Würfel
Kurzgeschichten,  Rollenspiel

Yara 14 – Da ist das Vampirnest!

Schnell hinter der Rauchwolke her!
Sie schwebte in Richtung Wald und Fluss, wo wir schon einmal eine Spur verloren hatten.
Über Stock und Stein hatten wir Probleme, dem Nebel zu folgen, vor allem ich fiel etwas zurück. Tara hingegen rannte direkt neben dem Rauch her, so wie es von meiner Warte her aussah.
Aus dem Wald hinaus folgte er dem Fluss und hinauf in Richtung Berg, in die Dire Woods zum Star Mountain, den Bergpass hinauf.
Der Weg war schon lange nicht mehr begangen worden und war nicht mehr sonderlich stabil. Eine kleine Gerölllawine löste sich und ich fiel immer weiter zurück. Tappser wurde durch die Lawine erwischt, die seinen Fuss festklemmte. Er konnte sich gerade noch befreien, als ich zu ihm aufschloss. Nur hatten wir den Blickkontakt zu den anderen beiden verloren.
Cinar war auch erstaunlich geschickt im Rennen.
Zusammen mit Tara war er immer noch dem Nebel auf den Fersen, als sich die Sonne schon über die Felsen erhob.

Langsam erkannte Tara eine riesige Bergfestung, die sich über den Horizont erhob. Sie wurde etwas langsamer und machte Cinar darauf aufmerksam. Der verschlungene Pfad war ihren Blicken teilweise verborgen, also liefen beide noch etwas weiter hinterher, anstatt auf Tappser und mich zu warten.

Bild von Andreas Glöckner auf Pixabay

Wir beide fanden einige restliche verstreute Beeren, die Tara unterwegs gefunden hatte. Kluges Kind! Dann kamen wir an eine Kreuzung, wo wir uns aber nicht sicher waren. Zum Glück konnte Tappser eine Spur im Schutt finden, die den Hang hinauf wies, also folgten wir ihr.

Tara und Cinar konnten schon etwas mehr von der Burgruine und dem Pfad erkennen, der sich noch ein Stück hinab schlängelte und dann einen Hügel wieder hinauf, direkt vor das Tor der Ruine.
Der Nebel schwebte auf das Burgtor zu und verschwand in einer Ritze in den Innenhof.
Tara und Cinar kamen uns entgegen und erzählten, was sie beobachtet hatten.

Hinter dem Tor konnten wir durch die Ritzen einen Innenhof erkennen, direkt dahinter folgte ein gothischer Bau, ein ziemlich abstraktes Gebilde. Und alles war halb verfallen. Perfekt für ein Vampirversteck!

Tappser und ich waren neugierig und machten uns auf den Weg zum Burgtor, während Tara und Cinar langsam und sehr widerwillig hinterherkamen.
Es entbrannte eine hitzige Diskussion, ob wir da hineingehen wollten oder nicht. Ich konnte es nicht mit mir vereinbaren, wieder unverrichteter Dinge zu gehen. Weit und breit war ja in Loudwater niemand gewesen, der uns hätte helfen können. Zur Not würde ich da auch alleine reingehen!
Tappser war entgegengesetzter Meinung und hatte sich unterdessen schon umgedreht und sich langsam demonstrativ von der Ruine wegbewegt. Doch Cinar und Tara folgten mir. Widerwillig zwar und sehr langsam aber sie folgten mir! Waaas? Was für ein Freundschaftsbeweis! Da hatte ich schon fast Tränchen in den Äuglein.
Schliesslich rollte auch Tappser mit den Augen und drehte sich widerwillig um. Es war also beschlossen. Wir würden hineingehen.
Wenn ich gewusst hätte, was noch kommen würde, hätte ich auf den Hacken kehrtgemacht.

Ich zückte meinen Stab und liess konzentriert einige Efeuranken die Mauer hinaufwachsen. Dann benutzte ich meinen Zauberstein, in den ich mich hineinversetzen konnte und Tappser kletterte mit mir als Stein die Ranken hoch. Oben legte er den Stein hin und ich kam wieder raus. Wir standen auf den Zinnen über dem Tor. Links von uns führte eine Treppe hinab. Der Innenhof sieht relativ leer aus, verfallen, zurückgelassen. Dort stand komischerweise noch ein kleines, löchriges Zelt. Wir stiegen in den Innenhof hinab zur Innenseite des Tors. Gemeinsam und mit viel Anstrengung gelang es uns, ienen der Flügel langsam soweit aufzustemmen, dass auch die anderen zwei hindurchgelangten.

Direkt uns gegenüber lag der Eingang zum Bergfried. Das gotische Gebäude ragte über uns auf, hatte schon fast etwas düster Bedrohliches. Eigentlich wollte ich hineingehen, doch Tappser stellte sich mitten in den Innenhof und schrie herum.
Nichts passierte.
Logisch, Vampire sind ja nicht doof.
Ich ging weiter auf das Tor zu, mit klopfendem Herzen. Tappser stellte sich neben mich und nutzte seinen Ring der Untotenerkennung. Zwei untote Präsenzen waren im Radius.
Ich stiess die Tür mit lautem Knarzen auf und konnte ein paar Meter ins Innere blicken. Drinnen war es so dunkel, dass nicht mal das Tageslicht weit hineinscheinen konnte. Sehr viel konnte ich nicht erkennen. Einen kathedralartigen Raum, sehr hoch. Ich benutzte wieder meinen Stein und liess mich an ein Seil geknüpft zehn Meter in den Raum werfen.

