Ernährung,  Gesundheit

Cholesterin – was ist das?

Cholesterin – was ist das?

Wow, Leute, wow. So lange ich mich schon mit Ernährung beschäftige, war ich als Laie schon immer verwirrt über Cholesterin. Bei meinen Nachforschungen zu diesem Blogartikel haben sich zwar einige Fragen geklärt, jedoch neue aufgetan. Mal ist Cholesterin ja das schlimmste Übel, das einen befallen kann, mal ist es gar nicht so schlimm, mal kann man es vernachlässigen und hat es keinen Einfluss auf gar nichts, mal korreliert ein tiefer Cholesterinwert sogar mit einem erhöhten Risiko[1] für Depressionen und Aggressivität!

Die Dietary Guidelines for Americans 2015-2020[2] heben die täglichste Höchstmenge für die Aufnahme von Cholesterin von 300mg wieder auf. Besser gesagt, es wird nur in einem Kommentar erwähnt, dass Ernährungsweisen, welche viel cholesterinhaltige Lebensmittel beinhalten, dazu beitragen können, dass Koronare Herzkrankheiten und Arterienverkalkungen entstehen. Kein Wort jedoch zu Cholesterin in den „Key Recommendations“ – und wer liest sich denn bitte schon die ganzen 144 Seiten durch?

Wer sollte da nicht verwirrt sein? Mir waren jedenfalls immer, wenn ich dieses Thema recherchieren wollte, 3 Grossbuchstaben auf die Stirn geschrieben: WTF?! Also hab ich es dann meistens wieder fallen lassen…bis jetzt, wo ich so langsam hoffe, das Thema ansatzweise verstanden zu haben und denke, dass ich verlässliche Informationen dazu finden konnte. Endlich.

Also, was ist denn nun Cholesterin?

Erst mal ist eine wichtige Unterscheidung vonnöten, die häufig einfach übergangen wird:

Es gibt den Blutwert des Cholesterins, also wieviel Cholesterin in unserem Blut herumschwimmt und dann gibt es das Cholesterin in Nahrungsmitteln. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig und meiner Meinung nach wird ihr viel zu wenig Beachtung geschenkt. Das Cholesterin in den Nahrungsmitteln ist nicht dasselbe Cholesterin, welches in Blut herumschwimmt und wie viel vom Cholesterin direkt aus den Nahrungsmitteln aufgenommen wird, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich und kann zwischen 20-60% schwanken.[3] Euer Arzt kann nicht feststellen, wieviel Cholesterin ihr über die Nahrung zu euch nehmt. Er kann nur den momentanen Blutwert erfassen.

Cholesterin ist eine wachsartige, fettähnliche Substanz und lebenswichtig für uns. Vor allem im Gehirn finden wir viel Cholesterin, da es dort die Myelinschicht, also die Schutzschicht um unsere Neuronenarme bildet. Diese Arme nennt man Axone. Das Gehirn ist in der Lage, sein eigenes Cholesterin herzustellen, ist also, was dies betrifft, autonom.[4] Es ist in fast jeder Zelle unseres Körpers zu finden, da es für die Hormonproduktion, Vitamin D Herstellung, als Teil der Galle und Instandhaltung der Zellmembran genutzt wird.[5]

chemische Struktur von Cholesterin
Chemische Struktur einer ungesättigten Fettsäure

Cholesterin hat sehr viel mit dem Fettstoffwechsel zu tun.[6] Da es ein wasserabweisendes Molekül ist, kann es nicht einfach so alleine im Blut herumschwimmen, sondern muss in so genannte Lipoproteine eingepackt werden. Lipo heisst Fett, Lipoproteine sind also grössere Pakete, die Fett und fettähnliche Stoffe wie Cholesterin in eine Proteinschicht packen, damit sie im Blut transportiert werden können. Proteine sind  hydrophil (hydro = Wasser; -phil = liebend) und somit das ideale Transportunternehmen für alles Hydrophobe (-phob = fürchtend), wie eben Fett. Normalerweise kann die Leber all das Cholesterin herstellen, das wir brauchen. Sie ist ausserdem sehr effektiv im Recycling.

