Curse of Strahd 17 – Wein und weinende Ziegen
Der Morgen war neblig und kalt. An den Fenstern waren schon kleine Eisblumen.
«Aufstehen, aufstehen!», ich ziehe bei allen im Zimmer die Decke weg. «Wir haben viel zu tun heute!»
Wilda hüpft schnell in ihre Ausrüstung rein, während Tirx vor sich hin grummelt.
Wir gehen hinunter zum Frühstück und Sy gesellt sich zu uns.
Yatsuka war schon mit ihrem Drachen Gassi und setzte sich schnell zu uns. Ich glaube, sie will eigentlich gar nicht so auffallen und in unserer kleinen Schnittmenge untergehen, doch das gestaltet sich als Tabaxi mit einem kleinen Hausdrachen gar nicht so leicht. Wobei das wohl an dem Ort, wo wir uns befinden keine große Rolle spielt. Kurze Zeit später waren unsere Gruppe vollzählig im Schankraum versammelt.
Die Kälte zog schon herein. «Brrr, ich hasse Kälte!»
Zum Glück gabs warmen Tee.
«Der Herr da drüben am Fenster will euch sprechen», informierte uns Danika.
Wir setzten uns zu ihm hin. Der Drache hüpfte unter dem Tisch herum und schnappt sich die Krümel, die der Herr herunterfallen ließ. Er trug eine schwarze Robe, hatte ein strenges Gesicht und beendete erst mal sein üppiges Frühstück. Auch wir erhielten unser Frühstück.
Danika lehnte sich zu mir herunter und flüsterte mir zu: «Das ist übrigens der Mann, der gestern den Brief von Lady Wachter hier abgegeben hat.»
«Mylady sagte, ihr habt ihren Plan zum Regierungswechsel der Stadt zugestimmt und ich sollte euch nun diese Flasche überbringen, als kleines Geschenk an den Leibwächter des Bürgermeisters.» Und er zog eine Flasche «Roter Drache Spätlese» aus seiner Jacke. «Natürlich entsprechend präpariert. Ernst Larnak ist mein Name, verzeiht meine späte Vorstellung. Ich bin der Bote der Lady Wachter. Ich brauchtet auch die Information über den groben Tagesablauf des Izek. In der Regel beginnt er seinen Tag kurz nach Mittag, dann, sobald er seinen Rausch ausgeschlafen hat, informiert er sich über die Geschicke der Stadt bei seinen Klatschmäulern. Danach ist der Nachmittagsplan relativ variabel, aber er trinkt die erste Flasche des Weines bis zur Abenddämmerung und die zweite, nachdem er sich für ein Lokal zum Abend entschieden hat.»
Er überreichte uns noch einen Sack aus grobem Leinenstoff. «Die Lady hat euch sicher gesagt, wie sie die Machtübernahme geplant hat. Hiermit könnt ihr das tun.»
«Wie sind wir da nur hineingeraten?», sinnierte Yatsuka.
«Ihr solltet auf jeden Fall Izek nach dem Mittagessen nicht mehr aus den Augen lassen.»
Yatsuka und Ernst handelten noch den Preis für eine Tasse Kaffee aus, den Yatsuka mitgebracht hatte und dann bekamen wir alle eine winzige Tasse Kaffee! Wow ich hatte erst einmal in meinem Leben Kaffee gehabt! Auch Ernst war begeistert, dass er nur 10 Silber für seine Tasse bezahlen musste.
Tagesablauf Izek
22:00 Uhr Izek kehrt in die Villa des Bürgermeisters zurück und nimmt sein Abendessen sowie eine dritte Flasche Wein in seinem Schlafzimmer ein.
11:00 Uhr Izek erwacht aus seinem betrunkenen Schlummer und nimmt seine Morgenmahlzeit in der Küche des Bürgermeisters ein, wo er von zwei Wächtern empfangen wird, die ihm den Morgenbericht überbringen.
11:30 Uhr Izek begibt sich in Begleitung der beiden Wachen zum westlichen Tor des Sonnenuntergangs, zum nördlichen Tor von Zarovich und zum östlichen Tor des Morgens, um die Berichte der Wachen entgegenzunehmen und die Verteidigungsanlagen der Stadt zu inspizieren.