Bild von Peter H auf Pixabay

Oje, das sah sehr bedrohlich aus. Den Wänden entlang waren sechs Särge aufgestellt, an jeder Seite jeweils drei. Am Ende des riesigen Raumes (ich schätzte ihn auf etwa 40 Meter Länge), war ein grosser Sarg aufgestellt, auf einer erhöhten Position. In die Wand dahinter waren blutige Wasserfälle eingelassen, die über schmale Kanäle zum grossen Sarg flossen.
Mein törichter Mut verflog augenblicklich und eigentlich wollte ich nur noch weg.
Doch nun waren alle aufgerüttelt und wollten schnell hinein, den Vampir zu pflocken versuchen und wieder raus. Tara hatte schlimmstenfalls noch eine Rolle der Teleportation, mit der sie uns im Notfall hinausbringen konnte.
Also gingen wir hinein in die Düsternis.

Photo by Mohammad Metri on Unsplash

Zwei Kreaturen kamen aus den Ecken hervorgeschossen und schlugen hinter uns die Tür zu. Fauchend. Tappser, überrascht, stoch erst mal auf den ersten Vampirdiener ein, den er erreichen konnte.
«Seit wann wird denn das Essen geliefert?», ertönte eine Stimme von vorne. Tappser versuchte, den Vampir etwas abzulenken. Anscheinend wollte dieser jedoch abwarten und sehen, was wir so drauf hatten.
«Einen meiner Diener habt ihr ja heute schon mal geschafft, da sollten noch zwei weitere kein Problem sein.»
Beide Diener griffen nun Tappser an, der einiges an Schaden einstecken musste. Plötzlich stand der Vampir nah vor uns, wartete aber weiter ab. Tara griff den angeschlagenen Diener an und schoss ihm direkt durch den Bauch.
Cinar zog sein Grossschwert, entzündete es und schlug auf den Vampirdiener ein. Der Vampir schien beeindruckt und sein Diener heulte auf.
«Wolltet ihr vielleicht auch ein Vampir werden?», wandte sich der Meister nun an Cinar: «Mir würde es sehr gefallen, wenn ihr euch für meine Seite entscheiden würdet», säuselte er ihm ins Ohr. Doch Cinar war der Versuchung taub.
Nun griff Tappser wieder den Diener an, der aufheulte. Auch ihm säuselt der Vampir ins Ohr und bietet ihm ewiges Leben als ihm Gleichgestellten an. «Das klingt gut», erwiderte Tappser wie in Trance und stellte sich auf die Seite des Vampirs!
Wir hätten nicht reingehen sollen! Oh wie töricht wir gewesen waren, jetzt würde Tappser zu einem Vampir gemacht werden! Und wir würden alle sterben.
Plötzlich ertönte eine Stimme im Raum, die genau wie die des Vampirs klang. Da dieser aber auch etwas konfus guckte, ging ich mal davon aus, dass das Tara war, die irgend einen Zauber wirkte. Die Stimme befahl Tappser, die Zauberrolle abzunehmen und uns alle bei der nächsten Gelegenheit rauszuporten.
«Wie ihr wünscht, Meister.», schnurrte dieser.
Der Vampir versuchte noch, nach Tara zu greifen, verfehlte sie aber um ein Haar.
Cinar nahm seine schreckliche Engelsform an und griff nochmals den Vampirdiener an, welcher sich in Rauch auflöste und in einem der Särge verschwand.
Dann endlich entsprach Tappser dem vermeintlichen Wunsch seines Meisters, nahm Tara die Rolle ab und…

Photo by rolf neumann on Unsplash

…wir tauchten im Sonnenlicht vor den Toren der Burg wieder auf.
«Ich habe dem Wunsch meines Meisters entsprochen und muss nun wieder zurück. Adieu», äusserte Tappser noch, aber weit kam er nicht.
Ich hatte meinen Stab noch in der Hand und liess unvermittelt Ranken um Tappser wachsen. Feste Ranken. Tara nahm ein Seil in die Hand, doch bevor sie ihn damit fesselte, durchsuchte sie ihn nach Dolchen und sonstigen scharfen Gegenständen. Auch seine Kleidung nahm sie ihm ab. Sicher ist sicher. Ich liess die Ranken auch noch etwas weiter wachsen, sodass sie sicher solange halten würden, bis der Zauber abklingen würde.

Es war schon später Nachmittag, als wir wieder in Loudwater ankamen. Wir schilderten Gelwarin, was passiert war, sodass er auch auf Tappser aufpassen konnte. Auch Nehil liess ihn nicht aus den Augen. Nach 24 Stunden war der Bann endlich gebrochen. Und wie dankbar Tappser war!
Ich kroch vor allen im Staub auf dem Boden rum, um mich zutiefst zu entschuldigen. Curiosity almost killed the cat…and the band.

Wir erstatteten Stadtrat Ymir noch Bericht und holten unsere Belohnung ab. 800 Gold.
Dann machten wir uns auf zur Greifenschule, bezahlten je unsere hundert Gold für den Flug in die Netherberge und machten uns auf zum neuen Abenteuer.

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