Curse of Strahd – Die Abtei der Heiligen Markovia 18
Ich sah mir nochmal meine Notizen zu den Tarokka Karten an, die uns Madame Ewa gelegt hatte. Irgendwie schienen die mir doch wichtiger, als gedacht und war da nicht etwas gewesen mit einer Abtei und einer wandernden Vistsana? Tatsächlich:
4. Karte: Diese Karte wirft ein Licht auf jemanden, der dir im Kampf gegen die Dunkelheit eine große Hilfe sein wird.
Eine Vistana wandert auf der Suche nach ihrem Mentor allein durch das Land. Sie bleibt nicht lange an einem Ort. Sucht sie in der Abtei der Heiligen Markovia, in der Nähe der Nebel.

Im Vergleich zu Vallaki war Krezk sehr klein. Die Häuser schienen relativ einfach, waren alle aus Holz gebaut. Die Abtei stand auf einem Hügel etwas abseits davon. Das einzig Imposante war der riesige Wall, der um das verschneite Bergdörfchen errichtet worden war.
Thyrim ging auf das Haus des Bürgermeisters zu, der ihm angeboten hatte, einen Blick auf seine Bibliothek werfen zu dürfen. Er klopfte und wurde hineingebeten. Kurze Zeit später kam er auch schon wieder hinaus. Die Bibliothek schien wohl doch nicht so groß gewesen sein.
Der Abt, der uns den Weg zur Abtei vorging, sprach vor uns: «Das klingt so, als hättet ihr andere Interessen, als euch die Abtei anzusehen.»
«Neeein!», riefen Thyrim und ich gleichzeitig aus. «Wir haben sehr großes Interesse, uns die Abtei anzusehen.»
«Wie lange seid ihr eigentlich schon Abt hier?», fragte ihn Thyrim, um Interesse zu zeigen.
«Genau zu sagen ist das schwierig, aber man könnte sagen, dass ich seit Anfang die Abtei leite.»
«Habt ihr auch einen Namen oder reicht euch das, wenn wir euch mit Abt ansprechen?» – «Abt reicht.»
«Kommt ihr aus Barovia?» – «Nein, ich war schon hier, bevor Strahd die Macht an sich riss und Barovia in seinen jetztigen Zustand geriet. Genau gesagt könnte man sagen, ich bin seit mindestens 100 Jahren hier im Amt als Abt tätig.»
«100 Jahre? Ist das normal, dass Äbte so alt werden? Was ist der Trick?»- Wilda stellte immer so viele Fragen auf einmal.
Bei näherer Betrachtung schien der Mann nicht älter als 30 Jahre alt zu sein. Wahnsinn!
«Glaube ist das Stichwort», antwortete er, «ich diene dem Morgenfürsten schon einige Jahre und je strenger der Glaube, desto größer die Zuwendung des Herren.»
Mitten im Dorf hielt der Abt kurz inne. «Ihr seht ja, wie ihr zur Abtei kommt, ich habe hier noch ein, zwei Dinge zu erledigen.» Und als wir uns den serpentinenhaften Weg zur Abtei ansahen, hörten wir plötzlich Flügel neben uns schlagen und anstelle des Abtes flog ein riesengroßer Adler auf die Abtei zu.
«Der Morgenfürst ist in Religionskreisen als Lathander bekannt. Der Gott des Lebens, der Sonne und des Lichts.», klärte uns Arwenya auf. Na, das passte ja. «Eine der ersten Gottheiten in Barovia und auch Gott der Widergeburt», ergänzte Thyrim.
Wir machten uns an den Aufstieg, einige Höhenmeter mussten wir dafür schon überwinden. Auch wurde es kälter. Noch kälter. Brr, ich hasse die Kälte.
Auch die Abtei war von einer einfachen Mauer umgeben und von zwei Nebengebäuden eingerahmt.
Das Tor ging relativ einfach aber extrem laut quietschend auf. Es hörte erst auf, als die Tore an der Mauer aufkamen.
«Wenn der Abt hier wirklich seit Anbeginn da ist… das hier ist schon locker 150 Jahre alt.», schätzte Thyrim ein.
«Wow!», entfleucht es Wilda.
«Dann hat er ja noch mehr Geschichten auf Lager!», freute ich mich.