13:00 Uhr Der Koch des Barons bringt Izek ein Mittagsmahl und eine Kiste mit zwei Flaschen Wein auf den Marktplatz von Vallaki. Izek isst sein Mittagessen und beginnt, die erste Flasche Wein zu trinken, während die beiden Wachen in der Umgebung patrouillieren.
14:00 Uhr Izek und die beiden Wächter besuchen drei oder vier von Izeks «Spionen», die in der Stadt verstreut sind, um Berichte über jüngste böswillige Unzufriedenheiten entgegenzunehmen.
16:00 Uhr Izek und die beiden Wächter reisen zum Sonnenuntergangstor, zum Zarovich-Tor und zum Morgentor (beginnend mit dem Tor, das am nächsten liegt), um die Berichte der Wächter entgegenzunehmen und die Verteidigungsanlagen der Stadt zu inspizieren.
17:30 Uhr Izek entlässt die beiden Wachen und reist allein zum Zarovich-See. Den Rest des Abends verbringt er damit, die zweite Flasche Wein zu trinken und ins Leere zu starren.
Während des Frühstücks erzählte uns Thyrim, was in der Zeit, die er beim Bürgermeister und dessen Sohn verbracht hatte, passiert war.
«Wir haben eindeutig zu viel zu tun.», seufzte ich.
Wir beschlossen, erst bei der Kirche vorbeizugehen, Ireena Bescheid zu sagen, dass sie bitte die Kirche unter Lebensgefahr nicht verlassen dürfe, dann die Hexe Babalysaga zu suchen und Krezk hoffentlich zu betreten. Die Wolfsverwandlung schien mir am dringendsten, da wir nur noch wenige Tage hatten, bis sich Tirx und Arwenya in Werwölfe verwandeln würden…
So wurde das beschlossen. Die Lady Wachter und der mysteriöse Magierturm würden ein, zwei Tage warten müssen.
Sy sah nach dem Pony und spannte es wieder vor den Wagen. Und so machten wir uns auf den Weg. Draußen waren schon viele Häuser und Tafeln mit Plakaten behangen worden. Anscheinend über Nacht.
«Kommt alle zum Fest der brennenden Sonne am 8. Neyavr.»
Außerdem wurden Steckbriefe ausgehangen. Es sollte 5 Goldstücke als Belohnung geben für den Aufenthaltsort einer jungen Frau, die verdächtig nach Ireena aussah…
Auf dem Weg zur Kirche versuchten meine Gefährten, die Steckbriefe abzumachen, Balthasar und ich traten an jeder Straßenecke kurz auf und boten ein kleines Ständchen feil, um die Menschen abzulenken. Doch die Wachen, die entdeckten, dass welche fehlten, hingen sofort wieder neue Steckbriefe auf.
Wir huschten in die Kirche rein.
Ireena saß in einem Nebenraum und sprang sofort auf, als sie uns sah. Sie war sehr besorgt, dass die Fahndungsplakate mit uns in Verbindung gebracht worden waren. Zum Glück hatten wir sie letzte Nacht mittels der Fledermaus mit diesen Kommunikationssteinen versorgt.
«Einen habe ich noch hier, ich behalte den mal.»
«Ja, sehr gut, der ist für den Notfall gedacht.», Arwenya erklärte ihr den Gebrauch der Steine.
«Gibt es denn einen Plan? Wie kommen wir da raus? Meinetwegen ist schließlich das Blue Water Inn verwüstet worden!» Das hatte Ireena sehr mitgenommen.
«Oh, jaaa wir haben einen wunderschönen Plan, der geht so: Wir haben einen Tagesablauf von Izek erhalten – wartet hört jemand zu?», bevor ich den Plan ausführlich diskutierte, wollte ich sicher gehen, dass er an keine unbefugten Ohren gelangen würde.
«Ich habe noch in meiner Schreibstube zu tun!», verabschiedete sich der Pater und ging in seine Schreibstube. Arwenya legte sicherheitshalber einen Stillezauber über die Schreibstube und die Türe unseres Zimmers, damit auch niemand an der Türe lauschen konnte. Thyrim sah sicherheitshalber nach den Jungs, die hier in der Kirche arbeiteten und wohnten. Jetzt waren wir sicher.
