Curse of Strahd 19 – Ein teurer Spaß
Als wir nach Vallaki zurückkamen, waren viel mehr Wachen vor dem Eingang postiert. Sie nahmen die Kontrollen sehr ernst und eine kleine Schlange hatte sich schon vor dem Tor gebildet. Die vor uns Anstehenden schienen auch schon genervt und unter Zeitdruck zu sein. Die Wachen ließen sich aber Zeit und durchstöberten Kisten und Säcke auf den Wägen.
Ich versuchte, ein wenig Musik zu spielen doch meine Hände waren noch ganz taub vom Verlangen nach den Traumküchlein, ein paar schiefe Töne waren leider doch dazwischen. Dann fing Balthasar auch noch an, auf der Panflöte rumzuflöten und sogar Thyrim machte bessere Musik als ich. Ich gab es auf. Plötzlich kam von hinten eine Kupfermünze angeflogen.
«Ihr kriegt noch eine, wenn ihr damit aufhört!»
Dann waren wir aber auch schon dran.
«2 Gold», sagte die Wache stoisch. Das wurde ja immer teurer!
In dem Augenblick entwickelte sich hinter der Mauer dichter Rauch, wie von einem brennenden Feuer.
Die Wachen wirkten verunsichert. Doch da es diesmal sieben statt nur zwei Wachen waren, ließen sie sich nicht so schnell ablenken. Die Wachen innerhalb der Mauern würden das bestimmt untersuchen. Thyrim murmelte etwas Unverständliches. Hatte er den Rauch etwa herbeigezaubert?
Tirx diskutierte über den Preis.
Thyrim murmelt etwas und plötzlich erschien hinter den Wachen aus einem Nebel heraus eine Illusion von Strahd – drei Wachen schossen sofort mit ihren Armbrüsten darauf. Der Anführer fand die Illusion aber nicht sehr überzeugend.
Während des kleinen Tumults versuchte Thyrim, sich schnell in die Stadt hineinzuschleichen. Doch er wurde von den Wachen gepackt, ein Bolzen verfehlte ihn nur knapp. doch er konnte sich losreißen und beiden Wachen entkommen. Einer von uns war zumindest drin.
Plötzlich waren vier Armbrüste auf unsere Gruppe gerichtet.
Ich versuche auch einen Deal zu erreichen, doch die Wache schob uns zur Seite.
«Macht Platz für den nächsten!», sie hatte wohl keine große Lust, mit uns Querulanten zu diskutieren. Was zu erwarten war.
Wir standen etwas unschlüssig am Wegesrand unter scharfer Beobachtung der Wachen. Yatsuka murmelte etwas.
Plötzlich gab es einen lauten Donnerschlag und das Fallgitter des Tors ruckte herunter und wieder hoch, als würde es von einem Geist ruckartig und schnell hoch und herunter bewegt! Ein massives, schweres Gitter bewegte sich wie von Geisterhand!
Fünf der Wachen verloren nun endgültig ihre Fassung und rannten nach Vallaki rein. Die eine Wache, die am Tisch saß, war komplett verdattert sitzen geblieben und eine andere war auch wie eingefroren. Nur noch zwei.
Direkt neben dem Tor erschien nun dichter Rauch und Strahd erneut. Er donnerte: «Die Stadt habe ich auch schon in geordneteren Zuständen gesehen.»
«Die Mauer runter!», rief eine Wache in die Stadt herein. «Verstärkung!»
Das war nicht so geplant gewesen.
Ich rannte einer Eingebung folgend einfach los durch den Rauch und versuchte, schnell und unbemerkt reinzuschlüpfen. Die beiden Wachen waren noch zu perplex, um rechtzeitig reagieren zu können und mich zu packen. Ich war drin! Und lief sofort hinter dem Tor nach links hinter ein paar Häuser. Ich wollte mich über den Friedhof durch die Nebentüre zur Kirche schleichen, in der Ireena noch auf uns wartete. Der Rest der Gruppe tat es mir gleich.
Thyrim wurde durch einen Bolzen an der Schulter verletzt, Tirx am Bein.