Ein paar Grabsteine waren rechts vom Weg zur Abtei zu sehen, ansonsten war alles, auch die Gebäude, relativ schlicht gehalten. Der Friedhof schien den unterschiedlichen Abteibrüdern und -schwestern gewidmet zu sein, die hier ihr Leben verbracht hatten. Niemand war älter als 50 Jahre geworden.
Aus einem der Gebäude kam uns eine Gestalt entgegen. Sie schien sich in der Hocke zu bewegen. Sie war auch nicht allzu groß, vielleicht 140cm halb Mensch halb Wolf und mit einzelnen…Eselelementen?
«Besucher! Besucher!», ruft die Gestalt, rennt an uns vorbei und rüttelt an der Tür eines der Gebäude. «Zyfrek! Zyfrek!»
Aus dem Gebäude kam eine weitere Gestalt – auch halb Mensch, halb Wolf, ein Katzenauge, die Hände wie Katzenpfoten mit Daumen und sie hatte auch echsenartige Anteile.
«Wir wurden von eurem Abt eingeladen, er wollte uns die Geschichte der Abtei erzählen.», erklärte ich unser Kommen.
«Oh, wir lieben Geschichten! Geschichten!», die erste Gestalt schien entzückt!
«Psst! Otto!», rief ihn die echsenhafte Gestalt zurück.
«Wir haben schon viele Gäste, die können auch alle Geschichten erzählen!»
Otto führte uns zu einer weitern Mauer, diese höher als die erste, ungefähr vier Meter. An der Mauer war eine Kupferplakette angebracht: «Möge sein Licht alle Krankheiten heilen.»
Die Holztür öffnete sich auf beherztes Klopfen von Zyfrek.
«Ihr solltet doch nicht euren Posten verlassen!», die Gestalt hinter dem Tor schien erbost.
«Naja, die Nacht ist lang und es ist dunkel und gemütlich!»
Dann ging das Tor weiter auf und vor uns stand eine Person mit…zwei Köpfen! Der eine Kopf männlich und ausgewachsen, und der zweite eher kindlich und von Krokodilshaut bedeckt. Eine normale Hand, eine Krebsklaue, ein normaler Fuß und eine Bärenpranke. Ein Sammelsurium an verschiedensten Tierelementen. Was war hier los?
Die Wache drehte sich schnell um und ging auf die Abtei zu «Kommt! der Abt wartet schon auf euch!»
«Danke Otto und Zyfrek!», winkte ich den beiden hinterher, als sie sich wieder auf ihre Posten am ersten Tor begaben.
Die zweiköpfige Gestalt führte uns Richtung Haupthalle. Als wir hineingingen sahen wir eine lange Tafel mit edlem Geschirr und Besteck. Hinter dem Eingangstür gingen links und rechts zwei Treppen nach oben. Vor der Tafel stand eine verloren aussehende Gestalt, in einem zerrissenen Kleid mit matten Haaren. Ein kleines Mädchen?
«Willkommen in der Abtei Sankt Markovia.», begrüßte sie uns.
«Danke.» ich wandte mich ihr zu, «wer seid ihr?»
Sie schaute schüchtern hoch und der Abt antwortete für sie:
«Das ist Vasilka aber das werdet ihr später noch erfahren, geh! Decke den Tisch weiter!», befahl er und sie bewegte sich anmutig an die Tafel und begann, Geschirr herumzuschieben.
«Was führt euch denn genau hierher? Jetzt habt ihr ja auch ein paar meiner Bediensteten kennen gelernt.», wollte der Abt wissen.
«Um ehrlich zu sein – eine Prophezeihung», und ich zeigte ihm die Notizen und meine Zeichnung, die ich von der Tarokka Karte angefertigt hatte.
«Ach das könnte Ezmerelda d’Avenir sein, allerdings ist sie gerade nicht in der Abtei, sie kommt und geht wie ihr beliebt und müsste in ungefähr drei oder vier Tagen wieder hier sein. Immer um den Vollmond herum geht sie fort.»
«Ach gut, dann können wir uns ja im Dorf unten nützlich machen und auf sie warten!»
Der Bürgermeister Dimitri hatte Thyrim angeboten, dass wir in seinem Haus übernachten könnten, wenn wir ihm und seiner Frau zur Hand gehen würden. Eine Taverne oder Gasthaus gab es in diesem Dorf am Ende Barovias nicht.