«Also wir haben einen Tagesablauf für Izek erhalten und einen vergifteten Wein…» und ich erzählte Ireena genau, was unser und Lady Wachters Plan für die Stadt war.
«Das ist aber sehr unbefriedigend, ich würde gerne mitgehen und helfen. Bin ich bei euch nicht sicher? Ich könnte doch mitkommen, wenn ihr mich beschützt!»
«Ihr könntet euch verkleiden!»
Tirx holte Thyrim, der vor der Türe Wache stand, herein. Vielleicht hatte er einen Verkleidungszauber.
Thyrim war aber strikt dagegen, dass Ireena mitkäme. Sie jedoch war nicht davon abzubringen, so lange, bis Thyrim und Sy eindringlich auf sie einredeten, dass sie einerseits sich aber auch uns alle in Gefahr bringen würde. Irgendwann setzte sich Ireena frustriert aber einsichtig auf ihre Pritsche. «Na gut, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis ihr wiederkommt. Aber nehmt mich unbedingt mit, wenn ihr euch an Izek rächt!»
Da kam der Pater wieder. «Nun gut, ich hoffe, dass alles besprochen ist!».
Zur Sicherheit legte Thyrim noch einen Zauber auf die Türe zu Ireenas Raum bevor wir losgingen, damit er gewarnt würde, wenn jemand Unbefugtes das Zimmer betreten sollte.
Nun aber auf zu Babalysaga!
Aus den Plagen, gegen die wir am Vortag bei der Wegkreuzung gekämpft hatten, waren mittlerweile kleine Sprösslinge gewachsen. Weiter Richtung Süden gingen wir dem Fluss entlang. Nach einer halben Stunde kamen wir an einen etwas lichteren Teil des Waldes. Dort gabelte sich der Fluss, in dessen Mitte eine kleine bewaldete Insel sich befand. Auch ragte eine Halbinsel in den Fluss hinein, moosbewachsen und ein größerer Stein befand sich darauf. Ein Granit. Ein paar Schnitzereien zeichneten sich darauf ab, die schon mit Moos bewachsen waren. Es schienen Spinnen zu sein. Balthasar malte sich die Schnitzereien ab. Weiter südlich wurde der Baumbewuchs immer lichter und der Nebel schien mittlerweile sogar die Töne zu schlucken. Langsam wurde es auch etwas steiler. Immer dichter wurde der Nebel. Da ragte irgendwann ein alter, knorriger Baum hinaus. Daran hingen große Käfige und eine alte Vogelscheuche aus Sackleinen und Tierhäuten, die einen großen Vogel darstellte. So einer, der Blue auch schon einmal angegriffen hatte. Das Gebilde aus sah uns an!
Ich wollte daran vorbeilaufen. Bloß schnell weg hier, bei dem Ding lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Das Ding drehte den Kopf mit und sah uns weiter an. Bis sein Kopf sich übernatürlich verdrehte. Als wir ganz vorbei waren, hörten wir ein Knurren, dann erhob es sich in die Lüfte und flog in die Richtung, in der wir auch unterwegs waren. Wen würde es wohl über unsere Ankunft vorwarnen?
Irgendwann wurde der Weg sumpfig. Ein paar verfallene Bauernhäuser lugten aus dem Nebel hervor und zwei Vogelscheuchen waren an Posten entlang des Weges angebracht. Auch sie schienen uns zu beobachten, obwohl sie die Köpfe nicht bewegten. Thyrim zupfte ein paar Strohhalme und Federn aus einer Scheuche.
Dann bemerkten wir, dass aus einem der Häuser ein wenig Licht herauswaberte. Als jemand darauf zuging, hüpfte eine schwarze Katze aus dem Licht.
Yatsuka sprach mit ihr. «Meine Herrin nennt mich Mausi. Und ich jage. Oh! Da!» und sie sprang in ein kleines Gebüsch, kam wieder mit einer Kröte und fing an, mit ihr zu spielen. «Kannst du uns zu deiner Herrin bringen?» – «Nö, ich spiele doch, siehst du ja.»
Yatsuka versuchte, sie mit einem Stück Trockenfleisch zu ködern. «Das kriegst du, wenn du uns deine Herrin führst.»
