie! Ich habe nicht gewussst, dass die Knochen diese Bedeutung haben. Ich habe Hendrik nur die Knochen gebracht, weil er mir 15 Silber versprochen hatte! Ich weiss auch nicht, wo er die Knochen aufbewahrt!»
Ein kleines Gerangel entstand, als Sy und Thyrim versuchten, Milo den Klimperbeutel abzunehmen. Doch der Pater mischte sich ein: «Ich finde, wir sollten ihm das Geld lassen. Ich bin dafür, zu Hendrik zu gehen und ihm mal auf den Zahn zu fühlen. Eine gerechte Strafe für Milo denke ich mir noch aus, er meinte es nicht böse. Hauptsache, wir kriegen die Knochen schnell zurück.»
Kaum liessen die beiden von ihm, rannte Milo auch schon zur Türe hinaus. Eine Träne kullterte seine Wange hinunter.
Auf dem Weg zurück zum Blue Water Inn trafen wir alle wieder zusammen und brachten einander Up to Date. Arwenya und Wilda waren sehr perplex über die Geschichte mit den gestohlenen Knochen und dass es ein kleiner Junge gewesen sein sollte!
Der Sargmacher hatte seine Werkstatt auf dem Lagerplatz der Familie Arasek. Ein Wagen auf dem Gelände stach deutlich hervor, da auf seinem Äusseren mit frischer Farbe «Zirkus der Wunder» geschrieben stand. Rictavios Wagen. Vielleicht würde ihn die Geschichte auch interessieren! Doch sobald wir uns dem Wagen näherten, hörten wir ein lautes Knurren und etwas schien sich gegen die Wand des Wagens zu werfen. Im Wagen konnte ich etwas Magisches spüren.
Mir erschien es ein wenig zu riskant, die Türe aufzubrechen und da Rictavio nirgendwo zu sehen war, liessen wir von seinem Wagen ab und gingen zur Sargmacherwerkstatt.
Der Pater klopfte energisch an der Tür «Hendrik! Wir müssen uns über Milo unterhalten!»
«Wir haben geschlossen! Kommt morgen wieder!»
«Es geht um die Knochen!»
«Ge-schlo-ssen!»
«Der Pater ist nicht alleine! Wir können auch gerne die Tür einreissen», rief ich laut.
Der Pater schüttelte den Kopf, «Abenteurer!»
«Es geht auch gewaltfreier», meinte Sy und zückte ein Diebeswerkzeug.
«Na dann!» – Thyrim trat aus dem Weg, nachdem er schon drauf und dran gewesen war, die Tür einzutreten.
Im Nu war die Tür aufgeschlossen… doch öffnen liess sie sich nicht.
Thyrim trat dagegen. Die Tür ist sehr stabil. Er trat noch zweimal heftig dagegen.
Yatsuka tönte von hinter dem Haus: «Hier ist noch eine Tür, die ist vielleicht einfacher aufzukriegen!»
Wilda aus einer anderen Ecke: «Hier ist ein Fenster, kann mich jemand hochheben?»
Wieder einmal rannten alle kopflos durch die Gegend. Wenigstens Thyrim blieb vor dem Vordereingang stehen, damit Hendrik nicht abhauen konnte.
Ich ging zu Yatsuka hin und versuchte die Tür aufzuzaubern. Doch die Tür liess sich nicht öffnen.
Thyrim fragte nach, ob wir es hinkriegen würden, ansonsten würde er mit der Axt jetzt die Vordertür aufbrechen.
Der Pater stand da und schaute etwas konsterniert in der Gegend herum, er schien das alles nicht sehen zu wollen.
Schliesslich brach Thyrim die Vordertür mit seiner Axt auf. Endlich konnten wir hineingehen. Unsere Gruppe ergoss sich wie eine Welle durch das Haus. Ich fand eine Treppe nach oben und wartete in einer kleinen Küche oben auf die anderen. Nachdem die anderen im Erdgeschoss alles gesichert hatten, kamen nach und nach alle in die kleine Küche hinauf. Im angrenzenden Zimmer fanden wir schliesslich Hendrik, völlig verängstigt. Endlich konnten wir ihn zur Rede stellen.