Und endlich erzählte uns der Abt die Geschickhte des Ortes:
«Otto und Zyfrek sind Nachfahren der Familie Belview, kurz nach meiner Ankunft in der Abtei kam eine Familie zu mir, die an einer unheilvollen Krankheit litt, wenn man das so sagen darf. Sie suchten Erlösung und fanden wegen meines Rufes, Krankheiten heilen zu können zu mir. Die Familie litt an einer Krankheit die erst im Erwachsenenalter ausbricht und ihre Opfer schnell und vorzeitig altern lässt. Ich konnte sie leider nicht heilen und versuchte aber, die Gebrechen und zerstörten Gliedmaßen durch Experimente mit Tieren zu ersetzen. So erfolgreich die Experimente waren, so hartnäckig blieb die Krankheit. Und je länger sie anhält, desto mehr breitet sie sich auch auf die Gedanken und Gefühle aus. daher bleibt die Familie bei mir.»
«Das ist ja liebenswürdig von euch. Solchen Gestalten würden in der Welt da draußen bestimmt nicht mit Sympathie begegnet werden.», ich war vom Charme des Abtes eingenommen.
«Wenn ihr sowieso auf Ezmeralda warten wollt und eure Hilfe anbietet, dann könntet ihr euch um die Lehrstunden von Vasilka kümmern, sie hat noch einiges zu lernen.», jedes Mal, wenn er ihren Namen oder das Wort «lernen» sagte, schaute sie begierig auf.
«Ihr müsst Wissen, Vasilka soll die nächste Braut Strahds werden. Ein unsterbliches Wesen wird am besten von einem anderen unsterblichen Wesen begleitet. Es wäre schön, wenn ihr ihr die körperliche Liebe beibringen könntet, da ich darin keinerlei Erfahrung habe. Aber auch Geschichten über die sterbliche Liebe wären hilfreich für sie. Der Liebesdienst einer Frau ist ja etwas, auf was in der Ehe ein Gelübde abgelegt wird.»
Arwenya bot sich als Heilerin an, ihr etwas über die körperliche Liebe beizubringen. Der Abt nickte zufrieden.
Vasilka trat hervor, nahm Stift und Papier heraus, stellte sich kurz vor und lauschte dann gebannt Arwenyas und auch meinen Ausführungen (ich hatte einige Liebesgedichte und -geschichten auf Lager).
«Ist es denn üblich, dass man Blumen schenkt, wenn man eine Person sehr mag?», unterbrach Vasilka uns plötzlich.
«Ja, durchaus, üblicherweise schenkt der Mann allerdings der Frau die Blumen.», erklärte Arwenya.
«Oh, geht das auch anders herum?»
«Durchaus, bestimmt, aber es ist sehr unüblich.», das hatte ich auf meinen Reisen nur einmal gesehen.
Plötzlich hörten wir ein Splittern, Flügelschlagen und Schreie von draußen. Die Gestalt mit den zwei Köpfen kam hereingestürmt: «Marzena ist geflohen!»
«Beruhige dich Colvin, ich kümmere mich darum.» Der Abt ging in aller Ruhe hinaus, um sich darum zu kümmern.
Jetzt da wir mit ihr alleine waren, wurde Vasilka geheimnistuerisch: «Dürfte ich ein Geheimnis mit euch teilen?» – «Aber natürlich!»
Sie stand auf und holte aus einem versteckten Fach eine Blumengirlande heraus, aus roten Wildblumen zusammengesteckt.
«Die habe ich selbst gemacht. Ihr müsst mir versichern, dass es wirklich ein Zeichen von Zuneigung ist, wenn man Blumen schenkt! Dann erzähle ich euch, für wen die gedacht sind.»
«Ja, das ist es. Ein sehr inniges und schönes Zeichen sogar.»
«Nun, es gibt ein Wesen wie mich hier im Anwesen. Er ist vor mir gebaut worden aber ihm scheint der Funke zu fehlen, der ihn denkend macht. Ich möchte ihm gerne Anerkennung zeigen, doch der Abt hat mir den Umgang mit ihm verboten, da er mein Gemüt durcheinander bringen könnte. als ich das letzte Mal im garten war, habe ich die Wildblumen gefunden und ich finde, er verdient auch etwas Schönes, wenn er schon den ganzen Tag da im Dunkeln stehen und den Nordflügel bewachen muss. Könntet ihr ihm die Blumen bringen?»
«Was heißt er wurde gebaut?», fragte Thyrim.