Aus dem Lichtschein trat plötzlich eine Frau hinaus. «Mausi, nicht immer alles fressen, was herumliegt!», sagte sie streng.
«Oh, muss los!», und Mausi sprang zu der Frau hin und schlängelte sich um ihre Beine.
Sie wandte sich an uns: «Soso, ihr wolltet meine Mausi bestechen. Aber jetzt, mitkommen! Mutter Lysaga erwartet euch.» Und sie schritt schnellen Schrittes davon. Wir hasteten hinterher.
Nach einigen Minuten blieb sie abrupt stehen, zeigte auf eine Lichtung. «Da! Reingehen!»
Auf dieser Lichtung stand das bizarrste Gebäude, das ich je in meinem Leben gesehen hatte: eine Hütte, die auf einen Baum gesetzt wurde. Um den Baum herum war schlammiges Wasser. Neben der Tür der Hütte schwebte ein großer ausgehöhlter Schädel und am Dach hingen mehrere Käfige, die voll mit kreischenden, flatternden Raben waren. Aus der Hütte selbst hörten wir ein bezauberndes Wiegenlied. Wow, das wollte ich unbedingt lernen!
«Mutter Lysaga! Gäste!», rief die Frau in Richtung der Hütte, drehte sich um und verschwand.
Thyrim klopfte mit einer geisterhaften Magiehand an der Tür, doch das Lied verstummte nur kurz.
Ich kletterte hoch und fand trotz Moos relativ guten Halt. Die Tür war ein Spaltbreit offen. Ich öffnete sie komplett. Der Raum war vollgestopft mit alten Möbeln und einer blutverschmierten kleinen Wanne. In der Mitte stand ein kleines Holzbettchen mit einem kleinen Kind darin, davor saß eine alte Frau mit grüner, faltiger Haut, die diesem Kind etwas vorsang. Sie hatte überlange, Arme. Unter dem Bettchen erkannte ich einen grünen Schimmer aufsteigen.
«Das ist aber ein schönes Lied! Könnt ihr mir das beibringen? Ich könnte euch begleiten!»
«Ach, euch habe ich erwartet, ihr wurdet mir angekündigt!» Die alte Frau ging überhaupt nicht auf mich ein.
Ich ging zur Tür, zeigte allen, dass es erstmal sicher sei und die meisten kamen nach und kletterten den moosigen Stamm hoch. Nur Sy passte lieber auf das Pony auf.
Ich setzte an, um der Hexe zu erklären, weswegen wir hier sind. «Jajajaja, erweist dem jungen Strahd hier die Ehre und bringt ihm eine Rabenfeder von draußen! Dann reden wir drüber!»
Und als ich mich auf den Weg machte, rief sie mir nach: «Aus dem linken Käfig, die sind ein wenig ruhiger!»
«Strahd? Ihr meint doch nicht diese Illusion hier?», meinte Thyrim.
«Respektlos! Entschuldige dich!», die Hexe war erbost! Das konnte nichts Gutes bedeuten!
«Was für ein komisches Kind soll da sein?», hörten wir Sy von draußen.
Thyrim versuchte vehement, die Alte davon zu überzeugen, dass das Baby nur eine Illusion sei, während Sy von draußen mit ständigen, neugierigen Zwischenrufen wissen wollte, was für ein Kind das denn sei, bis…
Plötzlich sahen wir einen Blitz, der sich in einer Hand der Hexe manifestierte und Thyrim trifft! Er windet sich unter heftigen Schmerzen. Und dampft ein bisschen.
«Okay, okay, Entschuldigung!», japste er unter Schmerzen.
Ich zupfe eine Rabenfeder ab, während ich Sy gestikulierend versuche mitzuteilen, ruhig zu sein.
«Ich würde gehen, wenn das in Ordnung ist?», höre ich Thyrim mit dünnem Stimmchen fragen.
«Besser für euch!», kam die Antwort der Alten prompt.
«Was soll ich mit der Feder machen?»
«Dem Kind als Zeichen eurer Anerkennung in die Wiege legen.»
Die Rabenfeder glitt durch das Kind hindurch auf den Boden.
Ich erklärte ihr, wen wir suchen und reiche ihr die Locke und das Armband.