«OK OK! Ihr kommt wegen der Gebeine, richtig? Ich sage euch, wo die sind aber wisset eins: ich bin hier nicht sicher. Also abgesehen von eurer Bedrohung!»
Der Pater war inzwischen auch schnaufend oben angekommen und schielte von der Küche in das kleine Zimmer.
Da brach es ziemlich wirr aus dem schlotternden Hendrik heraus: «Sie heisst Volenta Popowski, sie hat mich beauftragt die Knochen zu bringen. Sie wollte die Knochen oder sie würde mich umbringen! Sie ist eine von Strahds Bräuten! Die Knochen sind im Schrank!»
Aha. Ich ging zum Schrank, öffnete das obere Fach, und wurde fast von einer Nadel gestochen! Iiii! Gleichzeitig ertönte plötzlich im ganzen Stockwerk eine laute Stimme: «Wenn es keinen Spass macht, dann ist es nicht von Blinsky!!! Wenn es keinen Spass macht, dann ist es nicht von Blinsky!!! Wenn es keinen Spass macht, dann ist es nicht von Blinsky», eine endlose laute Ansage.
«Wir müssen hier raus, sonst sind wir alle tot!» rief Hendrik panisch, seine Augen waren weit aufgerissen. Ich reagierte sofort und riss den Sack mit den Knochen aus dem Fach, rannte zum Pater hin, streckte ihm den Sack hin und rannte weiter zur Treppe. Gleichzeitig sprang Yatsuka über das Bett, das in dem kleinen Zimmer von Hendrik stand, aus dem Fenster und ihr Drachengefährte hinterher.
Chaos brach los. Thyrim stiess Hendrik in den Schrank. Einige sprangen aus dem Fenster, einige kamen auf mich zugerannt und schickten sich an, die Treppe hinunter zu hasten. Da hörten wir von unten laute Geräusche. Es krachte mehrmals, als ob Holz zersplitterte. Sy rief, dass von oben Geräusche zu hören waren, als ob etwas auf dem Dach sei.
«Die Vampire sind im Haus!» piepste Hendrik aus dem Schrank heraus.
Schnell raste ich wie kopflos die Treppe hinunter, zwei Stufen auf einmal überspringend. Im Sarglager war nichts zu sehen. Auch die Werkstatt war leer. Noch.
Unten angekommen blieb ich erst mal als Vorsichtsmassnahme im Haus drin. Da hörte ich ein Fenster im ersten Stock zersplittern und einen dumpfen Ton, als würde etwas draussen auf dem Boden aufkommen. Ich strecke meinen Kopf zur Eingangstür raus. Eine Gestalt kauert unter dem Fenster zwischen Holz und Splittern. Ein Vampir. Ich rief den anderen zu, dass an der Vorderseite des Hauses ein Vampir sei. Kaum hatte ich fertig gesprochen und meinen Kopf zurückgezogen, hörte ich einen weiteren dumpfen Aufprall. Zwei Vampire. Mist.
Hinter mir beschwor der Pater Lichtkugeln um ihn herum. «Als kleine Unterstützung! Ich glaube, damit können wir sie von uns weghalten.»
Tirx polterte auch die Treppe hinunter, rannte an eine Werkbank und warf mir mehrere Stöckchen zu.
Als ich mich wieder umdrehte steht plötzlich der Vampir vor mir und schlägt zu! Doch er (sie?) trifft nicht so richtig und kratzt über meinen Brustpanzer.
Als ich einen Schritt zurück mache, um in die Reichweite der Leuchtkugeln des Paters zu kommen, schlägt der Vampir mit seinen Klauen zu und erwischt meinen Arm. Autsch. Ich schicke einen Sternenschimmerzauber auf den Vampir los und dieser fängt an zu schimmern. So war er wenigstens ein leichtes Ziel. Hinter ihm sehe ich einen weiteren Gegner im Schatten draussen. Er ging um das Haus herum. Dorthin, wo die anderen aus dem Fenster gehüpft waren.
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