«Auch ich wurde nicht geboren, sondern vom Abt gebaut und der Abt hat mir den Funken gegeben, der mich denken lässt.», erklärte Vasilka.
«Ich würde sagen, du kannst jedem Wesen Blumen schenken.», beruhigte Sy sie.
«Es wäre schön, wenn ihr sie ihm geben könntet aber bitte haltet es vor dem Abt geheim!» Und sie schob die Girlande schnell zu Sy hinüber.
Mit ohrenbetäubendem Klirren krachte eine Gestalt durch das Fenster in die Halle. Ein Wesen mit Fledermausflügeln. Neben ihm baumelt ein Holzpfahl an einer Kette, die sich beim Sturz durch das Fenster im Fensterrahmen verheddert hatte. Als wäre die Gestalt daran festgekettet gewesen. Sie flatterte wild herum.
«Wo ist Syrus, ich will Syrus!» es liegt eine herzzerbrechende Verzweiflung in ihrer Stimme.
Als der Abt die Halle wieder betrat, erschrak Vasilka und drückte den Blumenkranz an Sy, damit er ihn einstecke, bevor der Abt ihn sieht.
Dieser ging auf die Gestalt mit den Fledermausflügeln zu und redete beruhigend auf sie ein: «Mein Kind, Syrus ist fort, auf der nächsten Etappe seiner Reise. Vielleicht werdet ihr ihm eines Tages folgen.»
Und er griff zur Kette, als das Wesen endlich anfing, sich zu beruhigen. Sie sackte in sich zusammen und begann, zu weinen.
Colvin kam herein und nahm die schluchzende Gestalt an sich. «Es ist wohl besser, wenn wir sie alleine im Schuppen unterbringen. Ich hatte gedacht, dass ihr das Licht und die Offenheit gut tun würden, aber die Einsamkeit im Schuppen scheint besser für sie zu sein.», wies der Abt seinen zweiköpfigen Bediensteten an. «Nun, wir können morgen gerne eine nächste Lektion anhängen, Vasilka. Für heute war das genug.»
Er begleitete uns noch zum Tor und wir begaben uns wieder ins Dorf hinab.
Was war das für ein seltsamer Tag! Sehr mysteriös alles, auf dem weg ins Dorf unterhielten wir uns darüber, wie seltsam das alles war. Warum bildete der Abt die nächste Braut Strahds aus? Wie seltsam war das alles gewesen? Was ist ein Golem?
Das wusste Arwenya und erklärte uns, dass Vasilka sehr wahrscheinlich eben so ein Golem sei – ein aus verschiedenen Körperteilen zusammengepuzzelter Mensch. Eigentlich können diese nicht komplex denken aber einfache Befehle ausführen. Dafür bewegte sich aber Vasilka viel zu anmutig und dachte viel zu komplex. Das war extrem ungewöhnlich für einen Golem.
Auf welcher Seite stand der Abt? Eigentlich war es ja sehr nett von ihm die kranke Familie aufzunehmen aber hatte er seine eigenen Hintergedanken? Und warum hatten wir nichts zu essen gekriegt? Diese Fragen ließen mich trotz seines Charmes ein wenig misstrauisch werden.
Wieder im Dorf angekommen klopften wir an das Haus des Bürgermeisters Dimitri. Seine Frau stockte kurz, als sie die Größe der Gruppe sah, doch sie fasste sich schnell und verteilte die Aufgaben. Hühner füttern, Schweine misten, Gemüse aus dem Garten holen, Milch bei jemandem holen, etc. Ich ging die Schweine misten, gemeinsam mit Tirx. Alle anderen gingen auch schnell ihren Aufgaben nach. Alle waren hungrig nach der Bergwanderung.
Beim Essen erzählte Dimitri uns von Sagen und Geschichten des Ortes:
«Das Dorf ist so alt wie die Abtei, es hatte sich kurz nach dem Bau darum gebildet. Die Einwohner sind relativ einsam und das Dorf verlassen. Einmal im Monat erhalten wir eine Warenladung des Weinguts hier in der Nähe von der Familie Martikov. Den Teich habt ihr ja auch schon gesehen, dieser liefert uns Wasser und friert nie wirklich zu. Zu Ehren des Morgenfürsten haben wir einen Pavillon aufgebaut.