Sie legte das Armband neben sich auf einen Tisch und meinte: «kriegen wir hin! Ich brauche dafür eine Ziege. Bringt mir eine!»
«Eine Ziege?!», fragte Arwenya entgeistert.
«Ja! Ziege! Fell, vier Beine, Hörner! Noch nie eine Ziege gesehen?»
Arwenya, Tirx und ich gingen eine Ziege holen.
«Das Passwort ist ‚Tod für Ravenovia!'», hörten wir die Hexe uns hinterher rufen.
Ein Stück den Weg hinunter war ein rundes Ziegengatter mit einem hölzernen Zaun. Auf den Pfählen waren menschliche Schädel gesteckt. Es gab keine Türe. Ich sagte das Passwort und der Zaun verschwand an einer Stelle. Die Ziegen kauerten sich ängstlich zusammen. Sy versuchte sie zu beruhigen, viel brachte das allerdings leider nicht. Aber als Yatsuka das Gatter betrat, beruhigten sich die Tiere sofort, sodass wir eine mitnehmen konnten.
Tirx brachte die Ziege hinauf in die Hütte, Sy, Thyrim und Yatsuka blieben unten, uns allen schwante Übles.
Babalysaga hielt schon die Hand hin. «Ab hier übernehme ich!» und sie zog die sich wehrende, windende Ziege grob hinter sich her, holte einen kleinen Dolch aus einem Schrank und bat um Hilfe. Tirx half ihr, die Ziege mit dem Kopf über die blutverschmierte Wanne zu halten. Ich konnte nicht hinsehen.
Als die Ziege ausgeblutet war, schickte Babalysaga uns raus. «Kein Wort, während ich den Zauber wirke!»
Das ließen wir uns nicht zweimal sagen.
Ich ging schnell hinaus und setzte mich auf die Veranda, ließ meine Füße ein bisschen baumeln. Wenigstens die sollten sich kurz entspannen können, wenn schon jede Faser meines Wesens sich mit Abscheu zusammenzog.
Plötzlich wurde es sehr ruhig, auch das Quaken der Frösche und Zirpen der Grillen war nicht mehr zu hören. Babalysaga murmelte etwas. «Jungen… jugendlich, tottelig und er hat Narben… sie haben ihn mit Silber umwickelt und angekettet. erbärmlich. die Augen verborgen, anscheinend heult er…. Posten in einer Höhle, Kammer mit Fackellicht, daneben eine Frau angekettet mit scharfen Augen aber sehr struppigen Haaren. Ich rieche die Gabe von Mutter Nacht an ihr. Nähe… Statue… Frau mit Wolfskopf… Mutter Nacht. Vor ihr knieen Leichen»
Dann meinte sie: «Auftrag erledigt! Wenn ihr sonst noch etwas habt…»
«Wo ist denn diesw Höhle?»
«In Barovia! Aber die eine Person schien eine Werwölfin zu sein. Könnte auch im Rudelunterschlupf sein. Ich glaube dieser ist irgendwo nördlich in den Svalich Wäldern.», sie wandte sich wieder dem Kind zu. «Na, du kleiner Goldschatz.»
«Danke, das wars tschühüüß!», rief ich im gehen. Tirx schloss sich mir schnell an und auch die anderen waren schon auf dem Rückweg aus dem Sumpf. Alles in mir schrie, dass wir den armen Ziegen und wer weiß, was sie noch alles gefangen hielt, helfen müssten, doch mein Überlebensinstinkt war lauter.
Endlich wieder auf einer normalen Straße, heilte ich Thyrims Wunden. Er war ganz schön kleinlaut und jammerig auf dem Weg zurück nach Krezk. Als wir wieder dem Fluss entlang nach Norden liefen, hörten wir plötzlich Kampfgeräusche. Überall um uns herum! Plötzlich formten sich aus dem Nebel Formen von berittenen Soldaten, die in einem Kampf verwickelt waren. Die Helme sahen aus wie Teufels- oder Drachenhörner. Immer wenn einer tödlich getroffen wurde, zerfloss er zu Nebel. Wir konnten an und durch diese Soldaten durchgehen. Ich versuche, die Stimmung mit einem Lied zu heben, doch das brachte nichts. Das Kampfgetöse war lauter. Von links hörten wir plötzlich ein lautes Brüllen und sahen einen silbernen Drachenkörper auf uns zufliegen. Hinter ihm war eine Burg zu erkennen. Der Drache flog über uns hinweg und seine Flügel und sein Schwanz schlugen eine Schneise in die Nebelarmee. Als wir die Bäume erreichten, war alles weg.