Irgendwie schafften es die anderen unverletzt. Wir schlugen uns zusammen möglichst unbemerkt durch das Viertel bis zur Kirche durch, kletterten über den Zaun, Tirx mehr schlecht als recht mit dem Bolzen im Bein. Dann schlichen wir schnell über den Friedhof und huschten so unbemerkt wie möglich in die Kirche hinein.
Phu, das war spannend gewesen. Verdutzte Gesichter starrten uns an. Wir waren mitten in einen Gottesdienst hineingeplatzt! «Wer sind die?!», rief ein Kind. Doch Pater Petrovic fuhr unbeirrt mit dem Sermon fort, als würde so etwas ständig passieren, während wir zu Ireena ins Zimmer hetzten.
Arwenya und ich verarzteten Thyrim und Tirx. Schnell sahen sie wieder aus wie…. naja, fast neu. Währenddessen erklärten wir Ireena, wie es dazu gekommen war.
«Und wie stellt ihr euch das jetzt weiter vor? Ihr werdet nun von der gesamten Stadtwache gesucht, wie wollt ihr euch durch die Stadt bewegen?»
«Wir könnten uns auch einen Passierschein vom Bürgermeister holen gehen!», kam Thyrim die rettende Idee.
«Ihr könnt doch nicht im Nachhinein da hin gehen nach dem Motto ups, wir haben doch einen Passierschein gehabt? Das wird nicht mehr funktionieren! Und ich kann für euch auch keinen holen gehen! Ich werde gesucht, falls ihr euch daran erinnert? Deswegen sitze ich ja hier in diesem Kämmerlein!»
Nach langer Beratung und viel Hin und Her schmiedeten wir folgenden Plan: Mit Balthasars Hilfe erstellten wir ein Schreiben in der Handschrift des Bürgermeisters, dass er unserer Gruppe freien Eintritt in die Stadt gewährte, so lange wir in seinem Auftrag unterwegs seien. Wir gaben es Haku mit, damit er das Schreiben Sy vor den Toren der Stadt bringen konnte, der es dann den Wachen vorzeigen würde. Sy war durch den Wagen und das Pony ziemlich weit hinter uns gewesen. Zum Glück. Wir wollten auch Bestechungsgeld mitgeben, damit der Zwischenfall von heute vergessen würde.
Es klopfte an der Tür und der Pater kam herein. «Ireena, ist alles in Ordnung?»
«Wollt ihr das wirklich wissen?»
Ich ergriff das Wort: «Vielleicht, aber auch nicht gab es einen kleinen Zwischenfall beim Tor, als wir wieder in die Stadt hineinwollten und vielleicht, aber vielleicht auch nicht werden wir jetzt von der Stadtwache gesucht.», fasste ich die Geschehnisse kurz und wie ich finde, sehr treffend zusammen.
«Oh Gott, Morgenvater, gib mir Kraft. Und eure Gruppe ist auch vielleicht nicht vollständig?»
Und wir erklären ihm unseren Plan mit dem Passierschein. Er gab freundlicherweise noch zehn Gold dazu aus der Kirchenkasse, da wir alle möglichen Leute deswegen nun wohl heftig bestechen mussten. Hm, da hätten wir doch gleich den Eintritt in die Stadt bezahlen können. Blöd. Aber spannend! Ich bin ja immer eher die Freundin von spannenden Geschichten gewesen. Mit dieser Gruppe wurde es wirklich nicht langweilig!
Yatsuka instruierte Haku thelepatisch, wohin er das Beutelchen mit dem Gold und das Schriftstück bringen sollte. Thyrim machte Haku unsichtbar und dieser trottete sofort los.
Nach einer Weile klopfte es an der Tür. Sy. Wir mussten nochmal erklären, was vorgefallen war und Sy berichtete, dass die Wachen es wohl nicht wirklich lustig gefunden hatten, aber das Bestechungsgeld sie schließlich doch milde gestimmt hatte. Gerade so.
«Damit hat es sich tatsächlich erledigt.», seufzte der Pater erleichtert und schloss sich in seinem Büro ein.
«Und wie geht es jetzt weiter?», wollte Ireena wissen.