Die wichtigsten beiden Lipoproteine, in denen Cholesterin durch die Blutbahnen transportiert werden kann, heissen HDL und LDL. Vielleicht habt ihr diese beiden Begriffe ja schon einmal gehört. Oftmals wird das LDL als das „schlechte“ Cholesterin bezeichnet, das HDL als das „gute“. Dies ist jedoch nicht ganz korrekt. Beide Arten von Lipoproteinen übernehmen wichtige Transportfunktionen im Cholesterinzyklus[7]:

  • Das LDL (oder low density lipoprotein = Lipoprotein geringer Dichte, das „schlechte“ Cholesterin) entsteht durch verschiedene Zwischenschritte aus dem VLDL (very low density lipoprotein = Lipoprotein sehr geringer dichte). Eine geringe Dichte heisst, dass das Molekül nur zu einem geringen Teil aus Proteinen besteht, den grössten Teil machen die Fettsäuren aus, wovon viele Cholesterinmoleküle sind. Das VLDL wird durch einen komplizierten Vorgang (ihr wollt es gar nicht wissen…) in der Leber aus Glukose hergestellt und in die Blutbahn abgegeben, wo es die Fettmoleküle in die verschiedenen Gewebe bringt, welche das Fett entweder speichern oder als Energiequelle nutzen. Durch die Blutzirkulation wird aus dem VLDL schliesslich LDL. Die Hauptfunktion von LDL ist der Transport von Cholesterin zu verschiedenen Geweben. LDL enthält von allen Lipoproteinen das meiste Cholesterin. Zum Schluss gelangt das LDL wieder in die Leber, wo es  zu neuen Lipoproteinen recycelt oder über die Galle ausgeschieden wird.

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  • Das HDL (oder high density lipoprotein = Lipoprotein hoher Dichte, das „gute“ Cholesterin) wird in der Leber hergestellt und ist erst mal „leer“, also cholesterinfrei. Es sammelt überschüssiges Cholesterin in den verschiedenen Geweben ein, um es zur Leber zurückzubringen. Dort kann es, wie das LDL, entweder recycelt oder über die Galle ausgeschieden werden.

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Ihr seht also, wir brauchen alle verschiedenen Möglichkeiten, Cholesterin zu transportieren und keine davon ist „gut“ oder „schlecht“. Doch wie wird das Cholesterin aus der Nahrung aufgenommen?

Fette aus der Nahrung kommen als Lipidtröpfchen im Darm an und werden da noch weiter emulgiert zu Mizellen. Im Darmgewebe werden Fettsäuren, Monoglyzeride, Cholesterin aus der Nahrung und Apoproteine aufgenommen, zusammengepackt als Chylomikronen, welche vor allem aus Fett und wenig Apoproteinen (Aminosäuren, siehe Blogpost zu Eiweiss) bestehen. Und natürlich Cholesterin. Diese Chylomikronen werden dann über das Lymphatische System ins Blut transportiert, wo sie als Fetttransporteure dienen und schliesslich in die Leber aufgenommen werden. Hier werden sie – wie LDL und HDL entweder recycelt oder ausgeschieden.

Ihr kann euch also schon denken, was passiert, wenn man zu viel Nahrungsfette und einfach zu verdauende Kohlenhydrate (oder Glukose wie Weissbrot, weisse Nudeln, verarbeitete Lebensmittel generell) aufnimmt: mehr Chylomikronen in der Blutbahn, mehr Lipoproteine werden in der Leber hergestellt und so sind mehr Transportmoleküle für Cholesterin vorhanden. Dafür braucht es jedoch auch mehr Proteine, um die ganzen (gesättigten) Fette einpacken und in die Blutbahn entlassen zu können. Und welche Lebensmittel enthalten besonders viel von beidem? Genau! Alle tierischen Lebensmittel. Wie praktisch…

Quellen:

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