Einfach weitergehen, nicht darüber nachdenken. Was für ein verfluchter Sumpf!
Irgendwann ein paar schweigsame Stunden später gelangten wir wieder an die Mauern von Krezk.
«Wir haben eure Aufgabe erfüllt!», rief Tirx.
Schnell holten die Wachen den Bürgermeister, der uns diesen schrecklichen Auftrag erteilt hatte.
«Na dann halte ich auch meinen Teil der Absprache ein.»
Das Tor ging auf und wir konnten Krezk betreten. Endlich.
Im Nordosten war das Kloster an einer Felswand zu erkennen. Davor einige Bäume zwischen Holzbauten. Das Dorf war echt kleiner als gedacht.
«Was habt ihr herausgefunden?»
Tirx erklärte dem Bürgermeister, was uns Babalysaga über den Aufenthaltsort des Jungen erzählt hatte.
«Wie sie hat auch eine Frau erwähnt? Und sonst noch jemanden?»
«Ja, einen Jungen.»
«Mein Junge! Ich danke euch vielmals! Aber ihr seid gewarnt: man hört seltsame Gerüchte über die Abtei, die sich um den Abt ranken und dass er in schmutzige Geschäfte verwickelt sein soll… also wenn ihr da Heilung sucht… seid auf der Hut.»
Da er im Gespräch seine Bibliothek erwähnt hatte, fragte Thyrim, ob er diese einmal sehen konnte. Gerne lud der Bürgermeister ihn ein und sie gingen auf eines der Holzhäuser zu. Wir anderen machten uns zum Kloster auf.
Vor der Abtei beim gesegneten Teich sollte der Abt anzutreffen sein, meinte der Bürgermeister noch. Das Dorf wirkte sehr heimelig, richtig gemütlich. Viel offener als Vallaki.
Am Teich war ein hölzerner Schrein. Darum herum wuchsen kleine lilafarbene Blumen. Sie gediehen dort richtig gut, trotz Frost und Kälte. «Das ist Wolfsbann!», staunte Arwenya.
Am Schrein kniete eine Person in einer Mönchskutte vor eben so einer Blume. In der Hand hielt er eine Kette mit einem hölzernen Sonnensymbol. Er verrieb ein Blütenblatt zwischen seinen Fingern.
«Ein Schutz gegen das Böse und ein Gift. Seltsam, dass eine Blume beides in sich vereint oder? Guten Tag, wer seid ihr?»
Wir stellten uns vor.
«Tirx, Heilung Suchender.»
«Was führt euch hierher? Es ist lange her, dass Fremde hier waren. Welche Heilung sucht ihr?»
«Wir suchen Heilung gegen die Werwolfsinfizierung für einen Freund.», meinte Arwenya.
«Verzeihung, aber der Freund den ihr meint, stinkt nach Wolf. Ihr erlaubt?», und er legte eine Hand auf Arwenya und ihre nicht heilen wollende Wunde schloss sich. Sie war geheilt. Genau dasselbe machte der Mönch mit Tirx. Beide waren geheilt.
Wie unspektakulär war das denn jetzt gewesen! Und das nach all den Strapazen??!? Na, wenigstens hatte es sich gelohnt.
«Danke! Tausend Dank! Wie können wir euch nur danken?»
«Das ist nicht notwendig. Ich habe einfach die Kraft zu heilen. Simple Sterbliche werden das nie verstehen aber ich denke, dass ihr eher von der Heilung profitiert, als dass ihr euch mit diesen Fragen beschäftigen solltet. Das ist nicht der Rede wert.»
Arwenya durfte sogar ein paar Wolfsbann Blumen mitnehmen!
«Ihr seid auch herzlich eingeladen, die Abtei von Sankt Markovia zu besuchen, wenn ihr ihre Geschichte kennenlernen möchtet.»
Und wie wir das wollten!
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