Hm. Da es schon früher Nachmittag ist, entscheiden Balthasar und Thyrim sich jetzt endlich die Zeit zu nehmen, den magischen Kreis zu studieren, den wir im Haus des Sargmachers gefunden hatten.
Sy schlägt vor, zurück zum Blue Water Inn zu gehen, um Rookie unterstellen zu können und ein Essen zu genießen.
Wir wurden durch das Stadtpersonal beobachtet und fielen echt auf, als wir durch Vallaki gingen, doch es passierte weiter nichts Aufsehen erregendes.
Im Blue Water Inn aßen wir, dann spielte ich ein paar Lieder und unterhalte die Menge, um das verlorene Geld zumindest teilweise wieder einzufahren. Meine Ausbeute: 5 Kupfer (nachdem ich 5 Gold zum Bestechungsgeld beigetragen hatte). Seufzend packte ich meine Lyra wieder ein.
Irgendwann kamen Thyrim und Balthasar zurück und berichteten von ihren Studien: Der magische Kreis war der Ausgang eines Teleportatioskreises. Der Eingang müsste irgendwo im Tal Barovia gelegen haben. Vielleicht gab es im Magierturm noch weitere Antworten dazu. Eigentlich hätte der Kreis nämlich gar nicht funktionieren dürfen, tat es aber irgendwie doch. Den Grund hatte ich nicht so ganz verstanden. Magierlogik war mir irgendwie schon immer etwas zu hoch gewesen.
Aber zum Magierturm wollten wir sowieso irgendwann.
Thyrim kam auf die Traumtörtchen zu sprechen. Ich wurde sofort hellhörig. er fragte mich, was ich denn mit den Törtchen für ein Thema hätte. «Ich glaube, dass ich langsam süchtig werde, denn ich will unbedingt mehr Traumtörtchen, obwohl die weder gut geschmeckt, noch mir schöne Träume beschert hatten (nämlich gar keine)! Dafür habe ich aber seit Tagen Kopf- und Gliederschmerzen und mittlerweile bin ich auch ziemlich erschöpft, gegen den Drang anzukämpfen.»
Wir hätten den Abt fragen können, ob er mich von der Sucht hätte befreien können. Doch bis vor wenigen Stunden hatte ich die Kopfschmerzen gar nicht richtig mit den Törtchen in Verbindung gebracht. So richtig stark war der Drang erste heute früh aufgekommen, deswegen hatten ja alle ihre Überbleibsel ins Feuer geworfen. Für mich war das außerdem sehr ungewöhnlich gewesen. Ich hatte auf meinen Reisen schon viele ungewöhnliche Gerichte und Getränke probiert, doch wähnte ich mich immer immun gegen Suchtmittel. Barovia war wohl irgendwie sehr anders, als andere Gegenden.
Ich wollte vorerst aber bei Pater Petrovich nachfragen ob er etwas wusste, wie man von der Sucht wegkäme. Thyrim und Tirx begleiteten mich. Er kannte leider auch kein Heilmittel. Er behandelte zwar verschiedene Menschen in und vor der Stadt mit der Sucht, wie die Eltern des einen Kirchenjungen. Anscheinend waren auch einige Flüchtlinge von Barovia der Sucht verfallen. Der Pater wusste, dass die Person, die die Törtchen verkaufte regelmäßig vorbeikam und wahrscheinlich die Quelle war, und vielleicht auch ein Heilmittel wissen könne. Er behandelte die Leute, indem er sie so gut wie möglich davon abhielt die Törtchen zu kaufen. Viele arme Menschen von Vallaki waren der Sucht verfallen. Reiche kaum. In der Stadt gab es die Törtchen außerdem gar nicht zu kaufen. Die Bäckerin, die die Törtchen verkaufte, durfte die Stadt auf gar keinen Fall betreten.
Außerdem: je länger jemand der Sucht verfallen war, desto schlimmer wurde der geistige Zerfall. Einige waren der Sucht sogar schon erlegen. Ups, Ich sollte vielleicht doch schneller als gewollt nochmal zum Abt, um mich von ihm heilen zu lassen. Jetzt wurde selbst mir die Geschichte doch ein wenig zu spannend.
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