Die Abtei ist nach Markovia benannt, die sich Strahd entgegenstellte und zur Rebellion aufrief. Die Abtei war früher ein Spital, einige Kleriker fielen aber Strahd zu Opfer. Man sagt auch Kannibalismus sei ein Thema gewesen, einige seien dort oben auch verrückt geworden. Der Abt besucht ab und an den Schrein der weißen Sonne, manche glauben er ist Strahds Diener, andere glauben er selbst sei Strahd, der sich verkleidet hat. Niemand besucht die Abtei, die Glocken läuten zu komischen Zeiten, manchmal hört man unmenschliche Schreie und Laute und auch sonstige seltsamen Dinge hört man dort. Ich überlege schon mit meiner Familie wegzuziehen, aber Ilya ist seit einiger Zeit verschwunden.
«Also war es euer Sohn, den Babalysaga aufspüren sollte!», kombinierte Arwenya messerscharf.
«Ja genau, richtig. Ich muss mit meiner Frau noch besprechen, was wir dahingehend machen, dann werden wir versuchen Ilya zurückzuholen! Aber genug von diesen seltsamen Themen, erzählt von euch, wie kommt ihr hierher, ihr scheint schon länger in Barovia zu sein!»
Ich fasste unsere Zeit in diesem seltsamen Barovia zusammen (es war erst eine Woche her!) Als ich auf die Tarokka Karten zu sprechen kam, empfahl er uns Madame Ewa.
«Witzig, dass ihr sie erwähnt, sie hat uns diese Karten gelegt!»
«Oh dann waren es hoffentlich gute Omen!»
«Wir sind noch dabei, die Rätsel zu entziffern aber ja, ich denke, es waren zumindest sehr hilfreiche Karten.»
Da klopfte es an der Tür. Als sie geöffnet wurde, stand eine ältere Frau darin.
«Kretyana, was machst du denn hier?», fragte Anna, die Frau des Bürgermeisters. Doch plötzlich stand statt der älteren Frau der Abt vor uns. Das Ehepaar schien bis ins Mark schockiert. Thyrim begrüßte den Abt. «Es freut mich, dass unsere Gäste auch bei euch angekommen sind», sagte dieser und nickte in unsere Richtung.
«Was ist denn der Grund für euren Besuch?», fragte Dimitri.
«Ist es denn eine Sünde das Haus seiner Freunde und Nachbarn zu besuchen? Vor allem Freunde, die bald Familie sein könnten!», und dabei sah er Anna durchdringend an.
Der Abt nahm sich ihren Stuhl und setzte sich ans Feuer. «Wie gefällt euch das Dorf? Beschaulich oder?»
«Schön hier!», entgegnete Thyrim kurz angebunden.
«Sehr schön, die Krezkovs sind gute Behüter des Landes, nicht?»
Jetzt ergriff Tirx das Wort: «Ja, auf jeden Fall. Aber was macht ihr hier, nachdem ihr uns vorhin erzähltet, dass ihr so gut wie nie hier seid? Ich bin ein wenig verwundert!»
«Ist es nicht schön, wie etwas Kleines, Zerbrechliches an den Ecken von Strahds Reich bestehen kann? Niemand braucht etwas zu befürchten, vor allem wenn man seinen Pflichten nachkommt. Der Glaube und der Morgenfürst…» und dabei sah er wieder Anna an. «Steht es nicht geschrieben, dass diejenigen, die ihre Pflicht erfüllen, selbst zu etwas Göttlichem werden? Aber ich befürchte, ich habe euch beim Abendessen gestört, ich werde wieder gehen. Möge das Licht des Morgenfürsten euch segnen.», und kurze Zeit, nachdem er aus der Tür herausgegangen war, hörten wir Flügel schlagen. Was war das denn jetzt für ein kryptischer Besuch gewesen!?
Sobald er weg war, fielen Anna und Dimitri in sich zusammen und fingen an zu schluchzen.
Dimitri fing sich als erster. Er schloss schnell die Tür wieder zu, setzte sich mit einem tiefen Seufzer auf einen Stuhl und erklärte:
«Vor Kurzem griff ein Werwolf das Dorf an und wütete herum. Er tötete Carla, unsere Tochter, bei seinem Amoklauf. Ich hielt sie im Arm als sie starb, er hatte sie förmlich in Stücke gerissen! Ilya verschwand in dem Chaos und wurde seither nicht mehr gesehen. In unserer Verzweiflung beteten wir zum Morgenherrn und baten ihn um Erlösung und Barmherzigkeit – und der Abt antwortete. Am nächsten Morgen luden uns seine Diener in die Abtei ein und dort bot uns der Abt an, Carla wiederzubeleben, wenn meine Frau ihr Herz für die Schöpfung hergeben würde. Zu meinem Schrecken akzeptierte Anna und der Abt erweckte Carla wieder zum Leben. Er sagte, er brauche das Herz meiner Frau für einen Golem. Dann gab er ihr einen Monat, nach dem Anna ihr Herz geben müsse und dann zum Morgenfürsten gehen würde. Carla ist seither nicht mehr dieselbe. Sie erinnert sich noch daran, wie es ist, zu sterben. Seitdem starrt sie immer auf das Grab, was wir für sie vorbereitet hatten. In 2 Wochen ist dieser Monat abgelaufen.»
Es entbrach eine hitzige Diskussion zwischen Anna und den restlichen Anwesenden.
«Ich habe meine Wahl getroffen und ich werde für das Leben meiner Tochter diesen Handel eingehen!», machte sie jedoch ihren Entschluss klar.
Irgendwann öffnete sich die Tür hinter uns und ein kleines Mädchen fragte: «Ist alles in Ordnung?»
«Bist du Karla?», sie nickte.
«Alles in Ordnung hier», beruhigte Arwenya sie.
Sie nickte und schloss die Tür wieder.
Dimitri und Anna zogen sich für die Nacht zurück. Wir durften die Nacht in der Wohnstube verbringen. Es gab zwar nicht viel Platz aber das war immerhin besser, als draußen zu schlafen (vor allem bei der Kälte). Ich legte mich wie Yatsuka nah ans Feuer.
Wir beschloßen, hier nur eine Nacht zu übernachten und am nächsten Tag nach Vallaki zurückzukehren und uns nach den Jägern die Thyrim empfohlen worden waren, umzuhören. Vielleicht wussten die etwas über die Höhlen in der Gegend und waren in der Lage, Ilya aufzuspüren oder würden uns zumindest helfen können.
Sy erzählte, dass ihm Karla draußen, während der Erledigung unserer Aufgaben begegnet sei und sie habe erzählt, dass sie einen schlimmen Albtraum gehabt habe. Sie hatte Sy gefragt, ob er schon mal so schlimme Albträume gehabt habe, die nicht von der Realität unterscheidbar gewesen seien. Und ob, wenn etwas Schlimmes passiert sei, ob es dann überhaupt passiert sei, wenn man nur davon geträumt habe.
Das Mädchen war wohl schwer traumatisiert. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie auf furchtbare Art getötet und wiederbelebt worden war, sich aber noch an alles erinnern konnte.
Am nächsten Morgen fühlte ich mich… komisch. Ich hatte zwar geschlafen aber ich war erschöpft. Und meine Kopf- und Gliederschmerzen waren auch nicht besser geworden. Und ich hatte unbändiges Verlagen nach einem Traumtörtchen. Wirklich. Ich MUSSTE eins haben. Aber eigentlich waren die gar nicht so gut gewesen oder? Warum verlangte mich denn jetzt so danach?
Ich warnte die anderen, dass es mir echt seltsam nach diesen Törtchen verlangte, obwohl sie gar nicht so lecker gewesen waren und mir auch trotz dem Namen keine tolle Träume beschert hatten. Vielleicht sei es besser, die Törtchen loszuwerden und mich daran zu hindern, eines zu essen? Tirx erinnerte sich, dass die Törtchen sehr abhängig machen konnten und die Eltern von dem Jungen aus der Kirche diesen total verfallen und süchtig geworden waren. Alle fingen an, ihre Törtchen ins Feuer zu werfen. Ich war entsetzt, obwohl ich sie eigentlich darum gebeten hatte! Zum Glück hatte ich ja noch eins in der Tasche. Als ich versuchte, es zu essen, kam Tirx, rupfte es mir aus der Hand und pfefferte es ins Feuer! NEIIN! Warum war meine Reaktion so heftig, obwohl ich um die Wirkung wusste?
Es war wohl besser, mich abzulenken und uns schnell auf den Weg zurück nach Vallaki zu machen…
Das könnte Sie auch interessieren
Yara 25 – Kampf gegen den Drachen
6 Juni, 2021
Sei nett zu deinem Fett! (1)
15 Mai, 2024